Oberbürgermeisterwahl 2022 in Merseburg

Uwe Reckmann (parteilos) will der Mann fürs Soziale in Merseburg werden

Am 13. März ist Oberbürgermeisterwahl und die Merseburger stimmen darüber ab, wer künftig die Geschicke ihrer Stadt lenken soll. MZ stellt die Kandidaten vor. Heute: Uwe Reckmann (parteilos)

Von Undine Freyberg 08.02.2022, 08:00
OB-Kandidat Uwe Reckmann vor der Kita „Flax und Krümel“ in Merseburg
OB-Kandidat Uwe Reckmann vor der Kita „Flax und Krümel“ in Merseburg (Foto: Katrin Sieler)

Merseburg/MZ - Das Wahlprogramm von Uwe Reckmann ist lang. „Es soll ja auch für sieben Jahre reichen“, schmunzelt der 58-Jährige. Er ist zwar parteilos, aber seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters wird vom Merseburger Stadtverband der SPD unterstützt. „Darüber bin ich sehr froh und sehe mich als Kandidat des sozialen, fortschrittlichen und ökologischen Lagers.“

Er stehe für einen Aufbruch in der Stadt. „Es soll sich wieder um die Menschen drehen, die aus meiner Sicht lange zu kurz gekommen sind.“ Das seien zum einen Familien. Zum anderen lebten in der Stadt gut 10.000 Menschen, die älter sind als 65. „Menschenwürdiges Leben im Alter und Pflege ist für mich ein ganz großes Thema“, sagt Reckmann. „Es gibt zwar Angebote, aber die muss man sich auch leisten können. Was machen denn Menschen, die nur eine ganz kleine Rente haben?“

Menschenwürdiges Leben im Alter und Pflege ist für mich ein ganz großes Thema.

Uwe Reckmann

Die Kaltmieten beim Betreuten Wohnen lägen aktuell bei 12,50 Euro. Hier müsse man aufpassen. Reckmann sieht nämlich ein großes Problem auf die Stadtgesellschaft zurollen „Die nächste Generation derer, die pflegebedürftig werden, wird keine großen Renten mehr haben wie vielleicht jetzt.“ Deshalb wolle er mit Anbietern und Wohnungsunternehmen ins Gespräch kommen, um hier nach Lösungen für die zunehmende Zahl der Pflegebedürftigen zu suchen. Außerdem wolle er sich für besser bezahlte Arbeitsplätze stark machen. „Wir haben in Merseburg 30 Prozent der Leute im Niedriglohnsektors. Das führt zu sozialen Verwerfungen.“ So solle das nicht weitergehen.

Ein Thema, das ihn ein bisschen beunruhige, sei der Ausstieg aus der Kohle. „Viele warnen - auch die IHK - dass die energieintensive Industrie abgewickelt werden könnte. In den 90er Jahren sind schon mal Zehntausende auf die Straße gesetzt worden“, sagt Reckmann. „Damals sind viele Familien weggezogen.“ Deshalb sei es ganz wichtig, dass an dieser Energiewende, bei der der Landkreis federführend ist, mit Hochdruck gearbeitet werde. „Leuna III, das ist ja Merseburger Territorium. Wenn es uns gelingt, dort gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, dann könnte man mit einmal zu erwartenden fünf Millionen Euro mehr an Gewerbesteuer richtig etwas anfangen. Wir hätten ganz andere Spielräume. Und ich traue mir mit meiner Managementerfahrung und Verhandlungsstärke zu, bei der Entwicklung dieses Industriegebietes auf Augenhöhe mitzureden.“ Da gehe es um knallharte wirtschaftliche Interessen. „Grünausgleich und Lärmschutz sind mir hier aber auch sehr wichtig.“

Brachflächen in der Merseburger Innenstadt sollen bebaut werden können

Die Stadt sollte aus seiner Sicht innerstädtische Brachflächen entwickeln, um Familien die Möglichkeit zum Eigenheimbau zu geben. Es müsse nicht alles an den Stadtrand und er ist auch gegen eine Bebauung der Königsmühle. „Denn ich sehe dort die Gefahr durch Altlasten.“ Deshalb sei aus seiner Sicht die Königsmühle der ideale Standort für eine Hundewiese, denn dafür bestehe im Stadtgebiet offensichtlich Bedarf. Es gebe zudem zunehmend Leerstand in Merseburg-West. Nicht, weil die Leute wegziehen, sondern weil sie versterben. „Das heißt, wir werden sicherlich auch dort irgendwann Blöcke abreißen müssen und so Flächen schaffen“, sagt Reckmann, der im Aufsichtsrat der Gebäudewirtschaft sitzt.

