Ehrenamt

Wenn die Feuerwehr in der Familie liegt: Wie die Schenks die Feuerwehr-Geschichte Lauchas prägten

Wenn die Lauchaer Floriansjünger am Wochenende ihr 150-jähriges Jubiläum feiern, ist das auch für Volkmar Schenk ein besonderes Ereignis. Woran er sich dabei erinnert.

Von Gisela Jäger Aktualisiert: 10.08.2022, 10:04
Volkmar Schenk zeigt die Fotos von Mutter und Großvater.  Familiengeschichte im Dienste der Feuerwehr:  Helga Schenk (um 1984), Tochter von Richard Friedrich, und der Dienstausweis von Lothar Schenk.
Volkmar Schenk zeigt die Fotos von Mutter und Großvater. Familiengeschichte im Dienste der Feuerwehr: Helga Schenk (um 1984), Tochter von Richard Friedrich, und der Dienstausweis von Lothar Schenk. (Foto: Gisela Jäger)

Laucha - Wenn ab dem 13. August Laucha das Jubiläum 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr feiert, wird es auch für Volkmar Schenk, dem Mitglied der Lauchaer Wehr in der Alters- und Ehrenabteilung, ein für ihn in besonderer Weise berührendes Fest sein. Immerhin prägten seine Vorfahren 75 Jahre Feuerwehrgeschichte in der Unstrutstadt und die Hälfte der Zeit seit der offiziellen Gründung im Juni 1872. Volkmar Schenk steht in dritter Generation einer Feuerwehr-Familientradition, die damit begann, dass sein Großvater Richard Friedrich im Jahr 1947 zum Wehrleiter gewählt wurde.

Schornsteinfeger-Tradition

Volkmar Schenk hat einige Bilder und Dokumente mitgebracht, die davon zeugen, dass mehrere seiner Familienmitglieder im ehrenamtlichen Dienst Löschen, Retten, Bergen und Helfen standen. Das Bestreben, Brände nicht erst entstehen zu lassen, greift noch tiefer in die Familiengeschichte, weil Vater sowie Großvater und schließlich auch Volkmar Schenk im Beruf Schornsteinfeger für Brandschutz verantwortlich zeichneten.

In Zeiten, als noch fast alle Betriebe und Wohnungen mit Festbrennstofffeuerstätten beheizt wurden, trug das Schornsteinfegerhandwerk wesentlich zur Brandsicherheit bei. Regelmäßiges Kehren der Essen und damit das Beseitigen brennbaren Rußes, minderte diese Gefahr. „Es gab zudem die verpflichtende Feuerstättenschau, in der danach gesehen wurde, ob an den Öfen die vorgeschriebenen Ofenbleche lagen, ob die Brennstoffe sicher vor Funken und Glut gelagert waren und weitere Sicherheitsbestimmungen eingehalten wurden“, weiß Schenk aus eigener Erfahrung.

In Alters- und Ehrenabteilung

Sein Vater Lothar Schenk war bis Ende 1986 in Laucha Bezirksschornsteinfegermeister. Volkmar Schenk konnte diese berufliche Familientradition aus gesundheitlichen Gründen nicht fortsetzen und schulte in den Polizeidienst um. Dieser Grund war auch Ursache, dass er bereits 1994 in die Alters- und Ehrenabteilung wechselte, aber dennoch die Lauchaer Freiwillige Feuerwehr im Rahmen seiner körperlichen Möglichkeiten unterstützte. Einige Jahre übte der gebürtige Lauchaer auch die Funktion des Wehrleiters aus. Das Feuerwehr-Gen steckt in der Familie tief drin, erzählt der 66-jährige. Großvater Richard Friedrich reichte es an Tochter Helga weiter, die im Jahr 1984 auf einem Foto als Mitglied der Frauenabteilung zu sehen ist.

Ihr Mann Lothar und Vater von Volkmar Schenk ist laut Dienstausweis seit Januar 1949 Mitglied der Feuerwehr und hatte den nötigen Dienstgrad, um auch Wehrleiter zu werden. Er verzichtete auf diese Funktion, weil er als Bezirksschornsteinfegermeister für das Ehrenamt zu wenig zeitlichen Spielraum sah.

