Einzelhandel

Steinbrücke in Quedlinburg: Warum die Filiale des Drogeriemarkts dm geschlossen wird

Quedlinburg - Drogeriekette will sich aus der Steinbrücke in Quedlinburg zurückziehen. Wie das begründet wird und wie es nun weitergeht.

Von Petra Korn

Die Drogeriekette „dm“ schließt ihren Markt in der Quedlinburger Steinbrücke. Das bestätigte das Unternehmen auf MZ-Anfrage. „Wir haben uns dazu entschlossen, den ,dm‘-Markt an der Steinbrücke 18 Mitte Juli standortbedingt zu schließen“, erklärte Gebietsverantwortlicher Marcel Mikaczo.

„Wir mussten feststellen, dass die Fortführung des ,dm‘-Marktes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist. Wir bedauern diesen Schritt sehr, können aber versichern, dass wir weiterhin für unsere Kunden in der Region da sind.“

Stadtverwaltung hatte sich gegen größere Verkaufsfläche gewehrt, jedoch vor Gericht verloren

Damit schließt nach gut vier Jahren ein Geschäft, für das sogar vor Gericht gestritten worden war. Rückblick: In der Steinbrücke 18 hatte sich in den Vorjahren eine Filiale der Drogeriekette „Ihr Platz“ befunden.

Nach der Insolvenz von „Schlecker“, zu dem die Kette „Ihr Platz“ gehörte, wurde im Jahr 2012 auch das Geschäft in der Steinbrücke geschlossen. Die Drogeriekette „dm“, die bereits einen Markt im Mettehof in Quedlinburg hatte, zeigte Interesse.

Das Unternehmen verband dieses aber damit, dass eine Erweiterung der Verkaufsfläche im Hofbereich möglich ist: Ohne diese Vergrößerung fehle der Platz, das gesamte Sortiment in ausreichender Form präsentieren zu können, wurde begründet.

dm-Gebietsleiter: Es war nicht abzusehen, dass der Kundenzuspruch an der Steinbrücke auf Dauer sinken würde

Seitens der Stadtverwaltung wie auch der Baubehörde des Landkreises wurde die Erweiterung im Welterbebereich mit Verweis auf das Baurecht abgelehnt. Es folgten Diskussionen im Bauausschuss und im Stadtrat; letztlich wurde mehrheitlich abgelehnt, eine Erweiterung doch zu ermöglichen.

Gegen die Ablehnung gingen die Eigentümer des Hauses vor Gericht – und das Verwaltungsgericht in Magdeburg gab den Klägern recht. Im Hofbereich wurde gebaut, der Markt im Mai 2015 eröffnet.

Dass es mit dem Mettehof schon einen „dm“-Standort gab, war damals kein Problem. „Grundsätzlich führen wir vor jeder Neueröffnung eine Standortanalyse durch, um zu prüfen, ob ein ,dm‘-Markt an einen Standort passt. Dies ist auch in Quedlinburg so geschehen“, erklärte Gebietsverantwortlicher Marcel Mikaczo.

Wirtschaftsförderer Henning Rode bietet Zusammenarbeit an und hofft auf „attraktive Folgelösung“

Er fügte hinzu: „Hier war nicht abzusehen, dass der Kundenzuspruch in der Filiale an der Steinbrücke auf Dauer sinken würde. Aus diesem Grund mussten wir uns für eine Schließung des Marktes entscheiden.“

„Ich bedauere, dass das Interesse an dem Standort nicht mehr da ist“, sagte Henning Rode, Wirtschaftsförderer bei der Stadtverwaltung Quedlinburg. Wie er hinzufügt, gebe es seitens der Stadt den „Willen zur konstruktiven Zusammenarbeit, um eine möglichst attraktive Folgelösung zu finden“.

Das bekräftigte Thomas Malnati, Fachbereichsleiter Bauen bei der Stadtverwaltung. Das Engagement der Werbegemeinschaft Steinbrücke sei sehr lobenswert, erklärt er beispielsweise mit Blick auf die Aktion beim Sachsen-Anhalt-Tag.

„Wir wünschen uns einen Nutzer, der dieses Engagement mitträgt, der in die Werbegemeinschaft hineinpasst“ – und die Attraktivität der Steinbrücke weiter untermauere. Thomas Malnati fügte aber auch hinzu:- „Wir können nur entscheiden, was baurechtlich machbar ist und was nicht. Einzelhandel, egal welcher Art, ist dort zulässig, die Gebäude sind saniert.“

Alle Beschäftigten werden in anderen Filialen weiterarbeiten

Architekt Horst Danscher, der die Eigentümer des Hauses bei der Erweiterung vertreten hat und, wie er sagt, immer noch vertrete, erklärte, diese würden entscheiden, wenn der derzeit noch laufenden Vertrag mit „dm“ ende.

In dem Drogeriemarkt auf der Steinbrücke arbeiten nach MZ-Informationen acht Mitarbeiter. „Alle unsere Kolleginnen und Kollegen“, so „dm“-Gebietsverantwortlicher Marcel Mikaczo , würden künftig „in einem der umliegenden Märkte, beispielsweise im Mettehof, in Wernigerode oder Halberstadt, unseren Kunden beratend zur Seite stehen“. (mz)