Der 58-Jährige plädiert ebenfalls für ein Sportzentrum mit neuer Schwimmhalle und Kegelhalle. Einmal im Monat will er für die Bürger in einer Telefonsprechstunde erreichbar sein. Bei wichtigen Themen soll es Einwohnerversammlungen geben. Er will, dass sich die Stadt wieder um den Klimaschutz kümmert. „Könnten wir beispielsweise Elektroautos für die Verwaltung nutzen?“ Man brauche unbedingt wieder einen Klimamanager.

Für das Parken von E-Scootern wünscht sich Reckmann im Übrigen markierte Flächen, und er ist dagegen, dass die Kitas wieder kommunal werden sollen. „Warum soll man die Vielfalt der inhaltlichen Angebote wegfegen? Geld würden wir nämlich bei einer Veränderung nicht sparen.“ Schwarz sieht Reckmann für den innerstädtischen Handel. „Der wird weiter zurückgehen.“ Deshalb müsse man die Funktion der Innenstadt überdenken - als Ort des Wohnens und Arbeitens. Neue Inhabergeführte Einzelgeschäfte seien für ihn nicht realistisch.

Freiwillige Feuerwehrleute sollen besserche Chancen bei Einstellungen haben

Um die freiwillige Feuerwehr zu stärken, will sich Reckmann dafür einsetzen, dass Bewerber, die sich um einen Posten in der Stadt bewerben, bevorzugt werden sollen, wenn sie in die freiwillige Feuerwehr eintreten. „Ich finde es fair, dass Männer oder Frauen, die ihr Leben einsetzen, um anderen zu helfen, bei der Einstellung bevorzugt werden sollten.“

Der Wahlmerseburger mit langer kommunalpolitischer Erfahrung möchte insgesamt die Stimmung verbessern. „Wir müssen die Gräben der Vergangenheit zuschütten. Stadtrat, Oberbürgermeister und Verwaltung müssen wieder ein Team werden und besser zusammenhalten. Dass ich überparteilich arbeiten kann, habe ich als Stadtratsvorsitzender bewiesen. Auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt.“ Er sei als Stadtrat in allen Ausschüssen und allen Aufsichtsräten in der Stadt gewesen. „Ich kenne die Stadt und die handelnden Personen. Wenn ich also gewählt werden würde, bräuchte ich keine Zeit, um mich in Themen und gesetzliche Dinge einzuarbeiten. Ich könnte sofort loslegen.“

Sekt oder Selters? Die MZ-Fragerunde mit Uwe Reckmann

Hund oder Katze? Wir haben selbst aktuell keine Tiere. Aber meine Frau mag Katzen, und ich liebe meine Frau.

Kaffee oder Tee? Kaffee.

Fleisch oder Gemüse? Beides.

Ostsee oder Berge? Ostsee. Am liebsten Usedom oder Rügen.

Fußball oder Schach? Volleyball. Wir waren oft bei den Spielen der Chemie Volleys in Spergau.

Auto oder Fahrrad? Zug. Meine Frau und ich fahren seit 14 Jahren gemeinsam mit dem Zug zur Arbeit nach Halle. Das ist entspannt, und wir können dabei noch das MZ-E-Paper lesen.

Buch oder Film? Film. Ich gucke gern Krimis. Wir gucken aber auch jeden Dienstag die Sachsenklinik, also „In aller Freundschaft“. Das ist bei uns fest gebucht.

Gummibärchen oder Schokolade? Schokolade.

Zur Person

Uwe Reckmann wurde am 5. November 1963 in Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) geboren. Nach Abitur und Wehrdienst hat er eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und im Anschluss Betriebswirtschaft an der Universität Münster studiert. Schon während des Studiums hat Reckmann 1991 und 1992 bei der Kreissparkasse Merseburg gearbeitet. Eine dann angebotene Stelle nahm er an und zog ganz in die Domstadt, wo er seine Frau kennenlernte.

Jetzt arbeitet er bei der Saalesparkasse in Halle und ist Leiter des Rechnungswesens. Mittlerweile ist Reckmann fast 27 Jahre verheiratet und Vater von drei Kindern. Der 58-Jährige ist parteilos. Er saß 25 Jahre lang bis 2019 im Merseburger Stadtrat - zunächst für die CDU, dann für die SPD. Er war Vorsitzender des Finanzausschusses und Vorsitzender des Merseburger Stadtrates. Weitere Infos unter: www.uwe-reckmann.de