Ein Kulturhaus für die Stadt

Ein Kulturhaus für die Stadt: Welche Konsequenzen hat der Trägerwechsel in Weißenfels?

Weißenfels - Die Kommune hat zum 1. Januar die Veranstaltungsstätte in Weißenfels vom Eigenbetrieb übernommen. Welche Konsequenzen das hat.

Von Andreas Richter 03.01.2019, 10:00

Trägerwechsel im Weißenfelser Kulturhaus: Die Veranstaltungsstätte in der Merseburger Straße wurde zum 1. Januar 2019 vom Sport- und Freizeitbetrieb der Kommune an die Stadt Weißenfels übertragen. Der Stadtrat hat dem auf seiner letzten Sitzung im vergangenen Jahr mit 22 Ja-Stimmen und neun Enthaltungen zugestimmt.

Mit der Rückübertragung an die Stadt findet eine jahrelange Debatte um die richtige Organisationsform für das Kulturhaus ihren Abschluss. Die Stadt hatte das Kulturhaus im Jahr 2008 dem Eigenbetrieb mit dem Ziel übertragen, die Einrichtung wirtschaftlicher betreiben zu können. Eine wesentliche Verbesserung ist in dieser Hinsicht jedoch in den Folgejahren nicht eingetreten. Mehrfach hat Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) in den vergangenen Jahren vergeblich versucht, eine politische Mehrheit für eine Rückübertragung des Kulturhauses zu gewinnen.

Damit sollten die kulturellen Aktivitäten der Kommune, die selbst ein Kulturamt vorhält, gebündelt, vorhandene Ressourcen und Netzwerke besser genutzt werden. Umso erleichterter zeigt sich nach der jüngsten Entscheidung des Stadtrates Kulturamtsleiter Robert Brückner. „Wir können nun viel flexibler arbeiten und wollen ein besseres finanzielles Ergebnis für das Haus erreichen“, blickt er nach vorn.

Das heutige Kulturhaus wird 1872 erstmals in einem Katasterauszug als Haus Merseburger Straße 14 erwähnt. 1896/97 ist es für kurze Zeit Wohnsitz des Bürgermeisters. Ab 1898 wird das Haus als Variete genutzt und trägt den Namen „Apollo-Theater“. Ab dem Jahr 1911 wird es das „Volkshaus“, am 13. Dezember 1920 wird es als Stadttheater eröffnet.

Ein neues Kapitel beginnt 1933. Das Haus wird in „Haus der Nationalsozialisten“ umbenannt und in diesem Sinne betrieben. Während des Zweiten Weltkrieges werden die Bühnenräume Lazarett und zeitweise Notquartier für Flüchtlinge. 

Ab 1945 wird der Spielbetrieb im „Haus des Volkes“ wieder aufgenommen. Erneut wechseln die Namen. 1950 bis 1952 heißt das heutige Kulturhaus „Klubhaus der Gewerkschaften“, danach bis 1957 „Klubhaus der Lederarbeiter“.

Ab 1957 schließlich wird es zum „Klubhaus der Jugend“. 1966 wird der Rat des Kreises Rechtsträger des „Kreiskulturhauses“. Ein Brand zerstört in der Nacht vom 12. zum 13. März 1987 das Bühnenhaus.

Nach der Wende wird das Kulturhaus im Jahr 1992 von der Stadt Weißenfels übernommen. In den Jahren 1993 bis 1998 finden umfangreiche Sanierungs- und Baumaßnahmen statt. Mit der Einweihung eines Bühnenanbaus im Jahr 2008 haben sich die Bedingungen
für Aufführungen der verschiedensten Art deutlich verbessert. (mz/ari)

Die Stadt hofft, dass sie das jährliche Defizit des Kulturhauses um etwa 25.000 Euro verringern kann. Die jährlichen Kosten für das Kulturhaus belaufen sich auf etwa 350.000 Euro. Organisation, Durchführung und Konzeption aller Veranstaltungen werden nunmehr im städtischen Kulturamt gebündelt. Zwei Verwaltungsmitarbeiter und ein Haustechniker, die bislang für den Eigenbetrieb im Kulturhaus tätig waren, werden künftig für das Kulturamt arbeiten. Eine weitere Haustechniker-Stelle ist derzeit unbesetzt.

Kulturhaus Weißenfels: Weitere Investitionen notwendig

Miet- und Pachtverträge, die mit Nutzern der Gaststätte, des Ballettsaales oder anderer Bereiche des Kulturhauses abgeschlossen wurden, bestehen laut Stadt auch nach dem Trägerwechsel fort.

Viola Schikorr, Leiterin des städtischen Eigenbetriebes, erinnert zum „Abschied“ vom Kulturhaus daran, dass in den vergangenen zehn Jahren viel in die Infrastruktur der Einrichtung investiert wurde. So unter anderem in eine neue Bühne, einen Parkplatz und Einrichtungen für den Brandschutz.

In den nächsten Jahren seien weitere Investitionen notwendig. Den Gesamtumfang bezifferte sie nach einer Anfrage im Hauptausschuss auf mehr als 550.000 Euro. „Ich sehe das Kulturhaus bei der Stadt in guten Händen“, so Schikorrs Kommentar zum Trägerwechsel. (mz)