Kinderbetreuung in Weißenfels

Kinderbetreuung in Weißenfels: Kita-Plätze werden Mangelware

Weißenfels - Kita-Plätze in Weißenfels werden zur Mangelware. Welche Auswirkungen das Geburten-Hoch in Weißenfels hat.

Von Andreas Richter 02.03.2017, 06:00

Für Eltern in Weißenfels wird es immer schwieriger, einen Kindergartenplatz nach Wunsch zu bekommen. Das Problem: Vor allem in den Kindereinrichtungen der nördlichen Ortsteile ist zurzeit praktisch kein freier Kita-Platz mehr zu haben.

„Wir haben mittlerweile sogar Wartelisten“, sagt Maik Trauer, als Fachbereichsleiter bei der Stadt zuständig für die Kitas. Um die Situation nicht weiter zu verschärfen, wurde im Norden ein Aufnahmestopp für Kinder ausgesprochen, die nicht in den Ortsteilen wohnen.

Fachbereichsleiter in Weißenfels: Wir sind von der Entwicklung der Geburtenzahlen ein Stück weit überrascht worden

Weißenfelser Eltern, die ihr Kind etwa in der Kita in Burgwerben oder Wengelsdorf unterbringen wollen, müssen sich derzeit gedulden oder auf eine weiter entfernte Einrichtung, im konkreten Fall in die Kita „Anne Frank“ in der Neustadt, ausweichen.

„Wir sind von der Entwicklung der Geburtenzahlen ein Stück weit überrascht worden“, sagt Trauer. Ein Blick auf die Statistik zeigt: In den vergangenen fünf Jahren lag die Zahl der Geburten in Weißenfels zum Teil jeweils deutlich über der Bevölkerungsprognose des Landes. So lag die Prognose 2012 bei 259 Kindern, tatsächlich aber wurden 283 Mädchen und Jungen geboren. Besonders deutlich war es im vergangenen Jahr: Den vorausgesagten 214 Geburten standen 341 im wahren Leben gegenüber.

Fachbereichsleiter in Weißenfels: Noch vor zehn Jahren ging man davon aus, dass der Bedarf an Kita-Plätzen zurückgehen wird

„Noch vor zehn Jahren ging man davon aus, dass der Bedarf an Kita-Plätzen zurückgehen wird“, erinnert Trauer. Mittlerweile ist die Lage jedoch eine völlig andere: Wurden im Jahr 2010 im Durchschnitt 2.478 Mädchen und Jungen in den 13 kommunalen Weißenfelser Kindereinrichtungen betreut, so waren es im vergangenen Jahr 2.730. Noch könne die Stadt den Bedarf jedoch insgesamt decken, sagt Trauer. Immerhin liege die theoretische Gesamtkapazität für alle kommunalen Einrichtungen bei 3.030 Plätzen.

Allerdings gibt es eben die regionalen Engpässe. „Ein freier Hortplatz in Leißling nützt einer Mutter wenig, die einen Krippenplatz in Großkorbetha sucht“, sagt Trauer und verweist in dem Zusammenhang auf ein weiteres Problem. Der Stadt fehle in einigen Einrichtungen das Personal, um die Kitas entsprechend der Betriebserlaubnis zu hundert Prozent auslasten zu können.

Weißenfels: Derzeit sind 160 Mitarbeiter in den kommunalen Einrichtungen beschäftigt

Derzeit sind 160 Mitarbeiter in den kommunalen Einrichtungen beschäftigt. Zum August dieses Jahres bräuchte die Kommune voraussichtlich fünf neue Erzieher(innen). Doch Trauer schätzt die Chancen realistisch ein: „Der Markt ist wie leer gefegt“.

Derweil sollen die Ende 2015 beschlossenen Elternbeiträge in diesem Jahr nicht verändert werden. Für 2018 allerdings müssen sich die Eltern auf eine neue Kalkulation der Beiträge einstellen. „Genaues lässt sich derzeit  noch nicht sagen. Das wird auch davon abhängen, wie sich die Kosten bei den freien Trägern entwickeln“, so Trauer gegenüber der MZ.

Weißenfels muss sich auf zusätzliche Belastungen bei der Finanzierung der Kinderbetreuung einstellen

Fest steht schon jetzt, dass sich die Kommune auf zusätzliche Belastungen bei der Finanzierung der Kinderbetreuung wird einstellen müssen. Was unter anderem damit zusammenhängt, dass Abschreibungen in Kitas in freier Trägerschaft künftig von der Kommune zu erstatten sein werden.

Trauer rechnet damit, dass allein dadurch zusätzliche Kosten von mindestens 300.000 Euro pro Jahr auf die Stadt zukommen.

Geplante Investitionen bei Kindereinrichtungen im Raum Weißenfels

Die Kita-Landschaft in den Weißenfelser Ortsteilen nördlich der Saale soll sich in nächster Zeit wesentlich verändern. So werden die Einrichtungen in Tagewerben und Reichardtswerben zusammengelegt. Die Kita wird künftig ihr Domizil in einem Teil der Tagewerbener Grundschule haben. Die Bauarbeiten dafür sollen in den Sommerferien beginnen.

Ein Neubau ist im Ortsteil Großkorbetha vorgesehen. Für geschätzte 1,8 Millionen Euro, davon etwa 1,3 Millionen Euro Fördermittel aus dem Investitionsprogramm Stark III, will die Stadt am Standort der alten Kita „Haus Sonnenschein“ ein neues Gebäude errichten. Nach langem Warten hat die Kommune jetzt den endgültigen Fördermittelbescheid vom Land erhalten.

Die grundhafte Sanierung der Kita in Wengelsdorf ist indes wegen zu hoher Kosten abgeblasen worden. Nun sollen mit kleineren Maßnahmen zumindest bestimmte Auflagen für den weiteren Betrieb erfüllt werden. (mz)