Familiengeschichte im Dienste der Feuerwehr: Fotos v.l. Helga Schenk (um 1984), Tochter von Richard Friedrich und Dienstausweis von Lothar Schenk.
Familiengeschichte im Dienste der Feuerwehr: Fotos v.l. Helga Schenk (um 1984), Tochter von Richard Friedrich und Dienstausweis von Lothar Schenk.
(Foto: Gisela Jäger)

Lothar Schenks Schwester Christa Kuka wirkte in der Laucher Wehr in der Frauenabteilung aktiv mit, auch ihr Mann stand im Feuerwehrdienst. Volkmar Schenks Onkel Jürgen Friedrich (Bruder seiner Mutter), ebenfalls beruflich Schornsteinfeger, war in der Lauchaer Freiwilligen Feuerwehr. Den Onkel zog es 1968 nach Bad Frankenhausen, weil er dort als Bezirksschornsteinfegermeister arbeitete. Volkmar Schenk selbst wurde im Jahr 1965 mit noch nicht ganz zehn Jahren (das war das Mindestalter) in die damals neu gegründete Nachwuchstruppe „Junge Brandschutzhelfer“ der Lauchaer Feuerwehr aufgenommen. „Dass ich noch nicht ganz das Alter hatte und schon mitmachen durfte, darauf hatte mein Vater schon einen gewissen Einfluss“, erinnert er sich.

Der Feuerwehrdienst wurde zur Ehren- und Herzenssache, kein Wunder, bei diesem familiären Hintergrund, wie Volkmar Schenk mit verschmitztem Lächeln meint. Von seinen zwei Kindern, Tochter und Sohn, begann der Sohn Heiko in der Jugendwehr seinen ehrenamtlichen Einsatz, setzte diesem aber nicht fort, weil der 44-jährige Junior inzwischen aus Laucha weggezogen ist.

Somit wird wohl die Feuerwehrfamilientradition mit ihm enden. 75 Jahre Feuerwehrfamiliengeschichte heißt für Volkmar Schenk auch auf diese Zeit prägende Ereignisse zurückzublicken. Sein Großvater erzählte, wie ab 1945 die Feuerwehrstruktur nach Kriegsende neu aufgebaut wurde. Kurz vor Kriegsende, als noch die Lauchaer Unstrutbrücke auf Befehl der Wehrmacht wegen der anrückenden Alliierten gesprengt werden sollte, gehörte Richard Friedrich zu jenen Mutigen, die diese sinnlose Zerstörung verhindern konnten. Eine glückliche Fügung für die Stadt Laucha.

Irrtum klärte sich auf

Als jedoch die einrückenden US-Truppen Friedrich in Feuerwehruniform antrafen, wurde er zunächst verhaftet in der Annahme ein Nazi zu sein. Bald und zum Glück klärte sich der Irrtum auf. Auch an einige große Brände erinnert sich Schenk. 1962 gab es in Laucha einen großen Brand in einem Gebäude mit Möbellager und Spielzeugreparaturwerkstatt. Seine Modelleisenbahn verbrannte mit, die dort zur Reparatur war, für den kleinen Jungen eine persönliche Katastrophe und vielleicht auch ein Grund, sich frühzeitig für den Feuerwehrdienst zu engagieren.

Ein schlimmer Brand in seiner aktiven Zeit war der Brand in der Montagehalle vom Lauchaer Betonwerk. Gefährlich war der Einsatz dadurch, dass erhitzte Gasflaschen zum Teil explodierten. Nach 1990 wiederum bekämpfte die Lauchaer Feuerwehr einen Scheunenbrand der Kirchscheidunger Familie Farys. Herausforderung war ein frostiger Wintertag, der das Löschwasser sofort gefrieren ließ.

Meist Hilfeleistungen

Zum Glück sind solche Brände Seltenheit geworden, sagt Volkmar Schenk. Die meisten Einsätze heute sind Hilfeleistungsdienste, Verkehrsunfälle mit Binden von ausgelaufenen Flüssigkeiten, Ölspuren beseitigen, Rettungsdienste unterstützen, kleinere Feld- und Flurbrände. „In diesem Jahr sind bislang nur wenige Einsätze nötig gewesen“, doch mit Blick auf die steigende Hitze und Trockenheit, hohe Wald- und Flurbrandgefahr, hoffen die Lauchaer von solchen Großbränden wie derzeit in Brandenburg und Sachsen, die die Feuerwehreinsatzkräfte bis zur Erschöpfung fordern, verschont zu bleiben. Und nicht zuletzt möchten die Mitglieder aller Abteilungen ihr Jubiläum unbeschwert feiern.