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OB-Kandidatur in Merseburg sieben Jahre vorgezogen Merseburger hat den Turbo eingeschaltet

Sebastian Müller-Bahr tritt in Merseburg zur OB-Wahl im März als Kandidat an. Was der größte Traum des 41-Jährigen für die Stadt ist.

Von Undine Freyberg 20.01.2022, 20:22
Erscheint ziemlich überraschend auf der kommunalpolitischen Bühne: Sebastian Müller-Bahr tritt zur OB-Wahl in Merseburg als Einzelkandidat an.
Erscheint ziemlich überraschend auf der kommunalpolitischen Bühne: Sebastian Müller-Bahr tritt zur OB-Wahl in Merseburg als Einzelkandidat an. Foto: Undine Freyberg

Merseburg/MZ - Eigentlich hat Sebastian Müller-Bahr gedacht, er hätte noch Zeit. Bis vor einigen Wochen sah es ja so aus, als würde Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) noch einmal für den Posten des Stadtoberhauptes kandidieren. Gegen diesen Mann rechnete er sich keine Chancen aus.

Müller-Bahr musste Pläne komplett überdenken

Als der OB dann kundtat, dass er lieber Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft werden würde, war das eine Überraschung mit Folgen für Müller-Bahr. „Ich musste meine Pläne komplett überdenken“, erzählt der 41-Jährige. Denn er hatte eigentlich vor, seinen Hut erst in sieben Jahren in den Ring zu werfen. Bühligens Entscheidung änderte alles, und Müller-Bahr hat für seine OB-Kandidatur den Turbo eingeschaltet.

Aktuell ist er der persönliche Referent des OB. „Das bin ich seit Sommer und habe dabei gemerkt, was an einem solchen Job alles dranhängt und wieviel Freude ich an der Arbeit habe“, erzählt er der MZ. Kurz vor dem Dezember-Stadtrat habe er den OB über seine Pläne informiert. Mittlerweile hat sich Müller-Bahr in der Öffentlichkeit unsichtbar gemacht. Zumindest was seine berufliche Tätigkeit angeht. „Niemand soll mir vorwerfen, ich würde meine Position für den Wahlkampf ausnutzen.“

41-Jähriger bespielt alle Kanäle

Kandidat wünscht sich Anlaufstellen und Citymanagement

„Nicht nur jammern"

Bachelorarbeit zur Gründung eines Kulturzentrums

Aktuell ist er der persönliche Referent des OB. „Das bin ich seit Sommer und habe dabei gemerkt, was an einem solchen Job alles dranhängt und wieviel Freude ich an der Arbeit habe“, erzählt er der MZ. Kurz vor dem Dezember-Stadtrat habe er den OB über seine Pläne informiert. Mittlerweile hat sich Müller-Bahr in der Öffentlichkeit unsichtbar gemacht. Zumindest was seine berufliche Tätigkeit angeht. „Niemand soll mir vorwerfen, ich würde meine Position für den Wahlkampf ausnutzen.“

41-Jähriger bespielt alle Kanäle

Was diesen angeht, ist Müller-Bahr schon mittendrin. Und mit ihm steigt in Merseburg erstmals jemand in den Ring, der alle Kanäle von analog bis social media benutzt, um sich den Bürgerinnen und Bürgern vorzustellen. Der 41-Jährige hat eine eigene Internetseite, ist bei Facebook, Twitter und Instagram. Wer möchte, kann ihm eine Mail schicken, ihn auf dem Handy anrufen oder ihm eine Whatsapp-Nachricht schicken. „Die Homepage habe ich nicht nur wegen der OB-Wahl eingerichtet. Eine eigene Internetseite habe ich bereits seit 20 Jahren“, erzählt er.

Sein Credo, mit dem er sich für den Posten des neuen Verwaltungschefs von Merseburg bewirbt: Er will die ganze Stadt im Blick haben. „Ich will tatsächlich etwas verändern und die Stadt weiterentwickeln.“ Es seien acht Handlungsfelder, die er sehe und für die er sich engagieren wolle. Das Spektrum reicht dabei von Kultur-, Sport-, Kinder- und Jugendförderung über das Thema Bürgerbeteiligung bis zum Wunsch, die Innenstadt zu einem Erlebnis zu machen und die Stadtteile zu entwickeln.

Kandidat wünscht sich Anlaufstellen und Citymanagement

„Das ist für mich das Wichtigste, wenn ich zum Beispiel an Merseburg-Süd und das Rosental denke.“ Dort wünsche er sich unter anderem Anlaufstellen für Anwohner, in denen sie Hilfe zur Selbsthilfe bekommen oder wo sie sich selbst als Helfende anbieten können. In der Innenstadt möchte er wieder ein Citymanagement installieren. „Außerdem muss die Innenstadt stärker verkehrsberuhigt werden. Und es müssen mehr Parkplätze her. Das ist kein Widerspruch.“ Und führe zu mehr Attraktivität.

„Nicht nur jammern"

Zudem wünsche er sich eine direkte Busverbindung zur Hochschule. „Man kann nicht immer nur jammern, dass hier die Bürgersteige hochgeklappt werden, es keine attraktiven Geschäfte gibt und man abends nicht weggehen kann. Wenn sich hier etwas ändern soll, muss man dafür auch die Strukturen schaffen.“ Er möchte, dass auch die Stadt Merseburg einen Facebook-Auftritt bekommt, um mehr Menschen zu erreichen, die sich dann auch mitgenommen fühlen, denn Bürgerbeteiligung ist für den gelernten Kaufmann ein Muss. „Das bedeutet nicht, dass die Bürger immer mitentscheiden. Aber sie sollten ihre Meinung sagen dürfen.“

Sein größter Traum: ein Kulturzentrum für Merseburg. „Das Ständehaus ist die gute Stube, aber ein Haus, in dem von Varieté bis Büchercafé alles passieren kann und sich nebenan weitere Dinge ansiedeln, das haben wir nicht.“ Dabei wäre die Zielgruppe dafür da.

Für die meisten Ideen braucht man Geld, das die Stadt nicht hat. Wie will Müller-Bahr sie im Fall seiner Wahl trotzdem umsetzen? Für nahezu alles gebe es Förderung, behauptet er. „Man muss es in ein Stadtentwicklungskonzept einbauen und nach Prioritäten für die nächsten Jahre einplanen“, so sein Plan.

Bachelorarbeit zur Gründung eines Kulturzentrums

Müller-Bahr wurde 1980 in Lutherstadt-Wittenberg geboren. Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Ausbildung ging er nach Baden-Württemberg und arbeitete dort als IT-Mitarbeiter in einer Leasing-Firma. 2004 wechselte er in den Vertrieb in der Automobilwirtschaft. 2019 begann er ein berufsbegleitendes Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Merseburg. „Ich arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit. Das Thema ist tatsächlich die Gründung eines Kulturzentrums, in dem es oben auch WG-Wohnungen gibt“, verrät er. Der 41-Jährige ist verheiratet und hat vier Kinder. Er ist in der neuapostolischen Kirche seit 2003 als ehrenamtlicher Priester tätig. Seit 2019 ist er außerdem im Vorstand der Begegnungsstätte „Impuls.“

Müller-Bahr tritt als Einzelkandidat zur OB-Wahl am 13. März an. Weitere Bewerber werden aus den Reihen der CDU und der AfD erwartet. Beide Parteien werden ihre Kandidaten für die OB-Wahl noch in dieser Woche nominieren.