Quedlinburg

Quedlinburg: Sekt für die «Quedlinburg»

QUEDLINBURG/MZ. - Verkehr von der Straße auf die Schiene - das ist seit Jahren die Wunschvorstellung vieler umweltbewusster Menschen und Politiker. Hier reiht sich auch der Mitgeschäftsführer der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH (MDB) Rieder mit Sitz in Sennewitz (Saalkreis), Thomas Jung, ein. Er hatte vor zwei Jahren 4,5 Millionen Euro in einen nagelneuen Verladebahnhof mit 2 000 Meter Gleisen im Gewerbegebiet Magdeburger Straße investiert. Und von hier rollt nun die "Quedlinburg" - eine nagelneue dieselhydraulische Lok mit fast 5 000 PS, die am Freitag bei der offiziellen Taufe mit einer Flasche halbtrockenen Rotkäppchen-Sekt den Namen der Weltkulturerbe-stadt mit dem Stadtwappen ...

Von FRANK RUPRECHT 27.05.2011, 16:30

Verkehr von der Straße auf die Schiene - das ist seit Jahren die Wunschvorstellung vieler umweltbewusster Menschen und Politiker. Hier reiht sich auch der Mitgeschäftsführer der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH (MDB) Rieder mit Sitz in Sennewitz (Saalkreis), Thomas Jung, ein. Er hatte vor zwei Jahren 4,5 Millionen Euro in einen nagelneuen Verladebahnhof mit 2 000 Meter Gleisen im Gewerbegebiet Magdeburger Straße investiert. Und von hier rollt nun die "Quedlinburg" - eine nagelneue dieselhydraulische Lok mit fast 5 000 PS, die am Freitag bei der offiziellen Taufe mit einer Flasche halbtrockenen Rotkäppchen-Sekt den Namen der Weltkulturerbe-stadt mit dem Stadtwappen erhielt.

Den stählernen Kraftprotz "Quedlinburg" zu nennen, war die Idee des Geschäftsführers der Hochwaldbahn Verkehrsgesellschaft (HWB), Bernd Andreas Heinrichsmeyer, der Wert auf einen regionalen Bezug seines Unternehmens legt. "Sonst wurden bei uns die Loks nach dem Töchtern oder Frauen aus dem Unternehmen benannt. Doch mittlerweile werden oft Städtenamen verwendet." Da Quedlinburg der Heimatbahnhof des PS-Riesen ist, lag es für den HWB-Chef nahe, diesen auch danach zu benennen.

Die HWB mit Sitz in Hermeskeil bei Trier ist von der MDB für die nächsten drei Jahre beauftragt worden, hochwertige Kiese aus Ditfurt und schwefelfreie Edelsplitte aus dem Grauwacke-Steinbruch Rieder ab dem Verladebahnhof bundesweit zu transportieren. Quedlinburgs Oberbürgermeister freut es besonders, dass jetzt auch eine Lokomotive den Namen der Stadt trägt - neben einem Flugzeug der Lufthansa und einem ICE der Bahn. "Das ist für uns eine kraftvolle Werbung. Aber auch eine Ehre, einen neuen Botschafter für Quedlinburg zu haben", sagte das Stadtoberhaupt.

Heinrichsmeyer selbst hatte die blau-gelbe Voith Maxima 40 CC - 13 Stück gibt es von 126 Tonnern weltweit - am Donnerstagabend vom Blankenburger Inspektionsstützpunkt nach Quedlinburg gefahren. Schon vor Jahren machte er den Eisenbahnführerschein, weil "ich nicht nur Loks und Waggons vermieten will, sondern auch weiß und fühle, was ich da anbiete". Und das Fahren einer Lokomotive wecke bei ihm "den kleinen Jungen im Mann". Seine längste Fahrt war bis nach Rumänien. Aber, als er die Voith fuhr, habe er auch gespürt, wie viel "Dampf dahinter steckt". Den braucht die vier Millionen Euro teure Lok auch, die für die nächsten drei Jahre für 1,55 Millionen Euro von der HWB vom Hersteller Voith angemietet wurde. Denn Waggons bis zu einer Gesamtlänge von 700 Metern mit 3 500 Tonnen brutto Ladung muss das Ungetüm von der Stelle bewegen.

Schon vor einem Jahr wurde die Bahnverladeanlage in den Dienst der MDB gestellt (die MZ berichtete). Immerhin 200 000 Tonnen Kies und Split sollen jährlich ab Quedlinburg zu den Zielorten in Deutschland bis in den hohen Norden rollen, wie Thomas Jung erzählte. Ideales Material für den Asphaltstraßenbau, für die Betonindustrie, Rohrleitungsbau und die Deponiesanierung. Jung selbst ist froh, dass einst "alles so reibungslos mit der Stadt funktionierte" und es keine Probleme bei der millionenschweren Investition gab. Aber auch in HWB-Chef Heinrichsmeyer habe er einen guten Partner gefunden, weil er immer "gute Erfahrungen mit privaten Bahnunternehmen" gemacht habe.