Ehrennadel für Olga Polienko

Ehrennadel für Olga Polienko: Diese Weißrussin liebt nicht nur „Matrjoschka“

Weißenfels - Russland stammende Weißenfelserin bekommt die Ehrennadel der Stadt.

Von Andrea Hamann-Richter 27.01.2019, 14:00

Damit hatte Olga Polienko nicht gerechnet. Kürzlich wurde ihr während des Neujahrsempfangs in Weißenfels die Ehrennadel der Stadt übergeben. Damit wurde ihr jahrelanges Engagement gewürdigt, welches sie in verschiedenen Einrichtungen leistet.

Olga Polienko arbeitete viele Jahre in der multikulturellen Begegnungsstätte als sogenannte Sozial-Lotsin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) des Burgenlandkreises, sie leitet den russischen Chor „Matrjoschka“ und seit 2017 ist sie ehrenamtliche Nachhilfelehrerin und Sprachpatin im Mehrgenerationenhaus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Weißenfels.

2008 ist der Anfang für ihr zukünftiges Engagement

Sie bringt sich im kreativen Frauentreff der Initiative „Engagiertes Weißenfels“ ein und ist im Landes-Förderverein der Deutschen aus Russland aktiv. Dabei ist die 52-jährige verheiratete Frau und Mutter zweier Söhne immer bescheiden geblieben. „Das ist nicht mein Ziel gewesen“, sagt sie mit Blick auf die Ehrung. Vielmehr sei es ihr immer darum gegangen, aktiv zu sein, etwas zu bewirken und Menschen zu helfen.

Olga Polienko stammt aus Russland. Dort wurde sie geboren. Als die Familie 2002 die Chance bekommt, nach Deutschland, wo ihre Wurzeln liegen, zurückzukehren, ergreift sie diese. Erst wird sie in Hohenmölsen wohnhaft. Ihr Ehemann bekommt als erster einen Sprachkurs, sie darf 2008 in der Volkshochschule die deutsche Sprache im Unterricht erlernen. Aber das ist der Anfang für ihr zukünftiges Engagement.

In der Volkshochschule erkennen die Mitarbeiter das Potenzial der Frau

In der Volkshochschule erkennen die Mitarbeiter das Potenzial der Frau und sie schlagen ihr vor, bei der Awo tätig zu werden. Sie wird Sozial-Lotsin und damit Kontaktperson für Menschen, die ebenfalls neu in diesem Land sind. Sie hilft beim Ausfüllen von Anträgen, vermittelt zwischen ihren Schützlingen und Schulen, Kindergärten, dem Jobcenter und anderen Behörden. „Das war schon manchmal schwer, aber ich wollte das“, sagt die Frau rückblickend. Erst sind es die russischen Landsleute, später kommen Menschen anderer Nationalitäten hinzu. „Wir haben aber alle sehr gut zusammengearbeitet und dafür bin ich dankbar.“

Nach sechs Jahren endet das Projekt, in dem sie mitarbeitet, und die Awo schließt. Damit enden Kindertanzgruppe, Sprachkurse und die Seniorenarbeit. Eine neue Aufgabe findet Olga Polienko erst einmal in Halle beim Förderverein der Deutschen aus Russland. Eine weitere neue Aufgabe findet Olga Polienko, die zwar in ihrer früheren Heimat in Nowosibirsk als Lehrerin arbeitete, hier in dem Beruf aber nicht mehr tätig wurde, vor einigen Jahren im Mehrgenerationenhaus in Weißenfels. Sie gibt ehrenamtlich Nachhilfe in Russisch und sie betreut den russischen Chor, der dort regelmäßig probt.

Name des Chores „Matrjoschka“ hat eine große Bedeutung für sie

Der Name des Chores „Matrjoschka“ hat eine große Bedeutung für sie. „Diese russischen Figuren stehen für eine große Familie und so fühlen wir uns im Chor auch“, sagt sie. Olga Polienko wirkt bei der interkulturellen Woche in Weißenfels mit, sie sorgt dafür, dass der gefallenen russischen Soldaten in jedem Jahr am 8. Mai auf dem Friedhof gedacht wird, sie gestaltet Ausstellungen über das Leben der Russlanddeutschen in Deutschland mit.

Auch die russische Küche ist nicht aus ihrer Seele verschwunden. Zu Hause gibt es Spezialitäten wie Pelmeni, Heringsgerichte, Borschtsch, die sie immer noch nach alter russischer Tradition selbst zubereitet. Durch die Ehrung wird sich nichts für die Frau ändern. Dafür ist ihr das Miteinander mit den Menschen, und denen zu helfen, die Hilfe benötigen zu wichtig. (mz)