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  7. Harzer würdigen Lebenswerk: „Einmal Bürgermeister, immer Bürgermeister“

Harzer würdigen Lebenswerk„Einmal Bürgermeister, immer Bürgermeister“

Klaus Wycisk war 30 Jahre im Amt und treibende Kraft bei der Sanierung der Konradsburg. Jetzt wurde er zum Ehrenbürger von Falkenstein/Harz ernannt. Wie sich das für ihn anfühlt und warum er nicht von der Bildfläche verschwinden will.

Von Rita Kunze 26.11.2023, 11:00
Klaus Wycisk steht vor der Kirche der Konradsburg. Der Stadtrat hat ihn zum Ehrenbürger der Stadt Falkenstein ernannt.
Klaus Wycisk steht vor der Kirche der Konradsburg. Der Stadtrat hat ihn zum Ehrenbürger der Stadt Falkenstein ernannt. Foto: Kunze

Falkenstein/Harz/MZ. - Der Wind weht heftig auf der Konradsburg, treibt welke Blätter und Nieselregen vor sich her. Im Vereinshaus des Förderkreises zum Erhalt der Burg strahlt der Kaminofen wohlige Wärme aus, und Klaus Wycisk setzt sich an den Tisch.

Ein halbes Jahr ist es her, dass er seinen Abschied vom Rathaus in Ermsleben genommen hat. Drei Jahrzehnte lang war der Christdemokrat dort Hauptverwaltungsbeamter, zwei davon in der 2002 gegründeten Stadt Falkenstein/Harz. Seit Donnerstag ist er ihr Ehrenbürger. Der erste, den es dort überhaupt gibt.

„Er ist ein Mann der ersten Stunde“

„Das kam überraschend. Ich habe mich sehr gefreut“, sagt Klaus Wycisk. Für so einen Beschluss müsse man schließlich erst einmal eine Mehrheit im Stadtrat gewinnen. „Es steht außer Frage, was Klaus als Kommunalpolitiker und Verwaltungsleiter über 30 Jahre lang geleistet hat“, sagt sein Amtsnachfolger Rico Röse (Freie Wähler), der zuvor als Ortsbürgermeister von Wieserode mit Wycisk zusammengearbeitet hat und ihn einen „Mann der ersten Stunde“ nennt, der sehr erfolgreich kommunalpolitisch aktiv gewesen sei. Und ebenso erfolgreich in seinem Engagement als Vorsitzender des Förderkreises Konradsburg. Klaus Wycisk habe viel für das kulturelle Leben in der Stadt getan.

Das Ehrenbürgerrecht wurde dem Ermslebener in Anerkennung seines Lebenswerkes verliehen, der Stadtrat hatte das im Sommer beschlossen. Damit sollten nicht nur 30 Jahre als Bürgermeister gewürdigt werden: Seit Beginn der 1980er Jahre setze sich Wycisk mit seiner Familie sowie dem Förderkreis für die Rettung und Bewahrung der Konradsburg in Ermsleben ein, betont Rico Röse. Auf sein Mitwirken gehe auch der Erhalt des Großen Denkmalpreises 2020 der Deutschen Burgenvereinigung zurück, in Anerkennung der Verdienste um den Wiederaufbau der Burg. „Der Wiederaufbau verkörpert einen Meilenstein seiner Herzensaufgabe.“

Was wir beweisen konnten: Größe ist nicht alles.

Klaus Wycisk, Ehrenbürger

Als Vorsitzender des Förderkreises setze sich Klaus Wycisk „schon seit Jahrzehnten maßgeblich für den Erhalt der geschichtlich gewachsenen Kulturlandschaft und der Kulturgüter im Stadtgebiet ein. Der Verein hat viele touristische Markensäulen gerettet und restauriert, wie zum Beispiel die Turmwindmühle Endorf, die Alte Ziegelei und das Forsthaus Friedrichshohenberg.“

„Ich habe mich immer als Teil dieser Stadt gefühlt“, sagt Wycisk. „Und ich werde das auch in Zukunft. Ich habe so viel Positives von den Menschen erleben dürfen, da will ich was zurückgeben.“ Deswegen wolle er auch nicht von der Bildfläche verschwinden, wie es vielleicht mit dem Ende seiner Amtszeit zu vermuten wäre. Vielmehr wolle er sich „bemühen, etwas für ein lebenswertes Miteinander zu leisten“.

Zusammenhalt ist eine Stärke von Falkenstein/Harz

Er wolle auch denen danken, die an der Gründung und dem Wachsen der Stadt beteiligt waren, den „Leuten der ersten Stunde“, wie er sagt. „Ohne diesen Zusammenhält gäbe es die Stadt nicht, und sie wird an dem, was sie leistet, gemessen. Was wir beweisen konnten: Größe ist nicht alles, wir haben auch eine optimale Versorgung der Menschen vor Ort leisten können“, sagt der einstige Bürgermeister der kleinsten Kommune im Landkreis. In Falkenstein leben rund 5.100 Menschen.

Gelungen sei dies vor allem durch die vielen Vereine, besonders die Schützenvereine und die Feuerwehren. „Wo andere Nachwuchsmangel haben, ist hier das Gegenteil der Fall“, sagt Wycisk mit Blick auf die Ortswehren. „Wir haben engagierte Menschen und viel investiert. Davon profitieren wir. Nicht nur wenn’s brennt, sondern im Miteinander. Dieser Zusammenhalt sollte durch alle Generationen gehen, jeder sollte etwas für das Wohl der Stadt tun.“

Am Erfolg der Stadt waren viele beteiligt

Wenn er sich jetzt in den Ortsteilen umsehe, dann immer noch mit dem besonderen Blick: „Einmal Bürgermeister, immer Bürgermeister“, sagt Wycisk. „Selbst im Urlaub. Aber heute mit einer gewissen Ruhe und Abstand. Ich nehme mir mehr Zeit.“

Sei es die Brückensanierung in Meisdorf oder das Glasfasernetz für alle Ortsteile: „Ich freue mich, dass ich einen Anteil daran hatte. Viele waren daran beteiligt: Verwaltung, Politik ... und der Bürgermeister.“ Manches sei still und reibungslos erreicht worden, die LED-Umstellung der Straßenbeleuchtung in allen Ortsteilen etwa. Mit dem Stand der Ausrüstung der Feuerwehren habe Falkenstein einen Quantensprung erreicht. „Das ist nichts, was der Bürger so im Komplex wahrnimmt, aber so soll es auch sein. Das ist Lebensqualität.“