Aberglaube

Freitag, der 13. - Warum gilt der Tag als Unglückstag?

Eigentlich ist er ein ganz normaler Tag. Abergläubige streichen sich diesen Tag vermutlich rot im Kalender an. Denn sie fürchten Unglück. Welche Gründe es für diese verbreitete Meinung gibt und warum er bei Brautpaaren im Harz durchaus beliebt ist.

Von Uta Müller Aktualisiert: 13.05.2022, 10:54 • 13.05.2022, 09:47
Auch heute noch haben schwarze Katzen einen schlechten Ruf.  Der französische Schriftsteller Max O'Rell gibt auf diese Frage eine klare Antwort: „Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man ein Mensch ist oder eine Maus. “
Auch heute noch haben schwarze Katzen einen schlechten Ruf. Der französische Schriftsteller Max O'Rell gibt auf diese Frage eine klare Antwort: „Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man ein Mensch ist oder eine Maus. “ Foto: Uta Müller

Quedlinburg/MZ - Paraskavedekatriaphobie - dieser komplizierte Name steht für die krankhafte Angst vor dem Datum Freitag, der 13. Doch auch für Menschen unseres Kulturkreises, die nicht an dieser Phobie leiden, ist das kein Tag wie jeder andere im Kalender. Denn in Deutschland und einigen anderen Ländern hat das Datum keinen guten Ruf. Ähnlich wie die schwarze Katze, die bloß nicht vor uns von links nach rechts die Straße überqueren sollte.

Freitag, der 13. Eine unheilvolle Mischung, sagt der Volksglaube. Was hat das damit auf sich? „Wenig“, sagt Bernd Harder von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Lange Zeit wurden der Freitag und die Zahl 13 nicht miteinander zu einem Unglückstag kombiniert. Dem angeblichen „Unglückstag“ liege kein uralter Volksglaube zugrunde, sondern es handele sich um eine literarische Erfindung aus dem 20. Jahrhundert. 1907 erschien der Roman „Friday, The Thirteenth“ von Thomas W. Lawson. Es geht darin um einen Wall-Street-Makler, der eine Firma in den Ruin treiben will und deshalb an einem Freitag, den 13. einen Kursrutsch an der Börse auslöst, erklärt Harder. „Die Kombination Freitag, der 13. gibt es erst seit 1907.“

Die Zahl 13 und der Aberglaube

Der Aberglaube, dass Freitag, der 13. ein Unglückstag ist, setzt sich aus zwei Faktoren zusammen: der Zahl 13 und dem Tag Freitag. Beide werden im Volksglauben mit etwas Negativem verbunden. Die Zahl 13 gelte je nach Kultur entweder als Glücks- oder Unglückszahl, so Harder. Bis heute spielt das Zwölfersystem in vielen Gesellschaften eine herausragende Rolle: Jeder Tag ist in zwei Mal zwölf Stunden eingeteilt, jedes Jahr hat zwölf Monate. Es gibt zwölf Tierkreiszeichen. Jesus versammelte zwölf Apostel um sich. Die Zahl 13 überschreitet dieses geschlossene System. Lange wurde die 13 im deutschen Volksmund daher auch „das Dutzend des Teufels“ genannt.

Ist Freitag , der 13. ein Unglückstag?
Ist Freitag , der 13. ein Unglückstag?
Foto: DPA

Auch der Freitag ist in anderen Kulturen durchaus ein Glückstag, sagt GWUP-Sprecher Harder. „Der Name kommt von der Göttin Frija, der Liebes-, Ehe und Mutterschaftsgöttin ab“, so Harder. Der schlechte Ruf leite sich vorrangig aus dem Christentum ab: Jesus Christus wurde an einem Freitag gekreuzigt, sein Tod wird am Karfreitag betrauert. Gläubige Christen erbringen auch heute noch regelmäßig ein Freitagsopfer, um an diesem Wochentag dem Leiden und Tod Jesu Christi zu gedenken.

