Insolvente Mifa-Bike

Insolvente Mifa-Bike in Sangerhausen: 170 Beschäftigte wechseln in Transfergesellschaft

Sangerhausen - Qualifizierung der Arbeitnehmer ist damit für vier Monate gesichert.

Von Karl-Heinz Klarner 02.03.2017, 14:22

Harald Gebser zögert nur für einen Moment. Dann weist der Mifa-Mitarbeiter dem Kunden den Weg zu den Damen-Rädern im Werksverkauf des insolventen Fahrradherstellers in Sangerhausen.    „Die Kunden klopfen uns oft auf die Schulter und hoffen mit uns gemeinsam, dass es weitergeht“, erzählt der 60-Jährige.

41 Mifa-Mitarbeiter haben sich gegen Transfergesllschaft entschieden

Dass es weitergeht, steht  aktuell nicht in Frage. Am Mittwoch dieser Woche hat das Amtsgericht dem Antrag der Mifa-Bike in Sangerhausen stattgegeben und das Insolvenzverfahren eröffnet.  Das Insolvenzgeld ist Ende Februar ausgelaufen und die Mifa-Bike muss wieder rentabel arbeiten. Für rund 250 Beschäftigte sei bis Ende Mai die Arbeit gesichert, hieß es vom Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Auch für die 207 Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen, gibt es eine Lösung - allerdings eine zeitlich befristete. Sie haben das Angebot erhalten, für vier Monate in eine  Transfergesellschaft zu wechseln. Dort sollen sie bei 80 Prozent ihrer Bezüge für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden. 41 davon haben sich dagegen entschieden und müssen gehen, teilte das Unternehmen am Donnerstag im Anschluss an die Verhandlungen mit Betriebsrat und Industriegewerkschaft Metall mit. Rund 50 Mifa-Beschäftigte  hatten bereits von sich aus gekündigt.

Zudem soll über die Agentur für Arbeit ein Stellenpool für die Betroffenen eingerichtet werden, sagte Gewerkschaftssekretär Michael Perner.  „Nach den Mitteln, die uns zur Verfügung standen, ist das nur ein kleiner Erfolg“, so Perner. Schließlich hatte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) noch verkündet, dass die Landesregierung die Transfergesellschaft unterstützen wolle. Davon ist nun nichts mehr übrig. Denn die Kosten der Transfergesellschaft trägt zu zwei Dritteln die Familie von Nathusius. Der Rest kommt nach Angaben der IG Metall aus der Insolvenzmasse.

Für den Landkreis Mansfeld-Südharz gibt es in der Zwischenzeit eine Hiobsbotschaft. Ihm droht ein Verlust von fast drei Millionen Euro aus dem Mifa-Rettungspaket des Jahres 2014. Vor rund drei Jahren hatte der Kreistag beschlossen, dem von Insolvenz bedrohten  Fahrradhersteller unter die Arme zu greifen und der Mifa AG im Rahmen einer sogenannten Sale-and-Leaseback-Transaktion das innerstädtische Betriebsgrundstück für 5,7 Millionen abzukaufen.

Unabhängiges Gutachten zeigt, dass Mifa-Grundstück im Sangerhäuser Zentrum viel weniger wert ist

Grundlage dafür bildete ein Gutachten, das von der Mifa in Auftrag gegeben worden war. Im Zuge der Vermarktung des Grundstücks hat der Landkreis das Areal neu bewerten lassen. „Ein unabhängiger Gutachter ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das Grundstück nur 1,2 Millionen  Euro Wert ist“, sagt Landkreissprecherin Michaela Heilek.   

Nach Abzug der Mieteinnahmen von rund 1,6 Millionen Euro droht dem Landkreis, auf dem Großteil der restlichen 2,9 Millionen Euro Differenz sitzen zu bleiben. Aktuell sind auf dem Grundstück die Verwaltung der Mifa-Bike und Teile der Lackierei untergebracht. Im Moment verhandele der Landkreis mit der Mifa-Bike über die Miete.
Harald Gebser dürfte das egal sein, für ihn geht es weiter. 

Rund 700 Fahrräder sind nach Unternehmensangaben noch im Mifa-Shop zu haben. Der erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit.  Das macht sich auch bei den Verkaufszahlen  bemerkbar. Rund  ein Drittel mehr habe man im Vergleich zum Vorjahreszeitraum  in den  knapp fünf Wochen seit der Wiederöffnung des Mifa-Shops Ende  Januar dieses Jahres verkauft, sagt Gebser und wendet sich dem nächsten Kunden zu. (mz)