Architektur in Weißenfels

Architektur in Weißenfels: Eine Stadt der Moderne zur Bauhaus-Zeit

Weißenfels - Welche Gebäude in der Zeit der Bauhausbewegung hier entstanden sind und wie sie damals genutzt wurden.

Von Tobias Schlegel 03.02.2019, 08:00

Das Bauhaus wird in diesem Jahre 100 Jahre alt. 1919 gründete der Architekt Walter Gropius in Weimar eine Kunstschule. Die darin gelehrte Stilform stellte etwas bis dahin vollkommen Neues dar und kombinierte Kunst und Handwerk. In Weißenfels gibt es keine Bauten im Bauhausstil. „Aber es gibt ein paar Gebäude aus der Zeit der Moderne, die zum Beispiel der Neuen Sachlichkeit oder dem Expressionismus zugeordnet werden können“, erklärt Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Diese Strömungen liefen parallel zum Bauhaus und besaßen ebenfalls großen Einfluss auf die Architektur. Die MZ hat ein paar Gebäude gefunden, die in dieser Zeit der 1920er Jahre entstanden sind und erklärt ihr Aussehen und ihre Funktion.

Das Müller-Kaufhaus:

Ein jeder, der durch die Weißenfelser Jüdenstraße wandert, sieht es. Das markante Eckgebäude zwischen Jüdenstraße und Markt entstand in seiner jetzigen Form 1929 unter dem Architekten Wilhelm Ulrich. In dem zuvor abgerissenen Altbau hatte die jüdische Familie Joske 1877 ein Kaufhaus errichtet. Der Neubau aus den 1920er Jahren ist der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Charakteristisch ist die abgerundete Straßenfront. Auf dem Dach befand sich früher ein Café mit Dachterrasse.

In dem Kaufhaus ist gegenwertig eine Müller-Filiale ansässig. Außerdem gilt das Gebäude als ein Erinnerungsort für die ehemalige Eigentümerfamilie Joske, deren Mitglieder in der NS-Zeit enteignet, vertrieben und ermordet wurden.

Die Lutherkirche:

Die Kirche in der Gustav-Adolf-Straße wird von der evangelischen Gemeinde Weißenfels genutzt. Erbaut wurde sie zwischen 1926 und 1928. Im Jahr darauf wurde sie eingeweiht. Architekt ist Rudolf Ostermaier aus Halle. Die Kirche wird dem Baustil des Expressionismus zugeschrieben. Merkmale des Baus ist das Walmdach und der Turm. Darauf befindet sich eine schlanke Zwiebelhaube mit einer langen markanten Spitze.

Zu den Besonderheiten der Kirche gehört auch eine Bronzeglocke aus dem 13. Jahrhundert. Diese stammt aus dem Weißenfelser Kloster - ist aber nicht mehr funktionstüchtig. Das Innere der Kirche besteht aus einem Altarraum und einem Chorraum. Das umliegende Pfarrhaus ist schlicht gestaltet. Eine Besonderheit weisen die Fenster im Erdgeschoss auf, dessen für die 1920er Jahre typischen Sprossen noch original erhalten sind.

Die alte Sparkasse:

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen viergeschossigen Putzbau mit steilem Walmdach. Es entstand 1934 und ist dem Heimatschutzstil, einer Gegenbewegung zur Moderne, zuzuordnen. Das Bauwerk ist auf die Saalebrücke ausgerichtet und befindet sich in der Friedrichstraße. Architekt des Gebäudes ist August Pfisterer aus Saaleck. Kennzeichnend ist das Hauptportal mit den schmiedeeisernen, figürlich gestalteten Gittern. Diese sollen die drei Lebensalter und die drei Berufsstände Handwerk, Handel und Wissenschaft darstellen.

Die ursprüngliche Gestaltung im Inneren ist weitgehend erhalten geblieben. Im Erdgeschoss befindet sich eine große dreischiffige Kassenhalle. Auffällig gestaltet ist auch das Obergeschoss. Ein dortiger Besprechungsraum ist mit barockisierenden Art-Deco-Formen mit stuckierter sogenannter Voutendecke und Wandverkleidung gestaltet. Markant sind auch die bunten Bleiverglasungen. Darin werden verschiedene Berufsstände dargestellt.

Ebenfalls zu sehen ist die Inschrift: „Durch Arbeit und Sparsamkeit zum Wohlstand. Aufwärts aus eigener Kraft. Ehret die Arbeit und achtet den Arbeiter.“ Seit Jahren steht das Gebäude, in dem einst die Stadtsparkasse ansässig war, leer. In den kommenden Jahren soll das Gebäude nun umfassend saniert und werden. Dafür werden nach Schätzungen mehr als zwölf Millionen Euro fällig. Noch ist unklar, wann die Arbeiten abgeschlossen sein sollen. Danach soll das Jobcenter des Burgenlandkreises in das Gebäude einziehen.

Das Gloria:

Das frühere Lichtspielhaus zählt als eines der letzten Beispiele des Bautyps „Lichtspieltheater“ aus der Zeit der klassischen Modernen in Sachsen-Anhalt. Es entstand in der Form der Neuen Sachlichkeit im Jahr 1928 in der Merseburger Straße, Ecke Weinbergstraße. Architekt des Gebäudes ist Carl Fugmann aus Erfurt. Der Schriftzug „Gloria“ ist noch heute in großen Lettern auf der Lichtreklame zu sehen. Einst hatte das Filmtheater 1.200 Sitzplätze. Das Gebäude besteht aus ineinandergeschobenen Kuben, an der Fassade stechen vor allem die hohen Schlitzfenster hervor.

Bis 1991 war das Gloria ein Kino, seit 1997 steht es ganz leer. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und befindet sich in einem verhältnismäßig guten Zustand. Seit Jahren wird in der Stadt diskutiert, was aus dem früheren Lichtspielhaus werden soll. Die Stadt will das Bauhausjubiläum in diesem Jahr nutzen, um das Gloria wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. So hat sich Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, einen Förderantrag im Rahmen des Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus zu beantragen.

„Sollte die Stadt Weißenfels eine Zusage erhalten, möchte sie die Gelder für eine komplette Sanierung des Glorias einsetzen, um es vor dem Verfall und dem letztendlichen Abriss zu bewahren“, erklärt Stadtsprecherin Katharina Vokoun.

Das Gebäude der Volks- und Raiffeisenbank:

In dem Haus war früher der Sitz der Weißenfelser Reichsbank. Es wurde 1929 vom Reichsbankbaubüro Berlin errichtet und trägt den Stil des Expressionismus.

Das Gebäude in der Leopold-Kell-Straße ist zweigeschossig. Auffällig sind die zwei runden Eck-Erker und das nahezu fensterlose Untergeschoss. Die Form soll Sicherheit und Traditionsreichtum ausstrahlen.