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Kugeln und Weihnachtsmützen für Bäume am WegesrandMit Video: „Dachschaden-Gang“ schmückt zwischen Güntersberge und Straßberg

Mit Kugeln und Weihnachtsmützen im Gepäck ziehen sechs Frauen von Güntersberge nach Straßberg – warum sie das machen.

Von Susanne Thon Aktualisiert: 28.11.2023, 10:30
Große und kleine Bäume, prächtige und weniger prächtige hat die „Dachschaden-Gang“ herausgeputzt.
Große und kleine Bäume, prächtige und weniger prächtige hat die „Dachschaden-Gang“ herausgeputzt. (Foto: S. Klauß)

Güntersberge/Strassberg/MZ. - Voll gepackte Rucksäcke, Taschen und einen Bollerwagen, Hüte, Sonnenbrillen und ein Selketal-Liedchen auf den Lippen: Marina, Gundela, Veronika, Sandra, Steffi und Katrin – ihres Zeichens die „Dachschaden-Gang“, nur Nicole fehlt – hatten alles dabei, was man so braucht, um sich die sechs Kilometer von Güntersberge nach Straßberg durchzuschlagen.

Und das war neben ausreichend Verpflegung und einigen Requisiten vor allem eins: Baumschmuck in Größenordnungen. Kleine und große Kugeln, rote, silberne, goldene, die jeder übrig hatte, aber auch neue, befanden sich zu Dutzenden im Gepäck und statt Christbaumspitzen Weihnachtsmützen. Ausreichend für bestimmt 15 Bäume, wie sie versichern.

Im Video: "Dachschaden-Gang" schmückt Bäume im Harz

 
Die "Dachschaden-Gang" hat zahlreiche Bäume von Güntersberge bis Straßberg weihnachtlich geschmückt. (Bericht: Susanne Thon)

Die sechs bestens gelaunten Frauen, die auch Ende November Hut und Sonnenbrille tragen – des Wiedererkennungswertes wegen –, waren am Sonntag erstmals in einer ganz besonderen Mission unterwegs: Entlang des Weges wollten sie Weihnachtsbäume schmücken. Einfach so. Weil’s schön ist. Weil’s Spaß macht. Und weil’s irgendwie auch ein bisschen zur „Dachschaden-Gang“ passt.

Die hat sich aus dem Güntersberger Theaterverein, den „Spitzköppen“, heraus gegründet vor nunmehr fast drei Jahren auf Roses Ruh, einem Rast- und Aussichtspunkt. Was die Mitglieder eint: ihre Heimatliebe, sie wanderten gern durch den Harz und verbrächten gern Zeit miteinander, erklärt Katrin Böttcher.

Zusammen mit ihrer Schwester Steffi Hartung fungiert sie seit vielen Jahren als Märchenschreiberin bei den „Spitzköppen“, deren Aufführung jedes Jahr zum Heimatfest im Ort und auch über die Ortsgrenzen hinaus so was wie Kultstatus genießt.

In diesem Jahr begeisterten sie das Publikum mit ihrer Version der „Hexe Babajaga“, in der sich die halbe Märchenwelt getroffen hat. Und als Mitglied der „Dachschaden-Gang“ war Böttcher auch Mitinitiatorin der Baumschmückerei, die im Grunde genommen abgeguckt ist.

Zusammen ging das Schmücken ziemlich flott.
Zusammen ging das Schmücken ziemlich flott.
(Foto: Susanne Thon)

„Es ist schon ein paar Jahre her, da habe ich an der Bundesstraße ein kleines, geschmücktes Bäumchen gesehen“, erzählt sie. Sie meint das an der B 242 zwischen Alexisbad und Siptenfelde, etwa da, wo es nach Hänichen geht. Weihnachtlich herausgeputzt stand es in der Adventszeit da. „Das hat mein Herz erwärmt, und da habe ich gedacht, dann schmückst du auch eins. Wenn es mein Herz erwärmt, dann vielleicht auch die Herzen anderer“, so Böttcher.

Gesagt, getan. Sie schritt in Güntersberge zur Tat – „und die Resonanz war gut“. In Straßberg tat es ihr Sandra Klauß gleich. Und jetzt wurde quasi der Lückenschluss zwischen den beiden Ortsteilen vollzogen, nachdem letztere die Strecke im vergangenen Jahr abgelaufen war und dokumentiert hatte, wie viele nackte Nadelbäume doch noch zwischen den beiden aufgehübschten Exemplaren standen.

Das musste geändert werden. Und dafür schlug Klauß auch noch im vorigen Jahr im Ausverkauf zu. Die Kugeln, die sie erstand, hat sie mittlerweile individualisiert: mit geplotteten Schlagworten wie Ruhe, Erholung, Heimatliebe und Selketal, die mithilfe einer Transferfolie aufgeklebt wurden. Und auch die Namen aller Schmückerinnen haben es auf die Kugeln geschafft.

Geschafft war die weihnachtslichte Schmuckoffensive dann nach etwa viereinhalb Stunden – Pausen miteingerechnet. Und aus den einst zwei Bäumen sind nun zwölf geworden, die entlang des Weges zwischen Güntersberge und Straßberg stehen und Einwohnern wie Urlaubern ein Lächeln ins Gesicht zaubern sollen. Bis dann im Januar abgeschmückt wird.