Befreiungskriege 1813 - Teil 1

Befreiungskriege 1813 - Teil 1: 45.000 Franzosen in der Stadt

WEISSENFELS/MZ - In den Tagen vor der Schlacht bei Großgörschen und Kaja rückten zuerst russische, dann französische Truppen in Weißenfels ein. Letztlich bezogen 45 000 Franzosen in und um Weißenfels Quartier, das damals rund 6 000 Einwohner zählte. Eine große Last für die Bevölkerung. Am 6. April 1813 früh gegen 9 Uhr kamen die ersten vier Kosaken durch das Zeitzer Tor zum Markt geritten. Ihnen folgten mehr als 100 Kosaken unter dem Kommando des ehemaligen sächsischen Majors von Dankelmann. Augenzeugen wie der Weißenfelser Goldschmied Heinrich Brambach berichten, dass die Weißenfelser herbeiströmten, teilweise mit gefüllten Schnapsflaschen, um die sogenannten "Wundermänner" zu bestaunen. Dankelmann nahm die königliche Kasse der Stadt mit 500 Talern in Beschlag. Abends kamen noch 300 Kosaken unter dem Kommando des Majors Löwen, auch sie mussten einquartiert und verpflegt werden. Der Major bezog Quartier beim Apotheker Lindner in der ...

Von VOLKER HESSLER 28.05.2013, 09:36

In den Tagen vor der Schlacht bei Großgörschen und Kaja rückten zuerst russische, dann französische Truppen in Weißenfels ein. Letztlich bezogen 45 000 Franzosen in und um Weißenfels Quartier, das damals rund 6 000 Einwohner zählte. Eine große Last für die Bevölkerung. Am 6. April 1813 früh gegen 9 Uhr kamen die ersten vier Kosaken durch das Zeitzer Tor zum Markt geritten. Ihnen folgten mehr als 100 Kosaken unter dem Kommando des ehemaligen sächsischen Majors von Dankelmann. Augenzeugen wie der Weißenfelser Goldschmied Heinrich Brambach berichten, dass die Weißenfelser herbeiströmten, teilweise mit gefüllten Schnapsflaschen, um die sogenannten "Wundermänner" zu bestaunen. Dankelmann nahm die königliche Kasse der Stadt mit 500 Talern in Beschlag. Abends kamen noch 300 Kosaken unter dem Kommando des Majors Löwen, auch sie mussten einquartiert und verpflegt werden. Der Major bezog Quartier beim Apotheker Lindner in der Hirsch-Apotheke.

Erste Einquartierungen

Die Einquartierung der Kosaken gestaltete sich sehr schwierig, weil sie ungeachtet der Einquartierungsbilletts einzogen wie sie wollten. Wo zwei Mann vorgesehen waren, kamen sechs oder acht an. Am 9. April marschierten die Kosaken nach Naumburg ab. Bis zum 18. April kamen nur noch einige Patrouillen durch die Stadt. Ab dem 19. April befand sich ein Biwak auf dem Schießhausgelände, in dem ein Offizier, sechs Angehörige der preußischen Garde du Corps und 24 Mann freiwillige Gardekosaken biwakierten.

Am 26. kam die russische Division Lanskoi in Weißenfels an. Zusätzlich folgten noch ein Fußjäger- und Dragonerregiment. Die Division bestand aus mehr als 1 000 Mann, davon allein zirka 600 Bauernkosaken. So nannte man die russische Landwehr. Die Stadt hatte das gesamte Corps zu verpflegen. Der General und sein Stab bezogen in den "Drei Schwänen" Quartier. Am Abend des 27. April gab General Lanskoi den Befehl, das königliche Magazin zur allgemeinen Ausräumung zu öffnen. Brambach schreibt von einem Spektakel und Skandal, der sich am Magazin abspielte. Man habe nur unter Lebensgefahr etwas ergattern können. Um Mitternacht wurde die Bürgergarde alarmiert und der Proviantkontrolleur Becker beorderte ein Kommando von einem Offizier, zwei Unteroffizieren und 24 Mann Bürgergarde zur Sicherung des Magazins. Brambach berichtet, dass die Bürgergarde die Bürger mit Bajonetten aus dem Magazin vertrieb und die Eingänge besetzte.

Plünderung des Magazins

Am Morgen des 28. April versammelten sich Bürger vor dem Magazin und verlangten dessen Öffnung. Stadtkommandant Schrader und der russische Stadtkommandant erschienen am Magazin. Sie erteilten Befehl zur Öffnung und zum Abzug der Bürgergarde. Noch bis zum 29. April dauerte die Plünderung des Magazins an. Es wird berichtet, dass selbst Langendorfer Bürger nach Weißenfels kamen, um Korn aus dem Magazin zu holen. Während die meisten ungeachtet des Standes mit Schubkarren und Säcke auf dem Rücken das Korn wegschleppten, wird berichtet, dass der Postmeister Haase und Amtmann Laube das Korn in Pferdewagen nach Hause fuhren. Gegen Mittag wurde Alarm ausgelöst und die Russen schickten sich an, die Stadt schnell zu verlassen. Aus Richtung Naumburg kamen weitere russische Landwehreinheiten und ein schlesisches Husarenregiment. Kaum hatten die letzten Einheiten die Stadt verlassen, kamen die ersten französischen Husaren zum Zeitzer Tor herein. Als diese sich an den "Drei Schwänen" befanden, sprengten von der Saalebrücke sechs verspätete russische Kosaken mit angelegter Lanze auf die Husaren zu, drehten aber beim oberen Marktbrunnen ab und verschwanden zum Klingentor hinaus. Die französischen Husaren schossen, ohne aber zu treffen, so berichtet Brambach, der diese Szene aus seinem Haus am Markt beobachtete.

Jetzt folgten 600 französische Husaren und badische Dragoner und ein Regiment Infanterie. Es war die Vorhut der Souhamschen Division. Die Badener Dragoner und die Husaren nahmen den Einwohnern gleich auf der Straße Geld und Uhren ab und erpressten Waren in den Läden.

Marschall Ney im Jägerhof

Mit der Souhamschen Division kam Marschall Ney, welcher als Kommandeur der 45 000 Mann starken Vorhut der Napoleonischen Armee im Jägerhof Quartier bezog. Mit ihm zog wieder Ordnung in die Stadt ein. Die 45 000 Mann bezogen Quartier in und um Weißenfels, wobei zwei Biwaks rechts der Straße nach Leipzig zwischen Selau und Lösau eingerichtet wurden.