Klimaparkplatz in Weißenfels

Klimaparkplatz in Weißenfels: Stadtrat-Absage für Grünfläche sorgt für Kritik

Weißenfels - Der neue Klimaparkplatz in Weißenfels muss ohne einen Park auskommen. Das gefällt nicht allen.

Von Jan Iven 07.02.2018, 11:35

Für die einen wäre es ein Schmuckstück an der Zufahrt zur Weißenfelser Innenstadt geworden, für die anderen ein potenzieller Schandfleck - die Rede ist von der ursprünglich vorgesehenen Grünfläche am geplanten neuen Klimaparkplatz an der Saale. So war für den Ausbau des jetzigen Schotterparkplatzes am Niemöllerplatz eigentlich die Errichtung einer Grünfläche mit Sitzgelegenheiten und einer Offenlegung des derzeit unterirdisch verlaufenen Greißlaubaches angedacht.

Angst vor Vandalismus: Stadtrat stimmt gegen Grünfläche am Klimaparkplatz 

Doch daraus wird nun nichts. Denn bei ihrer jüngsten Sitzung haben die Weißenfelser Stadträte diesen Gestaltungsvorschlag der Stadtverwaltung mehrheitlich abgelehnt. Zu groß war bei vielen Politikern die Befürchtung, dass die Grünfläche zugemüllt wird und die Stadt auf hohen Reinigungskosten sitzenbleibt. Stattdessen entsteht nun einer reiner Parkplatz mit 84 Stellflächen sowie Ladestationen für Elektroautos und Elektrofahrräder.

Diese Sorge um die Vermüllung der Grünfläche hatte aber schon bei der Sitzung für Irritationen gesorgt. „Wenn wir Angst vor Rowdys haben, können wir gar nichts mehr sanieren“, sagte Gunter Walther von der Fraktion Gerechtigkeit/Grüne, der die „offene Variante“ bevorzugt. „Die Grünfläche sieht besser aus und bietet mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer.“

Weißenfelser übt heftige Kritik an Entscheidung gegen Grünfläche 

Verärgert über die Ablehnung der Grünfläche am geplanten Parkplatz äußerte sich MZ-Leser Robert Habermann, der sich in einer E-Mail an die Redaktion gewandt hat. „Die Ablehnung des ansprechenden Entwurfes mit Naherholungswert ist einfach nur unfassbar und traurig“, schreibt der Weißenfelser. „Ich bin sehr verärgert.“ Der Parkplatz sei schließlich ein „weithin sichtbares Aushängeschild“ an einer Schnittstelle zwischen Alt- und Neustadt. Das zeuge von einem „wenig visionären Geist“ der Stadträte.

Zumal die Kosten für beide Varianten mit rund 1,5 Millionen Euro etwa gleich hoch sind. Die Stadträte verzichteten damit auf einen Park zugunsten von 15 zusätzlichen Parkplätzen.

Dass die Grünfläche zugemüllt werden könnte, glaubt er nicht. Schließlich könnten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf die Sauberkeit achten. Das sei auch besser, als Strafzettel zu verteilen und „die wenigen Bürger zu bestrafen, die noch in Weißenfels einkaufen.“

Wurde Grünfläche auch wegen befürchtenden Biertrinkern abgelehnt?

Möglicherweise werde aber auch befürchtet, dass die Grünfläche „Alkohol konsumierende Menschen“ anziehen könnte, vermutet Habermann. Tatsächlich hatten einige Stadträte vor der Abstimmung zumindest angedeutet, dass Biertrinker ein Problem werden könnten.

In seinem Schreiben appelliert Habermann abschließend an die Stadträte, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken: „So kann es nicht bleiben. Es wäre ein großes Zeichen der Stärke, den eigenen Irrtum zu erkennen und sich selbst zu korrigieren.“

Auch der Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) war enttäuscht, dass der Vorschlag der Stadt abgelehnt wurde. „Die offene Variante bietet eine Aufenthaltsqualität für Radfahrer und Fußgänger. Bei der geschlossenen Variante haben wir einfach nur einen toten Parkplatz“, sagte er. Doch die Stadträte haben nun endgültig entschieden. (mz)