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Auftakt der Fußball-EM Public Viewing in der Kirche

Zum EM-Auftakt gibt es Public Viewing an zwei ungewöhnlichen Orten: auf der Laga in Bad Dürrenberg und in der Kirche Krumpa. Jeweils rund 100 Menschen feiern dort.

Von Sebastian Meyer und Diana Dünschel Aktualisiert: 14.06.2024, 23:54
Rund 100 Fußballfans schauen das EM-Eröffnungsspiel in der Kirche Krumpa.
Rund 100 Fußballfans schauen das EM-Eröffnungsspiel in der Kirche Krumpa. (Foto: Diana Dünschel)

Bad Dürrenberg/Krumpa/MZ. - Beim Abpfiff stehen die Krumpaer Fußballfans klatschend vor der Leinwand. Eine Deutschlandfahne wurde zuvor schon geschwungen. Hier wird Freitagabend zum EM-Auftakt genau so beim Public Viewing gefeiert wie auf der Landesgartenschau Bad Dürrenberg.

Bereits 30 Minuten vor dem Anpfiff des Spiels sind die Plätze auf dem Zitrushain der Laga gut gefüllt. Noch stehen die meisten Fans vor der Getränke- und Grillstation. Beim Anpfiff sitzen sie dann wie gefesselt vor dem Fernseher unter dem Pavillon. In einer Ecke haben es sich Matthias Holenstein, Steffen Ortwig und Lucas-Leon Essel bequem gemacht.

Volles Haus herrscht beim Public Viewing  auf dem Zitrushain der Laga Bad Dürrenberg.
Volles Haus herrscht beim Public Viewing auf dem Zitrushain der Laga Bad Dürrenberg.
(Foto: Sebastian Meyer)

„Das wird ein 2:1 für Deutschland“, sagt Matthias Holenstein optimistisch. Die Freude auf den Abend scheint bei der Gruppe groß zu sein, wobei noch eine gewisse Skepsis nach den letzten verpatzten Turnieren zu spüren ist. „Je nach Ausgang des Eröffnungsspiels lassen wir uns gerne vom EM-Fieber infizieren“, so Ortwig.

Bis ins Halbfinale kommt Deutschland, vermutet die Männertruppe. „Wir hoffen einfach, dass Deutschland lange dabei ist, damit wir noch mehr solcher schönen Abende haben können“, sagt Holenstein und stößt lachend mit seinen Freunden an.

Organisator der Übertragung ist Guido Straube, Chef des gleichnamigen Garten- und Landschaftsbauunternehmens. „Wir haben hier ein sehr schönes Gelände, das viel zu wenig genutzt wird“, so Straube. Daher wolle er es einfach mal ausprobieren mit dem Public Viewing.

„Wir sind schließlich alle Fußballfans, und ich glaube, wir haben heute auch etwa 100 Leute zusammen“, sagt er, während er die Zuschauermenge überblickt. Seine Prognose? Qualitativ sei Deutschland in der Lage ganz vorne mitzuspielen, meint er.

Fußball gucken in der Kirche? Die Einladung der Initiative Kirche des Heimat- und Feuerwehrvereins und der Kirchgemeinde Krumpa war im Vorfeld bei manchen auf Skepsis gestoßen. „Was ihr euch traut“, hatten die Veranstalter unter anderem zu hören bekommen.

Mit Rassel und Salzstangen in der Kirche Fußball gucken? Warum nicht, hat sich der Heimat- und Feuerwehrverein Krumpa gesagt.
Mit Rassel und Salzstangen in der Kirche Fußball gucken? Warum nicht, hat sich der Heimat- und Feuerwehrverein Krumpa gesagt.
(Foto: Diana Dünschel)

„Wir müssen neue Wege gehen“, meint Vereinsmitglied und Ortsbürgermeister Sven Czekalla und meint die schrumpfende Zahl der Kirchenmitglieder. Seit das Gotteshaus über einen Internetanschluss verfügt, gab es schon Gottesdienst- und Konzertübertragungen. „Wir wollen die Menschen zusammenbringen“, hat sich Ortschronist Mirko Engelhardt vorgenommen. Aber Public Viewing, „das ist schon einzigartig“, ist seiner Frau Diana Engelhardt klar, die wir ihr Mann dem Heimat- und Feuerwehrverein angehört.

Stattliche fünf Meter misst die Leinwand vor dem Altar, auf der das Spiel übertragen wird, in der Diagonale. Draußen wird gegrillt. Salzstangen werden gereicht. Eine Brandenburgerin, die gerade am Geiseltalsee campt und die der überall ausgelegte Flyer angelockt hat, äußert sich begeistert und will die Idee mit nach Hause nehmen.

Kurz vor Anpfiff wird tatsächlich ein Segen vorgelesen. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland hat ihn extra für diesen Beginn der Fußball-EM veröffentlicht, was die Frage beantwortet, ob Kirche und Fußball zusammenpassen.

Schon das Gebet mit der Hoffnung auf Freudentaumel wird mit Rasseln quittiert. Dann steigt die Stimmung dank der Tore von Minute zu Minute. „Gottes Segen hilft“, sagt Sven Czekalla, der anfangs 2:1 für Deutschland getippt hat. Und während die zweite Halbzeit läuft, heißt es schon seitens der Kirchgemeinde: „Wir liebäugeln mit einer Neuauflage.“