Folgen der Vogelgrippe

Landwirtschaft: Freilandeier werden in Sachsen-Anhalt knapp

Weissenfels - Wegen der Vogelgrippe müssen die Hühner ab dem 17. Februar in Sachsen-Anhalt dauerhaft im Stall bleiben.

Von Jan Iven

Wegen der Vogelgrippe herrscht in Deutschland seit Wochen Stallpflicht. Und so wundert sich manch einer, dass es im Burgenlandkreis auf Wochenmärkten und im Supermarkt noch Eier aus Freilandhaltung zu kaufen gibt. Gehen die Hühner etwa weiterhin zum Picken raus aufs Feld? Die Antwort: Nein, natürlich dürfen die Tiere ihre Ställe derzeit nicht verlassen. Doch für die Kennzeichnung von Freilandeiern gibt es eine zwölfwöchige Frist.

Werden Eier aus Freilandhaltung bald Mangelware in Sachsen-Anhalt?

So lange dürfen die Eier von eingesperrten Freilandhühnern weiterhin so bezeichnet werden, selbst wenn sie die Kriterien streng genommen nicht mehr erfüllen.

Da diese Frist in Sachsen-Anhalt am 17. Februar ausläuft, könnten Freilandeier bald Mangelware werden. Die betroffenen Landwirte müssen sich darauf einstellen, ihre ehemaligen Freilandeier als Produkte aus Bodenhaltung zu kennzeichnen und zu vermarkten.

Einer der größten Produzenten von Freilandeiern in der Region ist der Hühnerhof Zimmermann aus Nonnewitz mit rund 1.300 Tieren. „Wegen der Stallpflicht mussten wir sogar ein extra Zelt für die Hühner aufstellen“, sagt Landwirt Philipp Zimmermann, der sich nicht sicher ist, ob er die Vorsichtsmaßnahmen gegen die sogenannte Geflügelpest wirklich sinnvoll findet. „Die Hühner langweilen sich im Stall, deswegen müssen wir immer wieder mal das Futter und das Streu wechseln“, sagt er.

Trotz der ungewohnten Situation würden die Hühner wie bisher etwa 1.000 Eier am Tag legen. Dass er diese bald nicht mehr als Freilandeier verkaufen kann, stört ihn nicht besonders. „Wir haben unsere Stammkunden im Hofladen und auf Wochenmärkten, die bleiben uns treu.“ Umsatzeinbußen befürchtet Zimmermann daher nicht. „Trotzdem hoffen wir, dass die Vogelgrippe bald vorbei ist“, sagt er.

Auf der Tierfarm in Lützen hat die Stallpflicht hingegen dramatischere Auswirkungen. „Die Legeleistung unserer Freilandhühner ist um 75 Prozent zurückgegangen, seit sie drinnen bleiben müssen“, sagt Ivette Lutzke-Pätz. Im Stall würden die Hühner nicht ausreichend Auslauf, Luft und Sonne bekommen, was sich direkt auf die Zahl der gelegten Eier auswirken würde. Allerdings hat Lutzke-Pätz auch nur zehn Hühner für den Eigenbedarf. Ihr Geschäft macht sie mit dem Verkauf von Geflügel.

Hühner langweilen sich

Auf dem Markt in Weißenfels hat ein Landwirt aus Stößen Freilandeier im Angebot. Das Ende der Übergangfrist findet der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ärgerlich. Denn für Eier aus Bodenhaltung würde er zwei Cent weniger bekommen, bei bisher 20 Cent pro Ei. Zudem würden sich seine rund 200 Hühner im Stall langweilen und weniger Eier legen. Der Landwirt hofft daher auf ein baldiges Ende der Stallpflicht. Allerdings habe er Verständnis dafür, dass Sicherheit vorgeht.

(mz)