Ruhestand von geachteten Pneumologe

Eine Ära endet: Warum mit die Rente von Schlegel keine Facharztlücke für Weißenfels droht

Teuchern - In Teuchern endete vor wenigen Tagen eine Ära. Volker Schlegel ist nach mehr als 27 Berufsjahren in Rente gegangen. „Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Mediziner gewesen, sondern er ist auch ein außergewöhnlicher Mensch, wie man ihn selten trifft“, sagt Daniel Frommann anerkennend. Er ist der Medizinmanager des Facharztzentrums in Teuchern, welches Volker Schlegel in den vergangenen Jahren aufgebaut ...

Von Andrea Hamann-Richter und Alexander Kempf 21.07.2019, 06:00

In Teuchern endete vor wenigen Tagen eine Ära. Volker Schlegel ist nach mehr als 27 Berufsjahren in Rente gegangen. „Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Mediziner gewesen, sondern er ist auch ein außergewöhnlicher Mensch, wie man ihn selten trifft“, sagt Daniel Frommann anerkennend. Er ist der Medizinmanager des Facharztzentrums in Teuchern, welches Volker Schlegel in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.

Keine Facharztlücke in Weißenfels nach Rente von Volker Schlegel

In vielen ländlichen Regionen droht mit dem Ruhestand eines Facharztes auch das Aus der Praxis. Nicht so in Teuchern. Denn für seine Nachfolge hatte Volker Schlegel, dem das Wohl seines Heimatortes stets am Herzen lag, selbst noch gesorgt. Der promovierte Mediziner und Pneumologe Thomas Köhnlein hat den Staffelstab übernommen. Ein Jahr lang hatte sein Vorgänger ihn darauf vorbereitet, um sein eigenes Lebenswerk in guten Händen zu wissen.

Volker Schlegel ist damit gelungen, was vielen anderen Fachärzten noch bevorsteht. Nicht nur die Pneumologen stehen in den kommenden Jahren vor einem großen Generationswechsel. „Fünfzig Prozent der Fachärzte sind über 55 Jahre alt, das heißt in den nächsten zehn Jahren muss die Hälfte der Ärzte ersetzt werden“, erklärt Andreas Bayer vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner auf Nachfrage.

Nachfolger Thomas Köhnlein lebt in Teuchern

Für ländliche Regionen wird es zunehmend schwieriger Facharztpraxen zu halten, beschreibt Bayer einen bundesweiten Trend. Neben dem Stadt-Land-Gefälle gehe die Entwicklung dahin, dass mehr und mehr Mediziner sich dagegen entscheiden, eine eigene Praxis zu eröffnen. „Es gibt keinen Ärztemangel, aber einen Arztzeitmangel. Immer mehr Ärzte und Ärztinnen arbeiten im Angestelltenverhältnis und auch Teilzeit“, so Bayer. Um einen freiberuflich tätigen selbstständigen Arzt in eigener Praxis zu ersetzen, bräuchte es aber zwei bis drei angestellte Ärzte.

Auch Volker Schlegels Nachfolger Thomas Köhnlein fühlt sich in Teuchern zwar mittlerweile sehr wohl, lebt aber weiter in Leipzig. So oder so hat Volker Schlegel eine Lücke hinterlassen, dürften sich die Mitarbeiter am Teucherner Facharztzentrum einig sein. Der verdiente Ruhestand aber wird ihm dort sehr wohl gegönnt. Langweilig dürfte dem Mediziner so schnell nicht werden, soll er sich neben Reisen und mehr Zeit für seinen Garten auch noch vorgenommen haben, ein Buch zu schreiben.

Der zweite neue Mediziner im Team ist ab September Sergej Haag

Geschätzt wurde Volker Schlegel auch in Weißenfels, wo er sich in der Vergangenheit beispielsweise mit dem Chefarzt der Klinik für Pneumologie am Weißenfelser Krankenhaus ausgetauscht hat. Die Klinik wird seit Anfang des Jahres von Dr. Toralf Herling neu aufgebaut, der vom Querfurter Carl-von-Basedow-Klinikum nach Weißenfels gewechselt war. Derzeit noch Einzelkämpfer soll er ab September Unterstützung von zwei weiteren Medizinern erhalten, damit in der Saalestadt künftig das gesamte Spektrum der Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie angeboten werden kann.

Im Bereich Pneumologie soll den Chefarzt schon bald Michael Figul unterstützen, der derzeit noch eine zusätzliche Ausbildung im Bereich der Internistischen Intensivmedizin absolviert. Der zweite neue Mediziner im Team ist ab September Sergej Haag, der sich der Thorax- und Gefäßmedizin widmen wird. Sowohl Michael Figul als auch Sergej Haag wechseln vom Merseburger Krankenhaus nach Weißenfels, informiert Klinikmanagerin Diana Richter auf Nachfrage.

Seiner Heimat ist der Pneumologe und gebürtige Teucherner dabei immer verbunden geblieben

Für Patienten mit Lungenkrankheiten im Raum Weißenfels sind das gute Nachrichten. Denn auch nach dem Abschied von Volker Schlegel droht der Region keine Versorgungslücke. Wenngleich der natürlich nicht unerhebliche Aufbauarbeit geleistet hat. Seiner Heimat ist der gebürtige Teucherner dabei immer verbunden geblieben - wie seine Lebensstationen zeigen: Abitur in Schulpforte, Medizinstudium an der Universitätsklinik in Leipzig und schließlich die Facharztausbildung im damaligen Kreiskrankenhaus in Hohenmölsen, wo der Vater zweier Kinder zuletzt als Leiter der poliklinischen Abteilung für Lungenkrankheiten und Tuberkulose gearbeitet hat.

1989 kam mit der Wende dann die große Zeit des Umbruches. Volker Schlegel entschloss sich, in Teuchern eine eigene Praxis für innere Medizin zu eröffnen und realisierte dieses Vorhaben drei Jahre später am Marktplatz der Stadt. Der Mediziner wirkte auch im SPD-Ortsverein mit und war eine Zeit lang im Stadtrat tätig. „Er wollte immer die Geschichte mitgestalten“, sagt Medizinmanager Frommann vom Teucherner Facharztzentrum.

Facharztzentrum wegen Vernetzung verschiedener Behandlungen sehr bekannt

Letzteres ist aus Volker Schlegels Praxis hervorgegangen und erstreckt sich heute über insgesamt vier Etagen. Hinzu kamen ein Gesundheitszentrum mit Physiotherapie, Ernährungsberatung sowie Bewegung. Selbst einen Sportverein speziell für Patienten mit Lungenerkrankungen hat der Mediziner mitgegründet.

1997 eröffnete er in Teuchern ein Schlaflabor mit acht Plätzen, wo Krankheiten von Patienten noch intensiver ergründet werden können. Die Vernetzung verschiedener Behandlungen in Teuchern haben das Facharztzentrum weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekanntgemacht. Bis heute kommen Patienten aus ganz Deutschland, um sich in Teuchern behandeln zu lassen. (mz)