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Handy-App: Pokémon Go in Weißenfels

Weissenfels - In Weißenfels grassiert das Pokémon-Fieber. Spieler der neuen Handy-App verfolgen Pokémon auf dem Display.

Von Andrea Hamann-Richter 31.07.2016, 16:02
Pokémon Go ist mittlerweile auch Weißenfels der absolute Renner.
Pokémon Go ist mittlerweile auch Weißenfels der absolute Renner. dpa

Auffallend viele Menschen scheinen derzeit mit dem Handy vor der Nase etwas auf den Straßen der Region zu suchen. So sieht es zumindest aus. Sie jagen die kleinen Monster aus der vor Jahren im Fernsehen ausgestrahlten Zeichentrickserie Pokémon.

Weißenfels ist auch im Pokémon-Fieber. Grund ist diese neue Spiele-App für Handys. Benjamin Schwenneker gehört zu den Jägern. Er sitzt in der Jugend- und Freizeiteinrichtung das Boot in Weißenfels.

Sechs Stunden Pokémon täglich gespielt

Dort ist Pokèmon Go ein absolutes Thema. Das bestätigt auch der Leiter der Einrichtung, Mario Kabisch-Böhme. Er hört zu, was die Jugendliche darüber zu erzählen haben. „Im vorigen Jahr habe ich davon gehört, dass das Spiel erscheint und konnte es seitdem kaum abwarten“, sagt Benjamin Schwenneker.

Der 21-Jährige erklärt, warum das Spiel so eine große Begeisterung, ausgelöst hat. Viele Nutzer hatten damals die Kult-Serie über die kleinen Monster im Fernsehen gesehen.

Nun selbst ein Teil von ihnen zu werden, fasziniert sie. Benjamin Schwenneker gibt zu, dass er anfangs bis zu sechs Stunden pro Tag gespielt hat.

Dafür musste er raus aus dem Haus. Die kleinen Monster werden nämlich unter freiem Himmel gejagt. Genau da befindet sich für den 21-Jährigen ein ganz großes Plus bei der App.

„Ich bin selbst viel mehr unterwegs als früher und ich lerne neue Leute kennen“, sagt er. Allerdings sieht er darin gleichzeitig auch eine Gefahr für Gleichgesinnte.

Gerade Kinder sollten nicht allein unterwegs sein. Niemand wisse, ob seine App nicht gehackt werde. Wenn das der Fall sei, könne jemand den Spieler mit den Pokémons in entlegene Gebiete locken und ihn dann beispielsweise ausrauben.

Benjamin Schwenneker ist sich aber sicher, dass sich der derzeitige Ausnahmezustand bei den Spielern bald legt. Mittlerweile ist die Routine wieder mehr in seinen Alltag zurückgekehrt. Es seien nur noch bis zu drei Stunden, in denen er unterwegs sei, um die kleinen Monster zu jagen, sagt er. Länger halten aber auch viele Handyakkus gar nicht.

Pokémon Go ist ein Stromfresser

Vanessa John ist Auszubildende im Expert-Markt im Heuwegcenter in Weißenfels. Sie hat gemerkt, dass seit Beginn von Pokémon Go der Absatz sogenannter Powerbanks spürbar angestiegen ist.

Das sind mobile Ladestationen, mit denen leere Handys wieder aufgeladen werden können. Die benötigt eigentlich fast jeder Pokémon-Jäger.

Denn das Spiel frisst unheimlich viel Strom. Vanessa John erklärt, warum das so ist. Die App verknüpft sich mit Google Maps und aktualisiert dadurch ständig ihre Daten und Standorte. „Je nach der Leistung des Handys kann nur vier bis fünf Stunden durchgängig gespielt werden“, sagt sie.

Dies kann durch die Powerbanks verlängert werden. Früher wurden bei Expert schätzungsweise bis zu vier Stück dieser Geräte in der Woche verkauft. Seit Pokémon gespielt wird, sind es bis zu 25 Stück - pro Tag, so Vanessa John. Sie gibt es zwischen neun Euro und 35,99 Euro zu kaufen. Je höher der Preis, desto mehr Aufladungen sind möglich.

Sie selbst spielt übrigens auch. „Die Pokémons als Serie waren toll und legendär“, schwärmt sie noch heute. Sie findet es auch gut, dass die Teilnehmer vom Fernseher oder dem Computer wegkommen und raus an die frische Luft gehen.

Die Gefahren von Pokémon

Allerdings, so Vanessa John, besteht dabei auch die Gefahr, dass die Spieler unaufmerksam über die Straße laufen, weil sie sich zu sehr auf das Geschehen auf ihrem Display konzentrieren.

Zurück zum Boot in Weißenfels. Fabian Wenzlick und Oliver Hofmann teilen sich die App. Das heißt, es ist nur auf einem Handy der beiden 14-jährigen Kumpel geladen und sie ziehen gemeinsam los.

Zeitlich halte sich das aber im Rahmen, sagt Fabian Wenzlick. Mario Kabisch-Böhme sagt: „Wir Erwachsene und Betreuer müssen es im Auge behalten.“

Noch gäbe es überhaupt keine Erfahrungswerte, welche Risiken das Spiel vielleicht birgt. Dazu ist es viel zu neu. Kritisch sieht er in jedem Fall, dass die kleinen Monster virtuell auch auf Privatgrundstücken, in Krankenhäusern und an Mahnmalen zu finden seien.

Wenn Spieler sich nun Zutritt zu allen Arealen verschaffen, kann das nicht gut sein. „Es muss auf die Gesetze geachtet werden“, sagt der Sozialarbeiter. (mz)