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Sanierung im Welterbe von QuedlinburgHistorische Gaststätte „Schlosskrug“ ist Baustelle - neuer Pächter wird aber schon gebraucht

Historische Gaststätte „Schlosskrug am Dom“ auf dem Stiftsberg in Quedlinburg wird saniert. Warum dabei das Jägerhaus besonders im Mittelpunkt steht und was ganz neu gebaut wird.

Von Petra Korn 28.11.2023, 06:00
Der Schlosskrug auf dem Stiftsberg in Quedlinburg ist Baustelle; links das Jägerhaus.
Der Schlosskrug auf dem Stiftsberg in Quedlinburg ist Baustelle; links das Jägerhaus. (Foto: S. Bahss)

Quedlinburg/MZ - Alle Ver- und Entsorgungsleitungen sind entfernt, das Jägerhaus ist komplett entkernt: Bis Ende vergangenen Jahres ist die historische Gaststätte „Schlosskrug am Dom“ auf dem Stiftsberg in Quedlinburg noch vermietet gewesen. Während sie jetzt eine Baustelle, die künftige Küche ein Rohbau ist, läuft die Suche nach einem neuen Betreiber der Gaststätte längst.

Der Schlosskrug ist eigentlich ein Gebäudekomplex am nordöstlichen Ende des Gesamtensembles, erklärt Dieter Mahlow vom Sachgebiet Stiftsberg bei der Stadtverwaltung. Der Gebäudekomplex bestehe aus dem vorderen sogenannten Jägerhaus, dem eigentlichen Schlosskrug dahinter und einem kleinen Zwischenbau. In den 1930er Jahren seien die Gebäude erstmals so umgebaut worden, dass eine gastronomische Einrichtung entstanden sei. Während es im eigentlichen Schlosskrug auch Sanierungsarbeiten gegeben habe, den Unterlagen zufolge im Jahr 2008 etwa Balkenköpfe ausgetauscht worden seien, sei am Jägerhaus über Jahrzehnte nichts gemacht worden.

Holz auch zweitverwendet

Deshalb solle dieses Teilgebäude nun komplett saniert werden, solle begonnen werden, Dacheindeckung und Dachkonstruktion zu erneuern. Vorgesehen ist, dass historisch erhaltenswerte Dachstuhlbalken an ihrem Platz bleiben, dazwischen ein neuer tragender Dachstuhl gestellt wird, erläutert Dieter Mahlow. Auch dendrochronologische Untersuchungen, mit denen das Alter des Holzes bestimmt werden kann, sollen erfolgen. „Hier wurde auch sehr viel zweitverwendetes Holz eingebaut, das sieht man an den Zapfenlöchern.“ Steht der neue Dachstuhl, soll das Dach wieder eingedeckt werden.

Die Fassadenfelder des Fachwerkhauses werden durch einen Restaurator untersucht und dokumentiert; er gibt dann Empfehlungen für die Sanierungsarbeiten.

Nach der Sanierung soll das Schlosskrug-Ensemble wieder gastronomisch genutzt werden, erklärt Dieter Mahlow. Dafür soll im Jägerhaus ein großzügiger Küchenbereich entstehen: mit einer großen Kochinsel in der Mitte, Abzug nach oben und Arbeitsbereichen, die an den Wänden angeordnet werden. „Das Grundkonzept steht seitens der Gebäudeplanung, aber die Details können erst mit dem künftigen Pächter abgesprochen werden“, sagt Dieter Mahlow und fügt hinzu: „Leider haben wir noch keinen Pächter gefunden.“

Vorrang für Denkmalschutz

Sämtliche Arbeiten fänden in einem ganz sensiblen Denkmalschutzbereich statt. Daher würden Planungen und Arbeiten mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt. „Vorrangig ist für uns der Denkmalschutz“, sagt Dieter Mahlow. Aber für die Funktionalität des Gebäudes solle, was von innen machbar sei, wie etwa eine Dämmung mit ökologischen Baustoffen, auch getan werden. Für die energetische Sanierung soll zudem ein neues Heizungssystem installiert werden: eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit einer Gasheizung, die bei Extremsituationen zusätzlich zum Einsatz kommen kann.

Elektrik, Heizung und Sanitärleitungen sollen im gesamten Gebäudekomplex erneuert werden. In den beiden prächtigen Gast-Räumen – dem Aurora-Zimmer und dem gotischen Raum – sollen nur die Leitungen für Beleuchtung und Brandmeldeanlage sowie für die Heizung unter den Bänken neu verlegt werden. „Wir fassen nur so viel an, wie dringend notwendig ist, um die Bausubstanz nicht zu beeinträchtigen“, unterstreicht Dieter Mahlow.

Terrasse weggenommen

Diese Aufschrift auf einer Wand im Zwischenbau des Schlosskrugs gibt Einblick in die Geschichte.
Diese Aufschrift auf einer Wand im Zwischenbau des Schlosskrugs gibt Einblick in die Geschichte.
(Foto: Korn)

Entstehen sollen mit den Arbeiten auch ganz neue Sanitäranlagen: Die Terrasse im jetzigen kleinen Innenhofbereich wird weggenommen, dort ein neuer, moderner Sanitärtrakt gebaut, wofür die „Gebäude abschnittsweise unterfangen werden“, erklärt Dieter Mahlow. Heißt: Unter die alten Fundamente der Gebäude wird das neue Mauerwerk für die Sanitäranlage gesetzt, deren Zugang dann in den Zwischenbau integriert werden wird. Nach Abschluss des Neubaus soll die Terrasse wieder aufgesetzt werden.

Zielstellung sei, die Sanierung bis Ende 2024 abzuschließen, sagt Dieter Mahlow. Das Gesamtbauvolumen beträgt ihm zufolge zwei Millionen Euro; die Arbeiten werden zu 80 Prozent aus dem Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren“ unterstützt.