Kulturelles Erbe

Kulturelles Erbe : Wechsel an der Spitze des Schütz-Vereins

Weißenfels - Der Weißenfelser Musikverein Heinrich Schütz hat einen neuen Vorsitzenden. Auf der jüngsten Jahresversammlung des Vereins wurde Manfred Hoyer gewählt. Der bisherige Vorsitzende Johannes Kreis gibt das Amt damit nach rund 15 Jahren ab, bleibt als stellvertretender Vorsitzender jedoch dem Verein an vorderster Stelle ...

Von andreas richter 01.04.2016, 10:58

Der Weißenfelser Musikverein Heinrich Schütz hat einen neuen Vorsitzenden. Auf der jüngsten Jahresversammlung des Vereins wurde Manfred Hoyer gewählt. Der bisherige Vorsitzende Johannes Kreis gibt das Amt damit nach rund 15 Jahren ab, bleibt als stellvertretender Vorsitzender jedoch dem Verein an vorderster Stelle erhalten.

„Ich muss etwas kürzer treten. Dem großen Aufwand bin ich nicht mehr so ohne Weiteres gewachsen“, sagt der 77-Jährige. Zumal er als „Patriarch“ einer großen Familie mit drei Kindern, acht Enkeln und bald dem ersten Urenkel vollauf gefordert sei.

Vorsitz im Musikverein

Als der ehemalige Weißenfelser Landrat nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 2001 den Vorsitz im Musikverein übernahm, da lag ihm vor allem daran, das Heinrich-Schütz-Haus in der Nikolaistraße stärker in das Bewusstsein der Weißenfelser zu rücken. „Das Haus ist ein Juwel für diese Stadt“, sagt Kreis. Und war der Weg auch steinig, so glaubt er schon, dass die Weißenfelser heute etwas mehr mit Schütz anfangen können als noch zu Beginn dieses Jahrhunderts. Auch deshalb, weil der Alterswohnsitz des Barockkomponisten seit Oktober 2012 eine völlig neu konzipierte Dauerausstellung zu dessen Leben und Werk beherbergt. Mit einem wiederhergerichteten Kleinod, das Johannes Kreis all die Jahre besonders am Herzen lag: das Komponierstübchen unterm Dach. „Mit der Wiederentdeckung des Stübchens hat sich für mich ein großer Wunsch erfüllt“, sagt Kreis heute.

Im Heinrich-Schütz-Haus hat der Barockkomponist von 1651 bis zu seinem Tod 1672 gelebt und wichtige Alterswerke geschaffen. Es ist heute das einzige weitestgehend im Originalzustand zu besichtigende Wohnhaus des Musikers. Die wieder hergestellte Komponierstube zeigt unter anderem zwei im Haus aufgefundene Notenfragmente von der Hand des Komponisten. Klangbeispiele und Filme vermitteln einen Eindruck von der Kompositionsweise des Musikers. 2013 entdeckte der Leipziger Bach-Forscher Peter Wollny im Schütz-Haus eine bis dahin noch unbekannte Notenhandschrift von Johann Sebastian Bach. Die Abschrift einer Messe des italienischen Komponisten Francesco Gasparini fand sich in der Sammlung der ehemaligen Ephoralbibliothek Weißenfels. (ari)

Dass der bisherige Chef nun in die zweite Reihe tritt, hat auch ein wenig mit der neuen Rolle des Musikvereins zu tun. Gab es doch zu Jahresbeginn einen wichtigen Einschnitt: Der Verein hat nach zwölf Jahren die Trägerschaft für das einzige original erhaltene Wohnhaus des Komponisten an die Stadt zurückgegeben. „Es war besser so“, meint Johannes Kreis und der neue Vorsitzende stimmt ihm zu. Der Verein sei nicht in der Lage, die Finanzierung des Hauses dauerhaft verlässlich zu gewährleisten. Eine Konsequenz des Trägerwechsels: So manch alltägliche Kleinarbeit, die mit der Betreibung des Hauses zusammenhängt, fällt nun von den Schultern des Vereins mit seinen gut 70 Mitgliedern, viele davon bereits im fortgeschrittenen Alter.

Rollen getauscht

„Wir haben jetzt die Rollen getauscht“, sagt Manfred Hoyer, der bisher stellvertretender Vereinsvorsitzender war. Bis vor kurzem war der heute 63-Jährige bei der Deutschen Bahn beschäftigt. Nun ist der Weißenfelser in Rente gegangen, hat mehr Zeit, sich um den Verein zu kümmern. „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Musik, aber nicht unbedingt nur für Schütz“, erzählt Hoyer. Schütz-Musik sei weniger etwas für den Alltag, sondern eher zum Genießen.

Von der Arbeit des Vereins in seiner neuen Rolle hat er schon einigermaßen klare Vorstellungen. „Wir werden die Stadt weiter unterstützen“, versichert Hoyer. Mit Führungen im Schütz-Haus zum Beispiel, oder mit dem Einlassdienst bei Veranstaltungen. Wichtig ist ihm die Fortführung der museumspädagogischen Arbeit. Und beim traditionellen Museumspfad im Mai in der Weißenfelser Innenstadt werden Vereinsmitglieder wie bisher dabei sein.

Von einer liebgewordenen Tradition will sich Johannes Kreis indes auch noch nicht verabschieden. Ja, in den nächsten beiden Jahren wird er es zu dem einen oder anderen Anlass noch tun. Wird mit Spitzbart und Kostüm in die Rolle des Barockkomponisten schlüpfen. (mz)

Informationen zu Veranstaltungen im Schütz-Haus gibt es im Netz unter www.schuetzhaus-weissenfels.de.