Ausflug mal anders

Nackt im Harz: Im Adamskostüm auf dem Naturistenstieg bei Wippra wandern

Feste Schuhe oder auch nicht, Kopfbedeckung bei Bedarf, aber auf jeden Fall nackt: so streifen im Südharz bei gutem Wetter Menschen durch die Natur. Der heimische Harzklub wandert zwar nicht mit, präpariert aber regelmäßig den Harzer Naturistenstieg.

Aktualisiert: 14.05.2022, 10:35 • 14.05.2022
Nackte Wanderer bei Wippra werfen einen Blick auf ihre Wanderkarte.
Nackte Wanderer bei Wippra werfen einen Blick auf ihre Wanderkarte. Foto: Matthias Bein/ dpa

Wippra/dpa/DUR - "Weg mit den Klamotten!" Getreu diesem Motto und ganz ohne Funktions-Kleidung geht es in einem abgelegenen Waldstück im Südharz zu: Bei Wippra treffen sich regelmäßig Wanderer, die unbekleidet durchs Grüne streifen. Im Jahr 2010 wurde dort der „Harzer Naturistenstieg“ eröffnet, der erste Nacktwanderweg Deutschlands. „Bei gutem Wetter sind oft 50 und mehr Nackte unterwegs“, sagte Helmut Wein, der Vorsitzende des örtlichen Heimat- und Wandervereins „Harzklub“.

„Wanderfreunde, die der FKK-Kultur zugeneigt sind, haben in Wippra die Möglichkeit, die Natur hautnah zu erleben“, wirbt die örtliche Tourismus-Organisation. Die etwa 14 Kilometer lange Tour führt durch Wald und Wiesen.

Wanderkarten gibt es im Tourismusbüro und in den örtlichen Kneipen. Am Start steht eine Wanderstempelstelle. „Vor allem Leute aus den alten Bundesländern kommen zum Nacktwandern“, sagte Wein. Auch aus Holland kämen Teilnehmer. „Bei schönem Wetter ist der kleine Parkplatz im Wald jedenfalls voll.“

Einwohner Wippras skeptisch gegenüber Nacktwandern

In Wippra selbst sei das Nacktwandern dagegen nicht besonders gefragt, sagte der Harzklub-Vorsitzende. „Im Ort kenne ich keinen, der nackt wandern wollte.“ Trotzdem richten die Freiwilligen des Harzklubs die Route jedes Jahr wieder her. „Wir schneiden die Äste ab, die in den Weg hineinwachsen. Und wir kümmern uns um die Ausschilderung, damit sie auch wissen, wo sie laufen können und dürfen“, sagte Wein.

Bei gutem Wetter seien oft 50 und mehr Nackte unterwegs.
Bei gutem Wetter seien oft 50 und mehr Nackte unterwegs.
Foto: Matthias Bein/ dpa

Ins Leben gerufen wurde der Nacktwanderweg von Heinz Ludwig, der im benachbarten Dankerode einen Campingplatz betreibt. „Damals gab es einige Aufregung“, erinnerte er sich. „Inzwischen ist das alles Normalität. Es spricht kaum noch jemand drüber, wenn er mal einem Nackten begegnet“, sagte Ludwig.

Nacktheit soll „sinnvolle Ergänzung des Wanderns“ sein, keine Provokation

Die Nacktwanderer selbst beschreiben sich auf ihrer Homepage als „ein sich ständig vergrößernder Freundeskreis von Natur interessierten Menschen“. Ihr Hobby loben sie als Sportart, die in besonderer Weise geeignet sei, Natur auf unmittelbare Art und Weise zu erleben. Gewandert werde in Gruppen auf weniger frequentierten Wegen im Rothaargebirge, im Spessart, der Eifel, dem Pfälzer Wald, dem Rheingau, dem Schwarzwald, dem Taunus, im Thüringer Wald und im Harz. Nacktheit verstehen sie als „sinnvolle Ergänzung des Wanderns“ und nicht als Provokation.

„Ärger und Konflikte gibt es mit den Nacktwanderern nicht“, stellte Wippras Harzklub-Chef Wein fest. Für alle, die sich doch an nackter Haut stören sollten, hat Wanderweg-Initiator Ludwig schon vor Jahren ein Schild entworfen, das noch heute bekleidete Naturfreunde warnt: „Willst du keine Nackten sehen, darfst du hier nicht weiter gehen.“