SangerhausenSangerhausen: Mühlengeschichten

SANGERHAUSEN/MZ - Wahrlich keine leichte Aufgabe stand am Sonnabend vor Gerald Warz. Auf den 58-Jährigen warteten vor der Tourist-Information in Sangerhausen rund zwei Dutzend Frauen und Männer und eine besondere Herausforderung. Bei einem Rundgang wollte der leidenschaftliche Stadtführer den Interessenten etwas zeigen und erklären, dass nur noch in ganz wenigen Ansätzen aufzufinden ist. Thema des Rundgangs waren die Mühlen der Stadt Sangerhausen. Etwas mehr als zwei Stunden später zeigte Beifall der Rundgangs-Teilnehmer, dass die Bemühungen von Gerald Warz erfolgreich waren. Seine Stadtführung war ebenso interessant, wie kurzweilig und ...

Von RALF KANDEL 11.08.2013, 20:20

Wahrlich keine leichte Aufgabe stand am Sonnabend vor Gerald Warz. Auf den 58-Jährigen warteten vor der Tourist-Information in Sangerhausen rund zwei Dutzend Frauen und Männer und eine besondere Herausforderung. Bei einem Rundgang wollte der leidenschaftliche Stadtführer den Interessenten etwas zeigen und erklären, dass nur noch in ganz wenigen Ansätzen aufzufinden ist. Thema des Rundgangs waren die Mühlen der Stadt Sangerhausen. Etwas mehr als zwei Stunden später zeigte Beifall der Rundgangs-Teilnehmer, dass die Bemühungen von Gerald Warz erfolgreich waren. Seine Stadtführung war ebenso interessant, wie kurzweilig und lehrreich.

Zwischen dem Start an der Tourist-Information und dem Ziel an der Pfeffermühle in der Sangerhäuser Walkmühle lagen nicht nur eine Vielzahl von Metern, sondern auch viele Informationen. Gerald Warz hatte beim „Ausklamüsern“ der Geschichte und Geschichten der Mühlen der Stadt Sangerhausen mit Walter Strauch dabei einen Helfer an seiner Seite, der ihm mit Bildern und zusätzlichen Wissen beistand.

"Zur Blütezeit der Stadt gab es elf Mühlen"

Den Geschichts-Interessierten, die mit auf Tour gingen, gefiel das. Immer wieder wurde auf dem Weg durch die Stadt Station gemacht, erklärt, Bilder gezeigt und Fragen beantwortet.

Der erste Zwischenstopp auf der geschichtsträchtigen Tour wurde am ehemaligen Kylischen Tor eingelegt. Hier erfuhren die Stadt-Wanderer erste Details zur Geschichte der Mühlen in Sangerhausen. „Zur Blütezeit der Stadt gab es elf Mühlen, nicht eine einzige davon befand sich innerhalb der Stadtmauern“, so Gerald Warz. Ebenso verblüffend, weil kaum jemanden bewusst, ist auch die Tatsache, dass die Mühlen zwar durch das Wasser der Gonna betrieben wurden, es aber einen Extra-Mühlgraben gab, der das nötige Wasser lieferte. „Keine einzige Mühle konnte sich ohne einen solchen Mühlgraben drehen“ erläuterte Warz weiter.

Dann ging es auf der Stadt-Tour ins Detail. Die um 1400 erbaute Rabenmühle am Mühlendamm war ein weiterer Haltepunkt. Weiter ging es zur Resen- oder Rosenmühle, 1422 erstmals urkundlich erwähnt und gelegen unmittelbar an der Gonna am ehemaligen Intershop. Hier entzündete sich dann ein „Disput“ zwischen Warz und Strauch, der bis zum Ende der Stadtführung nicht geklärt werden konnte. Es ging dabei um die Frage, wann die letzte Mühle in der Stadt Sangerhausen ihr „Klappern“ und damit Handwerk einstellte. Während Warz zum Jahr 1962 tendierte, beharrte Strauch auf der Jahreszahl 1952.

Den Gästen war das egal, sie marschierten weiter frei weg mit. Unter den Geschichtsinteressierten war auch Familie Mühlhausen aus Sangerhausen. „Mit acht Mann sind wir hier dabei, darunter auch Besuch aus Mayen. „Das Ganze macht Spaß, ist lehrreich und interessant“, bescheinigte dann auch der Sangerhäuser Udo Mühlhausen dem Stadtführer ein „gutes Händchen.“

"Probstmühle war eine der reichsten Mühlen"

Nach der Rosenmühle folgten die Brücken- oder Winklermühle an der Kreuzung Töpfersberg/Altendorf. Anschließend ging es zur im Jahr 1971 abgebrannten Malz- oder Ölmühle. Es folgte die Probstmühle im Ziegen- oder Ziegeltal. 1478 erstmals erwähnt gehörte sie zum Sangerhäuser Nonnenkloster. „Sie war eine der reichsten Mühlen“, wusste Warz am Standpunkt unterhalb der Maschinenfabrik zu berichten.

Schlusspunkt der Tour war schließlich die Pfeffermühle an der Hüttenstraße in der Ostsiedlung. Auch hier bekamen die nun langsam müden Stadtwanderer noch einmal jede Menge Bilder zu sehen und Informationen. So erfuhren sie, dass noch längst nicht alle ehemaligen Mühlen von ihnen erkundet wurden. So gab es im Gebiet um Sangerhausen zum Beispiel noch die Weiden- oder Weisenmühle, die Jackentalsmühle. Und natürlich auch die Walkmühle, deren Standort heute wohl jedem Sangerhäuser bekannt ist. Auch über die Tal- oder Bettelmühle wusste Gerald Warz noch zu berichten.

Am Ende des Rundgangs konnte sich der Stadtführer freuen. Geduldig, ruhig und wissbegierig hatte ihm sein Gefolge von rund zwei Dutzend Leuten bis zum Schluss begleitet. Und sicherlich Lust auf den ein- oder anderen Stadtrundgang in naher Zukunft bekommen. Stadtführer Gerald Warz jedenfalls war zufrieden mit diesem Samstagvormittag: „Wenn es Ihnen gefallen hat, dann sagen Sie es weiter“, so sein Abschlussstatement. Das haben wir hiermit getan.