Dreharbeiten für DDR-Film

Adam & Evelyn bei 3Sat: Weißenfels wird Kulisse für DDR-Liebesfilm

Weißenfels - In Weißenfels wird wieder gedreht. Warum die alten Straßenzüge von Weißenfels perfekt für den Regisseur von „Adam & Evelyn“ sind.

Von Anja Förtsch 24.08.2017, 05:00

Adam steigt aus dem himmelblauen Wartburg und geht auf Evelyn zu, der Gang zerknirscht, der Kopf gebeugt, auf den Lippen die Bitte, dass sie bei ihm bleibe. Doch vergebens: Die blonde Frau nimmt ihren Koffer und steigt in den BMW ihres West-Bekannten. Was jetzt kommt sind aber keine Tränen, kein schweres Schlucken, sondern die Klappe.

Denn Adam heißt eigentlich Florian Teichtmeister, Evelyn eigentlich Anne Kanis und die tragische Wende-Liebesgeschichte der beiden ist nur eine Szene in einem Film. Und der wird seit Dienstag mitten in Weißenfels gedreht.

Wende-Liebesgeschichte „Adam & Evelyn“ wird in Weißenfels verfilmt: Darum geht es

„Adam & Evelyn“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ingo Schulze und handelt von Erkenntnis, Verführung und Eifersucht. „Die ist anfangs kein Thema zwischen den beiden, aber das ändert sich, als Evelyn ihren Adam in flagranti mit einer Anderen erwischt“, erzählt Hauptdarstellerin Kanis.

Statt wie geplant mit Adam fährt Evelyn daraufhin mit ihrem Bekannten Michael in den Urlaub - und auch diese beiden kommen sich näher, als sie wohl sollten, schließlich ist Michael mit Evelyns bester Freundin Simone liiert. „Was ich an der Rolle schön finde ist, dass Evelyn nicht zickig reagiert, sondern immer noch harmonisch“, sagt Kanis. Erkennt sie sich darin wieder? „Ich finde es schön, wenn man so reagieren könnte“, erklärt die Schauspielerin lächelnd.

Filmdreh in Weißenfels: Parallelen zur Bibelgeschichte von Adam und Eva

Und Adam-Darsteller Teichtmeister, kann er sich mit der in Sachen Eifersucht entspannten Haltung seiner Rolle identifizieren? „Ich bin privat nicht eifersüchtig“, sagt der Schauspieler. Und setzt schmunzelnd hinzu: „Jedenfalls nicht krankhaft. Ein gesundes Maß an Eifersucht ist ja gar nicht so schlecht.“

Er sieht in der Geschichte des Paares Parallelen zu Adam und Eva aber auch zur gesellschaftlichen Situation in der Wende-Zeit. „Adam und Eva hatten im Paradies auch keinen Grund, eifersüchtig zu sein. Und für den Adam im Film ist das Paradies eher die innere Freiheit als die äußere - eine Frage, die sich mit der Wiedervereinigung überschneidet.“

Filmdreh in Weißenfels: Wenn ein DDR-Bürger mit österreichischem Dialekt spricht

Die hat der 37-Jährige gar nicht so hautnah mitbekommen, schließlich ist er gebürtiger Wiener und lebt noch heute in Österreich - was auch durchaus seinem Dialekt zu entnehmen ist. Ist der kein Problem, wenn er doch einen DDR-Bürger spielt? „Das geht schon, da muss man mal ein Auge zudrücken“, sagt Teichtmeister lachend. „Und schließlich ist Adam ohnehin keine alltägliche DDR-Rolle.“

Regisseur Andreas Goldstein ging es auch gar nicht darum, einen typischen DDR-Film zu machen. „Ich habe den Roman gelesen und wusste: Daraus will ich einen Film machen. Aber eben eine andere Art DDR-Geschichte“, sagt Goldstein, der selbst in Ost-Berlin aufgewachsen ist. Dafür sei er „ziemlich lange“ auf der Suche nach passenden Kulissen gewesen.

Dreharbeiten in Weißenfels: Hier wurden die Filmszenen gedreht

„Ich wollte Straßenzüge, die noch so belassen sind, dass sie in einen DDR-Film passen.“ Fündig wurde er unter anderem in Weißenfels, genauer in der Nord-, Weinberg- und Hospitalstraße, sowie in der Straße am Güterbahnhof. „Hier gibt es eine gute Mischung aus neu und alt. Schließlich bestand die DDR auch nicht nur aus Ruinen.“

Bis Donnerstag wird noch in Weißenfels gedreht

In Weißenfels wird voraussichtlich nur noch am Donnerstag gedreht. So lange bleiben die Straßen noch gesperrt. Anwohner dürfen aber jederzeit zu ihren Wohnungen fahren - sie müssen nur eventuell einige Minuten bis zur Drehpause warten. „Es gibt hier keinerlei Probleme mit den Anwohnern, niemand meckert wegen den Sperrungen. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken“, heißt es von der Produktionsleitung.

Die ersten Szenen wurden nur einige Kilometer weiter in Bad Dürrenberg aufgenommen, nach dem Dreh in Weißenfels geht es weiter zu verschiedenen Orten in Berlin, Sachsen und Ungarn. Insgesamt stehen noch 19 Drehtage an, Mitte September sollte also alles im Kasten sein.

Bis der Film zu sehen sein wird, braucht es dann aber noch etwas Geduld: Voraussichtlicher Kinostart ist Frühjahr 2019, teilt die Produktionsfirma Ma.ja.de Fiction mit. Eineinhalb Jahre später wird „Adam & Evelyn“ dann im Fernsehen bei 3Sat zu sehen sein. (mz)