Nach Giftverdacht in Merseburg-West

Nach Giftverdacht in Merseburg-West: Kreisverwaltung lässt Schulen prüfen

Merseburg - Nach dem Naphthalin-Verdacht am ehemaligen Fachgymnasium in der Otto-Lilienthal-Straße Merseburg will der Saalekreis nun alle älteren Schulgebäude im Kreis auf eine mögliche Belastung mit dem Giftstoff überprüfen ...

Von Dirk Skrzypczak 29.04.2015, 07:42

Nach dem Naphthalin-Verdacht am ehemaligen Fachgymnasium in der Otto-Lilienthal-Straße Merseburg will der Saalekreis nun alle älteren Schulgebäude im Kreis auf eine mögliche Belastung mit dem Giftstoff überprüfen lassen.

„Wir erstellen gerade eine Liste unserer Schulen, die in Frage kommen könnten. Danach wird entschieden, ob und wie wir eingreifen müssen“, sagte der zuständige Dezernent Hartmut Handschak der MZ. Man werde Schüler und Lehrer keiner Gefahr aussetzen. „Wir nehmen die Sache sehr ernst, sehen aber überhaupt keinen Grund zur Panik“, so der stellvertretende Landrat.

Gefahrenanalyse der Kreisverwaltung

Die Kreisverwaltung stützt sich in ihrer eigenen Gefahrenanalyse unter anderem auf einen Erlass in der DDR von 1970. Damals wurde Naphthalin, das unter anderem in Teerpappe zu finden ist, verboten. Grund sind die gesundheitsgefährdenden und umweltschädlichen Einflüsse des farblosen Stoffes, der bei Raumtemperatur vom festen in den gasförmigen Zustand wechselt. Naphthalin riecht nach Mottenpulver oder Teer. Es reizt Atemwege und die Augen. „Schädlich wird es erst, wenn man den Stoff aktiviert, etwa durch Arbeiten an Fußböden“, erklärte Handschak.

Der Fall der Schule in Merseburg-West sorgt derzeit für Aufregung. Ursprünglich wollte die Johannes-Schule im Sommer dieses Jahres in das Objekt einziehen. Dieser Termin ist nun vorerst vom Tisch. Die Böden in der Turnhalle und der Aula sollen schadstoffbelastet sein. Ob das stimmt, wurde noch nicht geklärt. „Es ist ein Verdacht. Wir sollten daher die Messergebnisse abwarten“, bittet Handschak um Geduld.

Klarheit in Landsberg

In Landsberg besteht hingegen schon seit Tagen Klarheit. Messungen hatten eine zu hohe Naphthalin-Belastung in mehreren Räumen der Grundschule ergeben, wie die Unfallkasse Sachsen-Anhalt bestätigte. Inzwischen wurde das Gebäude geräumt, um die belasteten Böden sanieren zu können.

Eine Gefahrenquelle hat der Landkreis nach eigenen Angaben indes beseitigen lassen. Bei der Untersuchung des ehemaligen Novalis-Gymnasiums in Bad Dürrenberg, in das die Borlach-Sekundarschule einziehen soll, wurde bereits 2012 eine Kontaminierung der Fußböden mit Naphthalin festgestellt. Daraufhin wurden alle Böden herausgerissen und durch neue ersetzt. Dem Umzug der Borlachschüler in ihr neues Domizil zum Schuljahr 2015/16 steht übrigens nichts mehr im Wege. (mz)