B6 wird A36

Kritik vom Bund der Steuerzahler zur Umbenennung der B6 in A36: „Eine irrwitzige Geldverschwendung“

Quedlinburg - Nur schnell die Schilder austauschen? So einfach ist es nun doch nicht, um aus der Bundesstraße 6 auch optisch die künftige Autobahn 36 zu machen. „Die blau-weißen Autobahn-Schilder sind größer, auch ihre Schrift“, erklärt Andreas Tempelhof vom Landesministerium für ...

Von Kjell Sonnemann 19.11.2018, 08:58

Nur schnell die Schilder austauschen? So einfach ist es nun doch nicht, um aus der Bundesstraße 6 auch optisch die künftige Autobahn 36 zu machen. „Die blau-weißen Autobahn-Schilder sind größer, auch ihre Schrift“, erklärt Andreas Tempelhof vom Landesministerium für Verkehr.

Zunächst müsse geprüft werden, ob die Pfosten, an denen noch die gelb-schwarzen Schilder der Bundesstraße angebracht sind, überhaupt das größere Gewicht tragen.

Im Frühjahr 2019 sollen die ersten Schilder montiert werden

Aktuell laufen die Planungen, die Strecke neu zu beschildern, berichtet Tempelhof auf MZ-Nachfrage. Das könne noch zwei, drei Monate in Anspruch nehmen. Anschließend werden die Bauarbeiten ausgeschrieben.

Das könnte genauso lange dauern, schätzt er und rechnet damit, dass die Arbeiten im Frühjahr des kommenden Jahres beginnen. Sollten die Pfosten ausgetauscht werden müssen, könnten die Betonarbeiten ohnehin nicht im Winter stattfinden.

„Die genauen Kosten kennen wir erst nach dem Ausschreibungsverfahren“, sagt Tempelhof - wenn Angebote von Bauunternehmern abgegeben worden sind. Weil die Kosten vermutlich im Millionenbereich liegen, wird von Vornherein europaweit ausgeschrieben.

Landrat Martin Skiebe sieht die Sache optimistisch

So ist es bei großen Summen üblich. Bislang waren die Kosten der Neubeschilderung auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts auf zwei Millionen Euro geschätzt worden.

Der Verwaltungsakt hingegen, die vierspurige Straße aufzuwerten, wird bereits zum Neujahrstag 2019 vollzogen. Dann wird die B6 zur Harzautobahn, wie sie heute bereits im Volksmund genannt wird.

„Der Landkreis Harz hat sich immer für diese Aufwertung eingesetzt. Eine leistungsfähige Wirtschafts- und Tourismusregion wird dadurch in ihrer Erreichbarkeit besser wahrgenommen“, sagt Landrat Martin Skiebe (CDU). „Ich freue mich, dass damit ein schon seit Jahren gefasster Kreistagsbeschluss endlich umgesetzt werden kann.“

Deutliche Kritik vom Bund der Steuerzahler

„Wir bewerten diese Aktion als irrwitzige Steuergeldverschwendung und fragwürdige Aktion“, teilt Ralf Seibicke vom Bund der Steuerzahler Sachsen-Anhalt auf Nachfrage mit. „Fragwürdig“, weil „man positive Effekte für die Wirtschaft und den Tourismus allein durch die Umbenennung und die damit verbundene Statusveränderung erhofft“.

Durch die namentliche Aufwertung der Strecke komme aber niemand schneller in den Harz, „da die Bundesstraße jetzt schon, auch hinsichtlich der möglichen Geschwindigkeit, autobahnähnlich ist“, verdeutlicht Seibicke. „Man hätte sich dies von Anfang an so überlegen sollen, ohne den jetzt anstehenden unsinnigen Schilderaustausch.“

Seibicke befürchtet zudem, dass neben den Millionen-Kosten für den Bundeshaushalt auch Kosten bei Unternehmen anfallen, die beispielsweise Anfahrtsskizzen ändern müssen.

Mittlerweile machte sich auch die Satiresendung Extra3 über Autobahn-Umbenennung im Harz lustig und nennt diese einen "realen Irrsinn".

Lob kommt vom Harzer Tourismusverband

„Aus touristischer Sicht ist die Umbenennung positiv“, sagt hingegen die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbands (HTV), Carola Schmidt. Wenn Gäste ein Ziel in ihr Navigationsgerät im Auto eingeben, werden bei Bundesstraßen längere Fahrzeiten als bei Autobahnen angegeben. „Die Anreisezeit ist - gerade bei uns als Kurzreiseziel - für viele ausschlaggebend“, insbesondere bei Geschäftsreisenden.

Gleiches gelte, wenn der Harz als Ziel für Freundes- und Familientreffen ausgewählt werde. Er liegt gut erreichbar in der Mitte Deutschlands. „Der Harz ist dann gut von Autobahnen umgeben“, bemerkt Carola Schmidt.

IHK rechnet mit Ansiedlung von Firmen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) rechnet mit der Ansiedlung neuer Unternehmen. „Das kann Investitionen beeinflussen“, hatte der Wernigeröder IHK-Geschäftsführer Ralf Grimpe gesagt. Wenn eine Autobahn neu gebaut werde, gebe es tatsächlich Effekte, die sich positiv auf die Unternehmen auswirken, teilte das Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt auf MZ-Nachfrage mit. Allerdings dauere es meist einige Jahre, bis Auswirkungen spürbar seien.

Ob Betriebe an der Autobahn 36 - zum Beispiel in Aschersleben, Quedlinburg, Ilsenburg und Wernigerode - von einer Umbenennung der Noch-Bundesstraße 6 profitieren, wird sich zeigen. (mz)