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Die Brückenbauer

Dieser Weißenfelser Verein kümmert sich um Kinder mit Hirnschädigungen

Der Weißenfelser Verein Ponte Kö kümmert sich um Kinder mit Hirnschädigungen. Jetzt laufen die ersten Förderwochen seit mehr als einem Jahr.

Von Andreas Richter 27.07.2021, 14:02
Eszter Karolyi-Klebovich, eine Spezialistin aus Ungarn,  übt geduldig  mit der sechsjährigen Johanna.
Eszter Karolyi-Klebovich, eine Spezialistin aus Ungarn, übt geduldig mit der sechsjährigen Johanna. (Foto: Andreas Richter)

Weissenfels/MZ - In den vergangenen drei Wochen hat Nicole Fritsche an jedem Wochentag einen weiten Weg auf sich genommen. Jeden Morgen ist die 30-Jährige mit ihrer knapp dreijährigen Tochter Ylvie von ihrem Zuhause in Machern (Landkreis Leipzig) nach Weißenfels aufgebrochen. 75 Kilometer hin, die gleiche Strecke nachmittags zurück.

Ihre Tochter gehörte zu jenen Mädchen und Jungen mit frühkindlichen Hirnschädigungen, die an den Förderwochen des Weißenfelser Vereins Ponte Kö teilgenommen haben. „Nach mehr als einem Jahr können wir endlich wieder die ersten Förderwochen anbieten“, berichtet Vereinsmitglied Silke Schott erleichtert. Insgesamt habe es für die beiden jeweils dreiwöchigen Förderzyklen 13 Anmeldungen gegeben. Zwar seien das angesichts der noch nicht komplett überstandenen Pandemie weniger Teilnehmer als in den Jahren vor Corona, doch ein wichtiger Neuanfang sei gemacht, zeigt sich Silke Schott aus Bad Dürrenberg, selbst Mutter einer erwachsenen behinderten Tochter, zufrieden.

„Mit speziellen Übungen stimulieren wir Motorik, Sprache und die Sinne“

Um die Mädchen und Jungen gezielt zu fördern, sind wieder erfahrene Fachkräfte aus Ungarn für mehrere Wochen nach Weißenfels gekommen. Eine von ihnen ist Eszter Karolyi-Klebovich aus Budapest. „Mit speziellen Übungen stimulieren wir Motorik, Sprache und die Sinne“, erklärt sie während sie bei der sechsjährigen Johanna geduldig das Zugreifen übt. Pflegemutter Wibke Eis aus Rastenberg in Thüringen kommt nicht zum ersten Mal zu den Förderwochen des Weißenfelser Vereins. „Johanna macht spürbare Fortschritte. Sie kann jetzt schon allein laufen“, erzählt sie.

Nicole Fritsche macht mit ihrer knapp dreijährigen Tochter Ylvie Bewegungsübungen im Salbeibad.
Nicole Fritsche macht mit ihrer knapp dreijährigen Tochter Ylvie Bewegungsübungen im Salbeibad.
(Foto: Andreas Richter)

In einer anderen Ecke des Raumes im Therapiezentrum in der Seumestraße macht derweil Nicole Fritsche mit ihrer Tochter ein paar Bewegungsübungen im Salbeibad. Während des dreiwöchigen Förderzyklus werden die Kinder an jedem Wochentag jeweils sechs Stunden lang betreut. Eltern, die von außerhalb kommen, machen sich während dieser Zeit unter anderem im Therapiezentrum nützlich. Auch bei Ylvie bemerkt die Mutter spürbare Fortschritte. „Sie verkrampft sich weniger beim Festhalten, trinkt aus dem Becher, isst selbstständig und schläft nachts auch besser“, so ihre Beobachtung zum Ende der Therapiewochen. Dafür hat sie den täglichen Weg von rund 150 Kilometern gern in Kauf genommen.

Enges Netzwerk an Partnern und Unterstützern in der Region

Nach den ersten drei Wochen, in denen sich die Spezialisten um die Kinder bis zu sechs Jahren gekümmert haben, beginnt an diesem Montag der zweite dreiwöchige Zyklus, diesmal für Schulkinder. Grundlage der Förderung ist die Heilmethode des ungarischen Neurologen András Petö (1893-1967), die Elemente von Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Pädagogik miteinander verbindet. Trotz jahrelanger Bemühungen hat die Methode bis heute keine Aufnahme in den Heilmittelkatalog der Krankenkassen gefunden. Somit müssen die Eltern die Therapie bezahlen, in zahlreichen Fällen übernehmen jedoch die Sozialämter die Kosten. Zudem kann der Verein mittlerweile auf ein enges Netzwerk an Partnern und Unterstützern in der Region bauen.

Der Name Ponte kommt aus dem Italienischen und bedeutet Brücke, das Kö soll darauf hinweisen, dass der Verein ursprünglich seinen Sitz in Bad Kösen hatte. Dort wurde er im Jahr 1997 gegründet. Seit dem Jahr 2007 befindet sich das Therapiezentrum in der Seumestraße 35 auf dem Weißenfelser Kugelberg. In diesem Jahr sollen im Oktober weitere Förderwochen für behinderte Kinder stattfinden. Eine Anmeldung dafür ist bis Ende August möglich.

Informationen und Anmeldung im Netz unter www.pontekoe.de