Denkmal-Handwerker-Preis 2015

Denkmal-Handwerker-Preis 2015: Erster Preis für Fachwerkhaus Pölle 46 in Quedlinburg

Quedlinburg - Mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ sind sieben Grundstückseigentümer und 27 Handwerker aus Sachen-Anhalt ausgezeichnet worden. Die beiden ersten Preise gingen an Haussanierer in den Nachbarstädten Aschersleben und Quedlinburg, welche mit dem selben Architekturbüro, qbatur Planen und Bauen von Ulrich Queck und Rudolph Koehler aus Quedlinburg, zusammenarbeiteten. Auch mehrere Handwerker waren an beiden Objekten tätig. In Quedlinburg erhielten Miriam Gepp-Labusiak und Thomas Labusiak den mit 3.000 Euro dotierten Preis. Sie haben seit 2011 die Pölle 46 denkmalgerecht zu neuem Leben erwecken lassen. Dabei beteiligten sie sich auch mit viel ...

Von Gerd Alpermann 12.11.2015, 17:57

Mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ sind sieben Grundstückseigentümer und 27 Handwerker aus Sachen-Anhalt ausgezeichnet worden. Die beiden ersten Preise gingen an Haussanierer in den Nachbarstädten Aschersleben und Quedlinburg, welche mit dem selben Architekturbüro, qbatur Planen und Bauen von Ulrich Queck und Rudolph Koehler aus Quedlinburg, zusammenarbeiteten. Auch mehrere Handwerker waren an beiden Objekten tätig. In Quedlinburg erhielten Miriam Gepp-Labusiak und Thomas Labusiak den mit 3.000 Euro dotierten Preis. Sie haben seit 2011 die Pölle 46 denkmalgerecht zu neuem Leben erwecken lassen. Dabei beteiligten sie sich auch mit viel Eigenleistung.

An dem Preis der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks beteiligte sich die Familie Labusiak (beide 45) sowie die beiden Kinder Lisa (6) und Toni (1) nach Hinweis von Kreisdenkmalpfleger Oliver Schlegel. Zu ihrem Grundstück, einem Ackerbürgerhaus von 1530 mit einem Werkstattanbau, entstanden um 1700, kamen sie durch Hinweise des Planungs- und Architekturbüros qbatur.

Die Jury, die im September in Quedlinburg weilte, lobt in der Begründung für den ersten Preis: „Mit großer Selbstverständlichkeit haben sich Thomas Labusiak und seine Familie auf das historische Fachwerkhaus Pölle 46, das bis in die Jahre um 1530 zu datieren ist, mit seinen jahrhundertealten Eigenarten als Wohnhaus eingelassen. Mit substanzschonenden Eingriffen und Ideen haben sie in hoher handwerklicher Qualität die notwendigen Arbeiten durchführen lassen, ohne die Würde und die Details des Gebäudes zu beeinträchtigen. Mit der Unterstützung eines erfahrenen Architekten, in enger Absprache und kontinuierlichem Kontakt mit dem Denkmalschutz und unter Einbindung versierter Handwerker ist ein wichtiges Ackerbürgerhaus in seiner eindrucksvollen Originalität als lebendiger Lebensort einer jungen Familie erhalten worden.“

Die Preisverleihung fand im Palais am Fürstenwall in Magdeburg statt, wo Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Festrede hielt. Der Denkmal-Handwerker-Preis wird jedes Jahr in jeweils zwei Bundesländern verliehen. In diesem Jahr waren dies Bayern und Sachsen-Anhalt.

Das Fachwerkensemble Pölle 46 zeichnet sich auch durch einen Drei-Seitenhof aus. Das Areal erstreckt sich bis zum Mühlgraben. Vorder- und Hinterhaus, früher eine Werkstatt, mussten für die sichere Statik neu verbunden werden. „Ansonsten gab es keine gravierenden Schäden. Der Vorbesitzer war ständig bemüht, kein Wasser durch das Dach eindringen zu lassen. So gab es keinen Schwamm zu beseitigen“, erläutert Architekt Ulrich Queck. Die vorhandene Bausubstanz sei behutsam, so weit möglich, erhalten worden. Um aus der Werkstatt eine einladende Küche zu gestalten, musste ein neues Lichtkonzept erarbeitet werden. Große Fenster, bewusst schlicht gehalten, sorgen nun für viel Licht im Raum. Noch zu sichern ist der lange schmale Seitenflügel. „Wir brauchen den Anbau nicht, wollen ihn aber erhalten. Vielleicht auch erst für die nachfolgende Generation. Er gehört dazu“, sagt Thomas Labusiak. Im nächsten halben Jahr soll er gesichert werden. Zudem ist noch das große Torweg aufzuarbeiten und die Einfahrt zu gestalten. Im Seitenanbau befand sich früher eine Gerberei, wie Spuren im Mauerwerk zeigen. (mz)