Freibad Weißenfels

Freibad Weißenfels: Was geschieht mit dem alten Sprungturm?

Weißenfels - Das Bauwerk im Weißenfelser Freibad soll nun doch abgerissen werden. Was das mit einem Wirtschaftsplan zu tun hat, der nicht genehmigt wurde.

Von Andreas Richter 17.02.2017, 09:01

Neue Verwirrung um den Sprungturm im Weißenfelser Freibad. „Die Stadt wird vorschlagen, den Turm abzureißen“, sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) gegenüber der MZ. Zuvor war die Situation im Freibad Thema im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses des Sport- und Freizeitbetriebes.

Noch Ende vergangenen Jahres war die Rede davon, dass der seit 2011 gesperrte baufällige Zehn-Meter-Sprungturm unter Umständen doch saniert und damit erhalten werden kann. Eine Untersuchung seines Zustandes sollte Klarheit bringen. Nunmehr steht fest: Was den statischen Zustand betrifft, so könnte der für das Weißenfelser Freibad typische Turm erhalten werden. Dennoch will die Stadt nun den Abriss vorschlagen. „Wenn wir den Turm sanieren würden, dann bräuchten wir weiterhin die tiefe Sprunggrube“, erklärte OB Risch. Das stünde jedoch im Widerspruch zur geplanten deutlichen Verringerung des Beckenvolumens im Freibad.

Auflagen des Gesundheitsamtes für das Freibad Weißenfels

Nach entsprechenden Auflagen des Gesundheitsamtes muss das derzeit etwa 9.000 Kubikmeter fassende Becken künftig mit aufbereitetem Grundwasser in Trinkwasserqualität gespeist werden. Je größer das Becken, umso höher wären die Kosten, um den Vorgaben gerecht zu werden, argumentierte Risch. Mittelfristig sei zudem angedacht, durch die Nutzung regenerativer Energien für eine Beckenheizung die Badesaison zu verlängern.

„Das tut schon weh. Der Turm gehört eigentlich zum Bad“, sagte Viola Schikorr. Den Turm zu entsorgen, dazu scheint die Leiterin des Sport- und Freizeitbetriebes allerdings noch nicht endgültig entschlossen. „Wir werden in den nächsten Monaten eine Entscheidungsgrundlage vorlegen“, sagte sie gegenüber der MZ vorsichtig.

Finanzieller Spielraum für den Freizeitbetrieb in Weißenfels derzeit außerordentlich gering

Dabei ist der finanzielle Spielraum für den Freizeitbetrieb derzeit außerordentlich gering. Im Betriebsausschuss musste Viola Schikorr verkünden, dass die Kommunalaufsicht den Wirtschaftsplan des Betriebes für dieses Jahr nicht genehmigt hat. Nach Ansicht der Behörde geht aus der Konzeption zur Entwicklung der Kultur-, Sport- und Freizeitstätten, deren Fortschreibung dem Wirtschaftsplan alljährlich beigefügt werden muss, nicht überzeugend hervor, wie die finanzielle Belastung der Kommune nachhaltig verringert werden kann. Bis 30. September muss ein überarbeitetes Konzept auf dem Tisch liegen.

Das Problem: Jedes Jahr steht beim Sport- und Freizeitbetrieb unterm Strich ein Verlust von mehr als einer Million Euro zu Buche, der am Ende aus dem Haushalt der Kommune ausgeglichen werden muss. Angesichts dessen reichen den Finanzaufsehern beim Landkreis bislang beschlossene Maßnahmen wie etwa die Erhöhung der jährlichen Betriebskostenpauschale für die Sportvereine von fünf auf zehn Euro pro erwachsenes Mitglied bei Weitem nicht aus.

Leiterin des Sport- und Freizeitbetriebes Weißenfels erwägt Widerspruch gegen den Bescheid der Kommunalaufsicht

„Wir werden uns die Karten neu legen müssen“, blickte Schikorr auf die nächsten Monate voraus, ohne heute schon zu wissen, wie die finanzielle Lage in einem verlustträchtigen Bereich wie Sport und Freizeit nachhaltig verbessert werden soll. Und die Betriebsleiterin gibt sich kämpferisch: „Ich erwäge Widerspruch gegen den Bescheid der Kommunalaufsicht einzulegen.“ Bis Anfang März hat Schikorr dafür Zeit. Für die Bürger wird die nunmehr angebrochene „haushaltslose Zeit“ im Freizeitbetrieb bis September keine unmittelbaren Auswirkungen haben. Sport- und Freizeitstätten können wie bislang genutzt werden. Investitionen, so Schikorr, müssten jedoch gesondert genehmigt werden.

Fest steht auch, dass das Freibad ungeachtet aller Entwicklungen der nächsten Monate in der bevorstehenden Saison wieder geöffnet wird. Immerhin wird die ehrwürdige Anlage in diesem Jahr 60 Jahre alt. Für die Feier am 10. Juni haben die Original Saaletaler sogar extra ein Lied komponiert. Im Juni wird auf jeden Fall auch der gesperrte Turm noch stehen. Die Abrissbirne käme frühestens im Herbst zum Einsatz. Oder bleibt der Turm am Ende doch erhalten? (mz)