Die Waschbären kommen

WEISSENFELS/ZEITZ/MZ. - Alarm. Die Zeitzer Polizei rückt aus wegen eines Einbruchs in der ehemaligen Gaststätte Kapitelschenke. Nur: Einen Einbrecher stellen die Beamten nicht. Ein Waschbär grinst sie an. Das Tier hat Mitte März auf einem Streifzug Alarm ...

Von TORSTEN GERBANK UND ULRIKE SCHMIDT 31.03.2011, 18:09

Alarm. Die Zeitzer Polizei rückt aus wegen eines Einbruchs in der ehemaligen Gaststätte Kapitelschenke. Nur: Einen Einbrecher stellen die Beamten nicht. Ein Waschbär grinst sie an. Das Tier hat Mitte März auf einem Streifzug Alarm ausgelöst.

Einsätze dieser Art könnte es im Raum Weißenfels / Zeitz künftig öfter geben. Denn die Waschbären sind im Kommen. Der Weißenfelser Stadtjäger Armin Deubel spricht gar von einer bevorstehenden Plage. Etwas mehr als 500 Tiere hat es nach Auskunft der unteren Jagdbehörde im vergangenen Jahr im Burgenlandkreis gegeben. Die Zahl soll sich bis 2020 etwa verdoppeln. Zum Vergleich: Anfang des Jahrtausends wurden hierzulande nur ein paar Tiere gezählt.

Im Raum Zeitz sollen derzeit rund 250 Waschbären leben. Deubel geht von 60 bis 70 Tieren aus, die allein in der Stadt Weißenfels heimisch sind. Tendenz: steigend. Weil Waschbären nachtaktive Tiere sind, bekommt man sie jedoch nur selten zu Gesicht. Aber sie sind da, auch in Theißen, Breitenbach und Kretzschau. Die Tiere mögen die Bergbauregion und die Gewässer dort, so die Auskunft aus dem Landratsamt. Und sie mögen leerstehende Häuser, weil sie dort von niemandem gestört werden und sich vermehren können.

Waschbären sind Allesfresser und sie finden praktisch überall Nahrung. "Sie plündern nicht nur Mülltonnen, sondern auch Vogelnester, Kirschbäume und Erdbeerbeete", so Deubel. Selbst Fische in Gartenteichen sind vor den geschickten Räubern und Sammlern nicht sicher. Und Waschbären haben keine natürlichen Feinde. Nur Jäger können ihnen gefährlich werden. Die Tiere dürfen in der Stadt allerdings nicht geschossen werden. Der Weidmann muss zum Beispiel auf Kastenfallen setzen. Die darin gefangenen Tiere, so Deubel, müssen getötet werden. Würde man sie irgendwo aussetzen, dann, so der Jäger, wären die Tiere binnen kurzer Zeit wieder in ihrem Revier und würden erneut Schaden anrichten. Selbst auf dem Weg dahin wären sie eine Gefahr. Immerhin, so Deubel, werden Waschbären bis zu zehn Kilogramm schwer. Wenn sie beim Überqueren der Straße einem Motorrad in die Quere kommen, könnte ein Unfall schlimme Folgen haben.

Ungeliebt sind Waschbären nicht allein wegen ihrer Räuberei, sondern auch deshalb, weil von ihnen Tollwutgefahr ausgeht. Zudem sind sie Träger des Fuchsbandwurms und können Parasiten auf Menschen übertragen. Das geschieht nach Auskunft des Fachmannes allerdings selten.

Dass die putzigen Vierbeiner nicht nur im Weißenfelser Heimatnaturgarten zu besichtigen sind, haben Bewohner der Stadt bereits hautnah erlebt. Begegnungen fernab von Gehegen gab es in den Abendstunden schon mehrere. Sogar den Dachboden im Polizeirevier Burgenlandkreis haben die geschickten Kletterer schon für sich entdeckt. Über Bäume und Dachrinnen waren sie hinauf geklettert. Anschließend schlüpften sie durch Lüftungsschächte ins Revier. Ein Exemplar konnte auf frischer Tat gestellt werden: Beim Ausräumen einer Mülltonne.

In der Weißenfelser Leunasiedlung schnappte sich ein Waschbär einen frisch gebackenen Kuchen. Der stand auf einem Balkon zum Abkühlen. Auch Katzenfutter verschmähen die Tiere nicht. Diese Erfahrung haben die Mitarbeiter des Tierheims in Zeitz längst gesammelt. Dessen Leiterin Eva-Maria Bauer rät Kleingärtnern und Eigenheimbesitzern auch dazu, keine Essensreste auf den Kompost zu werfen. Sie könnten Waschbären erst recht anlocken. Schulen sind gleichfalls beliebte Orte, die von den Tieren aufgesucht werden. Von Kindern verschmähte und weggeworfene Pausenbrote sind Leckerbissen für die kleinen Bären.

Doch nicht nur der Waschbär ist im Kommen. Ebenso der Marderhund, so Deubel. Er könne gleichfalls zur Plage werden. Der Marderhund sieht dem Waschbären sehr ähnlich und gehört zu den nachtaktiven Tieren. Er ist ebenso ein Allesfresser und hat auch keine natürlichen Feinde, außer den Menschen. Ein weiteres Risiko für Menschen geht von den Füchsen aus. Diese Tiere pirschen sich öfter als bisher in die Städte vor und können die Staupe übertragen. Fachleute mahnen deshalb zur Vorsicht. Tiere, die man draußen sieht beziehungsweise findet, müssen entweder der Polizei oder dem Ordnungsamt gemeldet werden. Die Behörden informieren den zuständigen Jäger. Tote Tiere dürfen niemals angefasst werden, da die Gefahr der Tollwutübertragung besteht.