Klingendes Willkommen

Die Glocke der katholischen Kirche St. Mathilde in Quedlinburg ist wieder zu hören

Dieses besondere Ereignis wird am Sonnabend gefeiert.

Von Petra Korn 27.09.2021, 10:00
?Es klappt", freut sich Stefan Behrendt, der sich an der Steuerungsanlage bereitgehalten hat.
?Es klappt", freut sich Stefan Behrendt, der sich an der Steuerungsanlage bereitgehalten hat. Fotos: Korn

Quedlinburg/MZ - Kurz vor 18 Uhr wird es am Sonnabend noch einmal spannend. Stefan Behrendt hat die Steuerungsanlage eingestellt, die den Motor und mit diesem den Schlegel in Bewegung setzt, der dann gegen die Glocke schlagen wird.

„Sie ist so programmiert, dass die Glocke ab 17.55 Uhr läuten soll für 20 Minuten“, sagt Behrendt, Kantor und Mitglied im Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Mathilde Quedlinburg. 18 Uhr, so ist es vorgesehen, sollen dann die Glocken aller anderen Kirchen der Stadt ebenfalls läuten. Doch für den Fall, dass es mit dem Programmieren der noch ganz neuen Anlage nicht so richtig geklappt hat, ist Stefan Behrendt vor Ort, um das Läuten dann per Knopfdruck zu starten.

Die letzten Sekunden verstreichen – und Punkt 17.55 Uhr ist die 165 Jahre alte Glocke von St. Mathilde zu hören. „Es klappt“, freut sich Stefan Behrendt. Wenig später klingen auch die anderen Glocken in der Stadt, die ihre Schwester in der katholischen Kirche so, mit einem sogenannten Plenum-Läuten, willkommen heißen.

Erster Klang schon zum Gemeindefest

Das erste Mal erklingt die 1856 im Rheinland gegossene, zur Originalausstattung des Gotteshauses gehörende Glocke da aber an diesem Tag nicht: Bereits um 15 Uhr war sie zum Beginn des ersten Gemeindefestes zu hören. Lange war ein solcher Begegnungstag geplant für die Pfarreien St. Mathilde – zu ihr gehören St. Mathilde Quedlinburg, Herz-Jesu Thale und St. Gertrud Hedersleben – und St. Elisabeth Ballenstedt, der nun mit dem ersten offiziellen Läuten der Glocke verbunden wurde.

Ab sofort wird diese nach einer Läuteordnung zu hören sein, die der Pfarrgemeinderat und der Pfarrer gemeinsam festgelegt haben. So wird sie dreimal täglich - um 7, um 12 und um 18 Uhr - an das Angelus-Gebet erinnern. „Angelus ist der Engel des Herrn“, erklärt Pfarrer Winfried Runge. „Das Gebet erinnert an die Botschaft des Engels an Maria, dass sie Mutter des Herrn wird und Jesus zur Welt bringt.“

Im neuen Turm nicht sichtbar, klingt  die historische Glocke wieder.
Im neuen Turm nicht sichtbar, klingt die historische Glocke wieder.
Foto: Korn

Zudem wird die Glocke zum Gottesdienst rufen - einmal 20 und einmal 5 Minuten vor dessen Beginn -, Freude über eine Hochzeit oder eine Taufe und Trauer zu einem Requiem und einer Beerdigung verkünden, erklärt Behrendt. Und natürlich werde sie gemeinsam mit den anderen Glocken zu Feiertagen und bei besonderen Anlässen klingen. Die Läuteordnung, ergänzt Andreas Werner, Organist und Mitglied im Pfarrgemeinderat, sei abgestimmt mit der Läuteordnung der Evangelischen Kirchengemeinde Quedlinburg. Auf den Klang der Glocke ihrer Kirche hatte die St.-Mathilden-Gemeinde lange verzichten müssen – fast 40 Jahre.

Über Jahre haben die Gemeindemitglieder gespendet

Nachdem Weihnachten 1983 Steine vom Dachreiter des Gotteshauses heruntergestürzt waren, wurde der Sandstein-Turm Anfang 1984 abgebaut. Die Bronzeglocke mit der Inschrift „In honorem St. Mathildis a.d. mdccclvi“ - „Zur Ehre der hl. Mathilde im Jahre des Herrn 1856“ - wurde eingelagert. Über viele Jahre spendeten die Mitglieder der Kirchengemeinde, damit die Kirche einen neuen Turm erhalten, so vervollständigt werden und die Glocke wieder klingen kann. Insbesondere vorangetrieben durch Manfred Beitlich, der vom Kirchenvorstand auch beauftragt wurde, das Projekt komplett zu begleiten, konnte das in diesem Jahr umgesetzt werden.

Daran erinnerte am Sonnabend auch eine bereits zum Tag des offenen Denkmals gezeigte Fotoausstellung: Sie spannte den Bogen vom Beginn des Gerüstaufbaus durch die Firma Hippe am 20. April über das Freilegen des Kirchturmstumpfes und das Bauen des neuen Holzturms auf dem Gelände der Werkstätten für Denkmalpflege bis zum Aufsetzen des Dachreiters und den Glocken-Transport an den angestammten wie neuen Platz am 18. Juni.

„Wir gehen davon aus, dass in Kürze auch die Fassade wieder vollständig sichtbar ist“

Im Bild dokumentiert sind auch, wie Bischof Gerhard Feige den symbolischen letzten Nagel in die Holzkonstruktion des Türmchens einschlägt und wie der Glockenspiel-Magnet-Schlaghammer durch Mitarbeiter der Heidenauer Glockenläute- und Elektroanlagen GmbH eingestellt wird. Und ebenso das Aufsetzen der Bekrönung des Turms aus Kugel und Kreuz oder der Besuch der Vertreter der Stiftung der Kreissparkasse Quedlinburg und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Diese hatten die Rückkehr der historischen Glocke an ihren Platz und den Einbau des Läutwerks finanziell unterstützt, während der Bau des neuen Turmes aus dem „Leader“-Programm gefördert wurde. Unterstützt wurde das Projekt auch durch Architektin Mandy Schmidt und Statiker André Drachau, die ihre Arbeitsleistungen spendeten.

Die Arbeiten am Turm sind inzwischen abgeschlossen. Auch die Schallluken sind eingebaut und ebenso wie der gesamte Turm mit Kupfer verkleidet worden. Wie Dorothea Hecker vom Kirchenvorstand weiter sagt, wird das Gerüst nun nach und nach abgebaut, so, wie es an anderen Stellen benötigt wird. „Wir gehen davon aus, dass in Kürze auch die Fassade wieder vollständig sichtbar ist.“