Gefahr für Leib und Leben

Gibt es eine erhöhte Gefahr, an diesem Unglückstag zum Beispiel mehr Unfälle passieren? Der ADAC sagt: Nein. Dazu hat der Autoclub Unfallzahlen ausgewertet, die zeigen, dass am Freitag, den 13., nicht grundsätzlich mehr Unfälle passieren. „Aberglaube, böse Vorahnungen oder Ängste rund um Freitag, den 13., sind - zumindest was Zahl der Verkehrsunfälle betrifft – unbegründet“, resümiert der ADAC auf seiner Seite. Über das Jahr verteilt sei der Freitag allerdings der unfallträchtigste Tag der Woche. Grund dafür ist der stärkere Verkehr: Wochenendpendler machen sich auf den Heimweg, Urlauber starten in die Ferien und oft ist auch Alkohol im Spiel, wenn Autofahrer nach dem Feiern nach Hause möchten, heißt es beim ADAC.

Für den Verkehr ist der Tag  genauso gefährlich wie jeden Freitag.
Für den Verkehr ist der Tag genauso gefährlich wie jeden Freitag.
Foto: DPA

Historische Beispiele

Auch die Geschichte kennt nur einige wenige Katastrophen, die auf einen Freitag, den 13. fallen. „Es gab natürlich bedeutsame Ereignisse, die auf einen Freitag, den 13 gefallen sind, wie zum Beispiel der Schwarze Freitag vom 13. Mai 1927, als die Börse in Berlin zusammengebrochen ist, oder der amerikanische Börsencrash vom Oktober 1929 (der schon donnerstags begann) oder zuletzt der 13. November 2015, die Terroranschläge in Frankreich auf das Bataclan“, sagt GWUP-Sprecher Bernd Harder.

Im Januar 2012 war es auch der Unglückstag, an dem die „Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste auf Grund lief und kenterte. „Aber an jedem anderen Tag finden natürlich genauso viele schlimme Ereignisse statt, wenn man danach sucht“, so Harder. „Als historischer Beleg gilt immer, dass am 13. Oktober 1307 der französische König Philipp IV. den mächtigen Templerorden zerschlagen ließ“, erklärt der Journalist und Autor esoterikkritischer und populärwissenschaftlicher Bücher und Artikel. Tatsächlich ging es dabei aber nur um erste Verhaftungen und Konfiskationen. Die offizielle Auflösung aber fand während des Konzils von Vienne durch Papst Clemens am 22. März 1312 statt. Das war ein Mittwoch, so Harder.

Bei Ehepaaren beliebt

Freitag der 13. findet mindestens einmal und höchstens dreimal pro Jahr statt - ganz gleich ob dieser Tag ein Glückstag oder ein Unglückstag ist. Der heutige Freitag, der 13., ist der einzige in diesem Jahr - und könnte wieder viele Brautpaare ins Standesamt locken. Wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte, hatten sich am Freitag, den 13. August vergangenen Jahres, 135 Brautpaare in Sachsen-Anhalt das Ja-Wort gegeben. Es war ebenfalls der einzige Freitag, der 13., in dem Jahr gewesen. Es sei nach dem 21. August 2021 mit 198 Brautpaaren und dem 28. August 2021 mit 140 Brautpaaren der beliebteste Hochzeitstag des Monats gewesen. Durchschnittlich hätten sich im August 2021 täglich 44 Paare das Eheversprechen gegeben. In Quedlinburg sind es nur zwei Trauungen. „Freitag, der 13. wird sehr unterschiedlich angenommen - manchmal haben wir gar keine Anmeldung und manchmal sind wir ausgebucht“, sagt Standesbeamtin Lili Lilienthal aus Quedlinburg.

Bei Ehepaaren ist Freitag, der 13. durchaus beliebt.
Bei Ehepaaren ist Freitag, der 13. durchaus beliebt.
Foto: IMAGO

Den nächsten Freitag, den 13. gibt es übrigens erst wieder im Januar 2022.