Ortsteil Quarmbeck

Ortsteil Quarmbeck: Abriss beginnt

Quarmbeck - Wohnungswirtschaftsgesellschaft erteilt Auftrag für Wegnahme der ersten beiden Häuser. Schwalbennester sollen kontrolliert werden.

Von Petra Korn

Seit 2015 ist darüber diskutiert und gestritten worden: über den Abriss von Wohnhäusern in Quarmbeck, die der Wohnungswirtschaftsgesellschaft Quedlinburg (Wowi) gehören. In gut einer Woche sollen nun die ersten Arbeiten starten.

Zunächst soll das Haus Otto-Lilienthal-Straße 1 bis 5 und dann das Gebäude Otto-Lilienthal-Straße 29 bis 39 abgerissen werden. „Es wird teilweise parallele Bauarbeiten geben“, sagt Wowi-Geschäftsführer Sven Breuel.

Wie er erklärt, sind die Arbeiten nach Bewilligung von Fördermitteln öffentlich ausgeschrieben worden. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende der Woche den Auftrag erteilen können“, so der Geschäftsführer.

In der Woche ab 14. August solle zunächst die Entkernung erfolgen, dann der Abriss. Begründet wird dieser mit dem hohen Leerstand: Die Wowi hat nach eigenen Angaben in Quarmbeck 328 Wohnungen, von denen aktuell 90 vermietet sind.

Kasernenbau wirkt nicht abrissreif

Der in den 1930er Jahren errichtete Kasernenbau Otto-Lilienthal-Straße 1 bis 9, der als erster weichen soll, wirkt nicht gerade abrissreif. „Das Gebäude ist in den 1990er Jahren teilweise umgebaut und innen saniert worden“, sagt Sven Breuel. „Es hätte von der Substanz her noch viele Jahre stehen können.“

Doch weil „wir keine Mieter gefunden haben“, bestehe keine Alternative zu dem Abriss. So hätten nach der Sanierung der insgesamt 36 Wohnungen nur wenige überhaupt vermietet werden können. Inzwischen stehe das Gebäude seit rund zehn Jahren leer.

Teile der Häuser werden wiederverwertet

Vor dem Abbruch selbst Teile wie beispielsweise Fenster für eine Wiederverwertung zu bergen, plant die Wowi nicht. Eine Privatperson habe Interesse an dem Relief angemeldet, wolle es bergen und sichern, sagt der Geschäftsführer. Ob das überhaupt möglich sei, sei unklar. „Wir wissen nicht, wie es verankert ist.“

Bis Ende September solle der Abriss des Hauses abgeschlossen sein. Für die Zeit der Arbeiten werden Kinder und Erzieher aus der nur wenige Meter entfernt liegenden Kita nach Quedlinburg umziehen. Sie finden in der Kita Süderstadt Aufnahme, wie Stadtsprecherin Sabine Bahß sagt.

Vor dem Start der Abbrucharbeiten soll eine Kontrolle der Schwalbennester am Kasernenbau erfolgen, erklärt Sven Breuel. Ein Gutachter habe zuletzt eingeschätzt, dass Pärchen diese zwar als Wohnsitz nutzen, aber nicht brüten würden.

Um das zu überprüfen, solle am Donnerstag oder Freitag eine Hebebühne zum Einsatz kommen, so Breuel. Die Wowi stehe hier im Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde. Sollte es eine Brut in den Nestern geben, „werden wir entweder warten oder in anderen Bereichen anfangen“.

Das zweite Gebäude, das in diesem Jahr abgerissen werden soll, ist das ehemalige Kasino. Hier hatten sich über die Jahre Verkaufsstellen befunden und zuletzt die Quarmbecker Klause; zudem gab es fünf Wohnungen. Bis zum Jahr 2022 sollen neun weitere Wowi-Gebäude weggenommen werden; erhalten bleiben soll nur der Altbau Straße des Friedens 13 bis 19 mit 31 Wohnungen.

Plattenbau soll auch in einigen Jahren fallen

2020 soll auch der Plattenbau Straße des Friedens 34 bis 38 fallen, dessen Erhalt zuletzt noch im Gespräch war. Allerdings sei die Mindestbelegung von 85 Prozent der Wohnungen nicht erreicht worden, bekräftigt Breuel erneut.

Diesen Abriss zu verschieben und andere vorzuziehen sei nicht möglich. So seien die für 2021/2022 vorgesehenen Blöcke über eine gemeinsame Heizungsanlage verbunden, und in einem der Objekte gebe es eine Reihe befristet vermieteter Wohnungen. „Die Zusage, die die Mieter bekommen haben, können wir nicht einfach wieder auflösen.“

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Die Arbeitsgruppe „Erhalt für Quarmbeck“ hat sich seit Bekanntwerden der Abrisspläne gegen deren Umsetzung engagiert. Ziel war zuletzt, den historischen Altbaus Straße des Friedens 13 bis 19 und den Plattenbau Straße des Friedens 34 bis 38 zu erhalten.

Im Altbau wurde eine Belegung aller Wohnungen erreicht, sagt Daniela Albrecht, eine Sprecherin der Arbeitsgruppe. Für den Neubaublock hätte die von der Wowi genannte Mindestbelegung von 85 Prozent leider nicht erreicht werden können. Daniela Albrecht erinnert an Vorschläge der Arbeitsgruppe, die zu einem höheren Belegungsgrad hätten führen können - wie beispielsweise die Erreichbarkeit der vierten und fünften Etage durch Aufzüge zu verbessern.

Aus Sicht der Wowi war das aber nicht umsetzbar, weil es noch kein Förderprogramm gebe und die Koba, auf deren Leistungen ein Großteil der Mieter angewiesen sei, höhere Miet- wie Bewirtschaftungskosten nicht mittragen würde.

Dass sich nicht ausreichend Mieter für den Plattenbau fanden, führt Daniela Albrecht auch darauf zurück, dass etliche die „Belastung und Unsicherheit nicht auf sich nehmen wollten, einfach in den Block einzuziehen, um zu sehen, was mal wird“.

Die Arbeitsgruppe habe inzwischen ihre Aufgabe „Erhalt von Wohnraum in Quarmbeck“ beendet. Ihr Fazit: „Wir haben sehr viel versucht, sind an Grenzen des Machbaren gestoßen und haben erfahren, dass die Wirtschaftlichkeit noch über der Menschlichkeit steht. Und - wir würden es jederzeit wieder tun“, so Daniela Albrecht. (mz)