Sagen für Kinder von Carsten Kiehne

Sagen für Kinder von Carsten Kiehne: Erst Riesen, dann Zwerge in Quedlinburg

Quedlinburg - Sagenbuch ist nicht gleich Sagenbuch. Carsten Kiehne aus Bad Suderode stellt für Kinder vollkommen andere als herkömmlich bekannte Sagenbücher zusammen. Er stützt sich bei seinen Büchern auf vorhandene Publikationen, die er sein Eigen nennt, oder auf solche in Archiven. Der Sozialpädagoge an der Freien Ganztagsschule Neinstedt hat bisher zwei Büchlein „Sagen aus dem Harz für Kinder“ erarbeitet. Das sind die Sagen zur Rosstrappe und zum ...

Von Gerd Alpermann

Sagenbuch ist nicht gleich Sagenbuch. Carsten Kiehne aus Bad Suderode stellt für Kinder vollkommen andere als herkömmlich bekannte Sagenbücher zusammen. Er stützt sich bei seinen Büchern auf vorhandene Publikationen, die er sein Eigen nennt, oder auf solche in Archiven. Der Sozialpädagoge an der Freien Ganztagsschule Neinstedt hat bisher zwei Büchlein „Sagen aus dem Harz für Kinder“ erarbeitet. Das sind die Sagen zur Rosstrappe und zum Hexentanzplatz.

In seinen Büchern geht Carsten Kiehne dem realen Kern der Sage nach. Was kann sich wirklich so zugetragen haben? Die Riesen, Ritter Bodo und der tollkühnen Brunhilde, stehen für Mut und Selbstbehauptung. Nach der eigentlichen Sage ist die letzte Seite des Buches noch lange nicht erreicht. Denn auf den nächsten Seiten warten Erklärungen, Spiele, Rätsel, Ausmalmöglichkeiten und einiges mehr auf die jungen Leser. Beim Hexentanzplatz stehen zu Walpurgis Teufel und Hexen im Mittelpunkt. Hier steht zum Beispiel die Frage, welche Bedeutung diese Figuren für das Leben der Menschen früher hatten. Da werden dann auch Rezepte aus der Hexenküche erklärt und Kräuter vorgestellt, die Gerichte verfeinern oder bei Krankheiten helfen.

Carsten Kiehne erzählt im Kontext zu seinen Sagenbücher von einer Vier-Tage-Wanderung mit Schülern der achten Klasse. „Mut, Hemmungen, Angst kommen auf, wenn im Dunkeln die Gruppe unterwegs war“, berichtet er. „Die Jugendlichen erfahren, dass diese Regungen normal sind. Angst darf man haben, wenn Gefahren lauern oder sie sich vorgestellt werden“, erklärt der Sozialpädagoge und ist dann wieder bei den Sagen, die über solche Gemütszustände berichten. Für Kinder sind die Sagenbücher durch beigefügte Illustrationen anregender geworden. „Ohne diese Darstellungen wären die Bücher nicht halb so interessant“, ist sich Carsten Kiehne sicher und freut sich, dass bei der Rosstrappe zum Beispiel Hildegard und Katrin Kiehne, seine Mutter und seine Schwester, Illustrationen beigesteuert haben.

„Sagen sind Schulstoff“, das findet der Sozialpädagoge gut, muss aber zugleich einen bedauernden Ton anschlagen, denn „Sagen aus dem Harz sind kaum dabei, obwohl sie viele interessante Darstellungen zur Geschichte der Region enthalten“. Deshalb sieht er seine Sagen-Bücher als Anregung für die Grundschulen Klasse eins bis drei an, sich damit zu befassen. Er ist mit Lehrerkollegen dabei, sie für den Unterricht aufzubereiten. Noch in diesem Jahr will der Bad-Suderöder ein drittes Sagenbuch für Kinder herausbringen. Der Titel lautet „Die unsichtbaren Helfer“ - Zwerge in Quedlinburg. Erstaunt war er, dass kaum Sagen zu Quedlinburg in einschlägigen Sagenbüchern zu finden sind, doch wer nachforscht, kommt auf Dutzende, hat Carsten Kiehne entdeckt. Ein viertes Büchlein wird sich im kommenden Jahr mit dem „Quedel“ in Quedlinburg befassen.

Sagen für Erwachsene hat Carsten Kiehne über seinen Heimatort und Thale schon zusammen gestellt, solche über Quedlinburg werden folgen. Carsten Kiehne sammelt nicht nur Sagen aus der Region und publiziert sie. Als Harzklub-Wanderführer bringt er sie auch anderen Menschen zu Gehör. Sagenwanderungen befassen sich insbesondere damit. Jeden Dienstag um 18.30 Uhr starten sie ab der Paracelsus-Klinik in Bad Suderode. Und Carsten Kiehne liebt die Abwechslung. „Es darf auch mir nicht langweilig werden“, gesteht er und hat als Ziel der Wanderung mal die Lessinghöhle, mal den Preußenturm sowie andere Punkte um Bad Suderode im Visier.

Die Zeit für sein Hobby, sich mit Sagen zu befassen und aufzuschreiben, nimmt er sich zum Beispiel am Morgen von 7.30 bis 9.30 Uhr. „Dann herrscht Ruhe im Haus“, sagt er. Die Kinder gehen um 7.30 Uhr zur Schule und er beginnt erst 9.30 Uhr in Neinstedt seinen Arbeitstag, da bleibt Zeit, wenn auch wenig. „Konzentriertes Arbeiten ist da schon angesagt“, betont er.

Die „Sagen aus dem Harz für Kinder“ sind in einigen Buchhandlungen der Region oder bei Carsten Kiehne selbst erhältlich. (mz)