Ehrlicher Finder

Ehrlicher Finder in Weißenfels: Syrer Mohamad Albaba findet Geld und gibt es in Kita ab

Weißenfels - Mohamad Albaba aus Syrien hat in Weißenfels 30 Euro auf der Straße gefunden - und es in der Kita abgegeben.

Von Holger Zimmer

Plötzlich sieht er sie beim Weggehen liegen: zwei Fünf- und einen Zehn-Euro-Schein. Mohamad Albaba hat gerade seine zwei Jungen Karam (4) und Mutaz (5) in die Tagesstätte „Kunterbunte Kinderträume“ der Weißenfelser Inte-gra gebracht. Der Syrer bückt sich, hebt das Geld auf und gibt es in der Einrichtung ab.

Er sagt, dass er es nie behalten hätte. „Das mache ich nicht, es gehört mir nicht.“ Einmal habe er eine gut gefüllte Geldbörse neben einem Auto vor dem Wohnblock für Flüchtlinge in der Südstadt entdeckt. Drinnen habe er alles im Büro abgegeben und anschließend 20 Euro Finderlohn bekommen. Auch den hatte er eigentlich nicht nehmen wollen.

Mohamad Albaba aus Syrien würde gern auch alte Hauswände in Weißenfels malern

Täglich spricht der 32-Jährige mit seinen Eltern, die in Saudi-Arabien leben. Er war geflohen, als er mit der syrischen Armee in den Krieg ziehen sollte. Nach einem Jahr in der Türkei kam er im September vor zwei Jahren über Wien und München schließlich nach Weißenfels. Auf 30 Quadratmetern habe man zunächst gewohnt, mit dem dritten Kind - Lemar - ist man inzwischen in der Langendorfer Straße in eine dreimal so große Wohnung gezogen.

Schaut er auf die verfallenden Häuser in der Zimmerstraße, juckt es Mohamad, der Maler ist, aber auch schweißen kann, in den Fingern. Gern würde er Fenster instand setzen, die Wände malern... Er möchte arbeiten.

Mohamad Albaba aus Syrien lernt jeden Tag Deutsch - und ist zuversichtlich

Den B-1-Sprachkurs hat er bestanden, will die B-2-Prüfung machen und auf Arbeitssuche gehen. Fünf Stunden sitzt er wochentags in der Volkshochschule, hat seine Kenntnisse als Schweißer aufgefrischt und absolviert jetzt einen Berufsvorbereitungslehrgang.

Mohamad Albaba ist zuversichtlich. Er hat Freunde, auch zwei Deutsche sind darunter. Am Abend spielt er mit den Kindern. Wenn sie ins Bett gegangen sind, schaut er sich mit seiner Frau Alaa (27) Filme an. Ist er in der Schule, kümmert sie sich um den Haushalt und die kleine Tochter.

Geht diese auch mal in den Kindergarten, soll seine Frau wie er Deutsch lernen und Mohamad erzählt von einem Freund, dem man die Arbeit gekündigt hat, weil er nicht gut genug die schwere Sprache in der neuen Heimat beherrschte. Nun will er einen B-2-Kurs bewältigen.

Der Syrer Albaba mag alte Städte, auch Weißenfels. Ob er hier auf Dauer leben möchte? Der 32-Jährige schüttelt den Kopf. Seine Heimat ist Syrien, seine Heimatstadt Harsta zum großen Teil zerstört. Es ist schwer, das zu wissen. Doch sei endlich Frieden, dann wolle er wieder zurück und dort leben, wo er geboren wurde. (mz)