Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt: Es gibt kaum noch passgenaue Bewerber für freie Stellen im Kreis

Sangerhausen - 400 Vorschläge sind nötig, um 40 neue Jobs bei Invitel Sangerhausen zu besetzen

Von Beate Thomashausen
Susanne Thomas (45) gehört zum Sangerhäuser Invitel-Team, das jetzt ganz neu aufgebaut wurde.

Keine Leute, keine Leute - das klingt bei mehr als 7.000 Arbeitslosen im Landkreis Mansfeld-Südharz erst mal erstaunlich. „Die Mitarbeiterrekrutierung hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert“, sagt Martina Scherer, Leiterin der Arbeitsagentur Sangerhausen. „Es gibt kaum noch passgenaue Bewerber für die Stellen, die in den Unternehmen zu besetzen sind. Nur noch wenige Fachkräfte haben ganz genau die Ausbildung, die sie für die Tätigkeiten brauchen, die gerade angeboten werden.“

Beispiel: Die Unternehmensgruppe Invitel siedelte sich im Mai mit einem neuen Standort in der Sangerhäuser Innenstadt an. Es galt, 40 Arbeitsplätze in dem neuen Call-Center zu besetzen. Für die Mitarbeiter der Agentur hieß das, enge Kontakte zum Unternehmen zu pflegen und die richtigen Bewerber herauszufiltern.

Um 40 Stellen bei Invitel in Sangerhausen zu besetzen, mussten 400 Kunden der Arbeitsagentur angesprochen werden

„Um die 40 Stellen bei Invitel in Sangerhausen zu besetzen, haben wir 400 unserer Kunden angesprochen“, so Scherer. Davon hat sich schließlich ein Viertel beworben. Und auch diejenigen, die schließlich für die Stellen in Frage kamen, wurden noch für ihre neue Tätigkeit fit gemacht. „Hier kann auch die Agentur mit Eingliederungszuschüssen helfen“, so die Agenturchefin.

Und so ist tatsächlich eine der größten Investitionen am neuen Standort die Schulung der neuen Mitarbeiter. 200.000 Euro habe man da bereits investiert, erklärt Invitel-Geschäftsführer Andreas Hartwig. Invitel ist eine Unternehmensgruppe, die es seit 1999 gibt. Sie hat rund 2.600 Mitarbeiter in 22 Gesellschaften und an 28 Standorten. „Wir verstehen uns nicht als Call-Center, sondern als verlängerte Werkbank von beispielsweise Telekommunikationsunternehmen, Banken und Energieversorgern“, erklärt Hartwig.

Jobs im Call-Center kommen zu den Mitarbeitern, damit diesee nicht pendeln müssen

Neu sei seit ungefähr anderthalb Jahren, dass das Unternehmen sogenannte Microunits eröffne mit 30, 40 oder 50 Mitarbeitern in kleinen Städten statt der Großraumbüros mit der zehnfachen Menge an Mitarbeitern, wie sie Großstädten bereits etabliert seien. „Der Arbeitsmarkt hat sich verändert“, stellt Hartwig fest, „deshalb bringen wir die Jobs zu den Mitarbeitern, damit die nicht pendeln müssen.“

Sangerhausen ist hierbei der dritte Standort nach Stendal und Köthen, an dem so eine Kleinsteinheit aufgebaut wurde. In Sangerhausen arbeite man ausschließlich für ein Telekommunikationsunternehmen und übernehme für dieses den technischen Service und die Kundenbetreuung.

Wirtschaftsförderer der Region unterstützen Investoren bei der Suche nach passenden Standorten

Für Andreas Blümner von der Standortmarketinggesellschaft ist die Ansiedlung von Invitel in Sangerhausen von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. „Hier ist alles genau so gelaufen, wie wir uns das wünschen. Der Investor kam auf uns zu uns, damit wir ihm bei der Standortsuche behilflich sein konnten. Uns war klar, dass wir da mit anderen möglichen Standorten konkurrieren.“ Deshalb sei es neben der Suche nach einem geeigneten Objekt in der Kreisstadt eminent gewesen, dass auch schnell Mitarbeiter gefunden wurden.

Dass sich Invitel für Sangerhausen entschied, habe natürlich mit der Unterstützung der Wirtschaftsförderer der Region zu tun, die schnell ein geeignetes Objekt fanden, so Hartwig. Aber ausschlaggebend sei schließlich das Internet gewesen. „Ohne Glasfaser geht bei unserer Arbeit gar nichts. Damit waren einige Standorte von vornherein ausgeschlossen. Aber in Sangerhausen passte schließlich alles“, sagt Hartwig.

Eine Hürde muss Invitel in Sangerhausen noch nehmen. Hartwig: „Wir brauchen noch eine Führungskraft.“ Aber auch da werde Invitel aktiv und bilde ihre Leute einfach selbst aus. (mz)