Sanierung in Quedlinburg

Sanierung in Quedlinburg: Ein Speicher zum Wohnen

Quedlinburg - „Das ist nicht einfach nur ein Job, wir haben an etwas Größerem gearbeitet“, sagt Ulrich Queck, Architekt im Planungsbüro „qbatur“. Gemeint sind die Bauarbeiten in einer auf den ersten Blick unscheinbar daherkommenden Quedlinburger Sackgasse, nur wenige Meter von der Buchhandlung Pfeifer ...

Von Christoph Werner 06.09.2016, 09:14

„Das ist nicht einfach nur ein Job, wir haben an etwas Größerem gearbeitet“, sagt Ulrich Queck, Architekt im Planungsbüro „qbatur“. Gemeint sind die Bauarbeiten in einer auf den ersten Blick unscheinbar daherkommenden Quedlinburger Sackgasse, nur wenige Meter von der Buchhandlung Pfeifer entfernt.

Die Adresse: Am Hospital 4. Vor rund sechs Jahren hat Bauherr Carsten Dittmann, ein HNO-Arzt aus Dresden, der heute in Braunschweig lebt, das 1904 errichtete Speichergebäude erworben, um es in ein Wohnhaus umzuwandeln. Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, ist das Vorhaben nach knapp zweijähriger Bauzeit nun abgeschlossen.

An diesem Tag bietet sich allen Interessierten zwischen 11 und 14 Uhr die Chance, sich im Rahmen von stündlichen Führungen selbst ein Bild vom neu gestalteten Innenleben des zuletzt von der DDR-Handelsorganisation genutzten ehemaligen Kornspeichers zu machen.

Über 60 geöffnete Gebäude, Kirchen, Höfe und  Gärten sowie Auftakt mit Bürgerfrühstück:

Für die Welterbestadt ist der Tag des offenen Denkmals jedes Jahr ein Höhepunkt.  Wie im Vorjahr wird er am Samstag mit dem Bürger- und Denkmalfrühstück von 10 bis 14 Uhr   auf dem Markt eingeleitet.   Über 30 Vereine und Initiativen   stellen sich vor und sammeln Geld für gute Zwecke. Im Polit-Talk stellen sich ab 11 Uhr Bauherren, Verwaltung und Denkmalschützer Fragen der Besucher. Um 12 Uhr startet die Landpartie per Rad nach Bad Suderode.

Am Sonntag verwandelt sich die Stadt in ein Museum. Von Altstadt und Schlossberg über Münzenberg und Neustadt bis hin in den Ortsteil Gernrode sind über 60 historische Gebäude, Kirchen, Höfe und  Gärten geöffnet. Rundgänge bringen ab 11 Uhr in 1,5 bis 2,5 Stunden ebenso wie Ausstellungen spezielle Themen näher. Fürs Magazin- und Archivhaus in der Halberstädter  Straße muss sich bis Mittwoch, 7. September,  angemeldet werden (Tel. 03946/90 56 81 bzw. -6 82 oder schlossmuseum@quedlinburg.de). Veranstaltungen auf dem Markt, im Wordgarten, im Hoken und in der Word bieten ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Theater, Ottonen-Zeltlager, Kinderanimation oder traditionellem Handwerk. Das Abseilen vom Turm der Marktkirche ist ebenso möglich wie Schnuppertauchen im Hallenbad.
Weitere Informationen unter
www.quedlinburg.de


Acht Wohnungen vorhanden

Auf vier Etagen plus einem Dachgeschoss für eine Wohnung auf der Ostseite stehen in dem an seiner höchsten Stelle rund 14 Meter hohen Gebäude auf rund 734 Quadratmetern insgesamt acht Wohnungen zwischen 55 und 135 Quadratmetern zur Verfügung – „in freier Vermietung und unmöbliert“, sagt der Bauherr. Jede Wohnung sei mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, zudem bestehe die Möglichkeit, sich einen Kamin einbauen zu lassen.

„Zwei der Wohnungen sind bereits fest vergeben, der Rest ist noch offen“, beschreibt Carsten Dittmann die Situation. Am Tag des offenen Denkmals werden für Besucher ein bis zwei komplette Etagen begehbar und einsehbar sein, „für Interessierte werden im Gebäude dann auch Zettel aushängen“. Bei Mietpreisen von unter fünf Euro pro Quadratmeter solle bis Mitte Oktober alles bezugsfertig sein.

Gefördert worden sei das Projekt nach Aussage des Bauherrn von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz über die Baubecon, dem Sanierungsträger für die Stadt Quedlinburg. Ein echter Glücksfall für die Stadt sei in diesem Zusammenhang Klaus-Dieter Plate von der Geschäftsstelle Quedlinburg: „Er lässt nicht nur die Großen zum Zug kommen, sondern ist auch für kleine Investoren wie mich da.“ Die Gesamtkosten des Projekts seien im unteren siebenstelligen Bereich anzusiedeln, „gefördert werden zwischen 20 und 25 Prozent“.

Ein großes Lob an den Bauherrn richtet Architekt Ulrich Queck. „Er hat vor allem auf die Qualität geachtet. Auch wenn beispielsweise länger als geplant verlaufende Trocknungszeiten den Zeitplan ein wenig durcheinander gebracht haben – er hat die Ruhe bewahrt und die nötige Zeit verstreichen lassen.“

Hintergrund sei gewesen, die alten Strukturen und Linien des insgesamt rund 900 Quadratmeter großen Gebäudes zu wahren, erläutert Carsten Dittmann. „Wir wollten einen Ausbau, keinen Umbau.“ Im Vordergrund habe immer der Respekt vor dem gestanden, was die Vorfahren an Energie in dieses Gebäude gesteckt und wie sie es genutzt haben. „Die Geschichte des Gebäudes soll fortgeschrieben und der Geist des Hauses beibehalten werden. Das war immer das Ziel.“

Positiv zu bewerten sei die Tatsache, dass nahezu alle am Bau beteiligten Firmen aus Quedlinburg und Umgebung kämen: „Somit war und ist das Ganze ein wirklich gelungener Identifikationsprozess mit dieser Stadt“, freut sich der Bauherr. (mz)