FSJ statt Auslandsjahr

Junge Männer haben die Stadt Quedlinburg und sich selbst vorangebracht

Julian Göke, Toni Polzius und Tobias Westhoff warben anfangs für den Museumstag, nun arbeiten sie im Archiv und im Depot des Museums.

Von Petra Korn
Julian Göke, Toni Polzius und Tobias Westhoff (v.l.n.r.) absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Stadt Quedlinburg und sind in Museen - wie im Klopstockhaus - und im Archiv im Einsatz.
Julian Göke, Toni Polzius und Tobias Westhoff (v.l.n.r.) absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Stadt Quedlinburg und sind in Museen - wie im Klopstockhaus - und im Archiv im Einsatz. (Foto: Petra Korn)

Quedlinburg/MZ - Mit kleinen Filmen haben Julian Göke und Toni Polzius anlässlich des Museumstages die Besucher mit auf eine Entdeckungstour durch das Literaturmuseum im Klopstockhaus bzw. das Fachwerkmuseum im Ständerbau genommen.

„Für mich war es die bisher umfangreichste Aufgabe und auch die, die mir am schwersten gefallen ist“, räumt Toni Polzius ein. „Wir haben unsere Drehbücher selbst geschrieben, geguckt, welche Bilder wir brauchen, ein Skript gemacht“, erklärt Julian Göke. Die beiden absolvieren derzeit ebenso wie Tobias Westhoff ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Stadt Quedlinburg.

Museologie sei das, was er beruflich machen wolle, sagt Julian Göke. Weil er nach dem Abitur nicht gleich habe studieren wollen und ins Ausland zu gehen coronabedingt nicht möglich gewesen sei, habe sich ein FSJ angeboten. „Ich habe mich kurzfristig umgesehen und bin auf die Stelle in Quedlinburg aufmerksam geworden, die glücklicherweise frei war“, schildert der 19-Jährige aus Magdeburg, dessen FSJ über die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung (LKJ) Sachsen-Anhalt läuft.

„Ich habe gelernt, selbstständig zu arbeiten, Aufgaben allein zu bewältigen.“

Toni Polzius (17), im FSJ bei der Stadt Quedlinburg

Während der Arbeit in Quedlinburg hat er unter anderem recherchiert, was gebraucht wird, um später mit Kindern in der Schwarzen Küche im Museum auf dem Stiftsberg kochen zu können. Aktuell ist er gemeinsam mit der städtischen Museumspädagogin Doreen Klinger dabei, einen Museumskoffer für Schulen zusammenzustellen.

Toni Polzius hat sich schon als 15-Jähriger für ein FSJ beworben, „weil ich noch nicht so richtig wusste, was ich nach dem Realschulabschluss machen wollte“. Auch er ist über die LKJ nach Quedlinburg gekommen und nun, nachdem er anfangs gemeinsam mit Julian Göke alte Fotos im städtischen Museumsdepot katalogisiert hat, im Ständerbau im Einsatz. „Dort erarbeite ich gerade Informationen zu den Fachwerkmodellen verschiedener Häuser“, erklärt der inzwischen 17-Jährige aus Aseleben. Die soll es dann als nachlesbare Texte geben - und als eingesprochene, zum Abhören über QR-Codes.

Weil nach dem Abitur auch für Tobias Westhoff ein Auslandsaufenthalt „wegen Corona keine Option“ war, sah der Berliner sich um und wurde auf die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufmerksam. Ein Jahr beim Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst und ganz praktisch in einem Gebäude arbeiten - „das hätte ich auch gemacht“. Da sei aber keine Stelle mehr frei gewesen; im Archiv der Stadt Quedlinburg - der Bestand ist ebenfalls ein Denkmal - hingegen schon.

Der 19-Jährige fand das interessant - und hat hier beispielsweise geholfen, neue Akten zur Saatzucht zu sichten und zu katalogisieren. Dann coronabedingt im Homeoffice, hat er begonnen, die Findbücher - ein Aktenplan für das Archiv - in einer Datenbank zu digitalisieren. „Daran arbeite ich immer noch.“

Das Freiwillige Soziale Jahr endet für die drei jungen Männer Ende August 2021

Am 31. August endet das FSJ für alle drei. „Das Jahr hat mich auf jeden Fall vorangebracht“, sagt Toni Polzius. „Ich habe gelernt, selbstständig zu arbeiten, Aufgaben allein zu bewältigen.“ Der 17-Jährige wird in Quedlinburg bleiben und eine schulische Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten mit Schwerpunkt Medien- und Grafikdesign absolvieren.

„Ich war mir vorher nicht sicher, ob ich ein Studium oder eine Ausbildung machen soll“, sagt Tobias Westhoff. Jetzt solle es in jedem Fall ein Studium werden, wobei die Richtung noch nicht ganz klar sei. Julian Göke wird in Leipzig studieren. Die Arbeit in Quedlinburg habe ihn davon überzeugt, Museologie „ist das, was ich machen möchte“.

Die drei sind sich einig, dass das Jahr in Quedlinburg schnell umgegangen ist. Gern, sagt Julian Göke, hätte er seine Projekte, wie beispielsweise das für die Schwarze Küche, noch fertiggestellt. Aber letztlich sei es auch in Ordnung, wenn andere weitermachen würden, findet er. „Je mehr Leute daran arbeiten, desto mehr Ideen kommen herein.“