Männergesundheit

Männergesundheit: Beschneidung bald Kassenleistung?

Merseburg - Ein Sexualpädagoge der Hochschule Merseburg plädiert dafür, die mittlere Altersgruppe stärker für mögliche Beschneidungen zu sensibilisieren.

Von Michael Bertram
Urologen bei einer Beschneidung
Urologen bei einer Beschneidung dpa

Ein Sexualpädagoge der Hochschule Merseburg plädiert dafür, die mittlere Altersgruppe stärker für mögliche Beschneidungen zu sensibilisieren. „Mit Blick auf die Daten der statistisch erfassten Zirkumzisionen in Deutschland ist der deutliche Anstieg für das Lebensalter 50 bis 70 Jahre auffallend“, kommt Heinz-Jürgen Voß zum Schluss in einer Untersuchung.

Deren Ergebnisse sind Teil des dritten Männergesundheitsreports, der von der Stiftung Männergesundheit in Kooperation mit der Hochschule Merseburg herausgegeben und in der kommenden Woche der Öffentlichkeit näher vorgestellt wird. Zudem plädiert der Forscher dafür, die medizinisch und religiös bedingten Beschneidungen generell in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen, um ein umfassendes statistisches Bild zu erhalten und den Zugang zu medizinischer Versorgung für Betroffene zu erleichtern, wie Voß weiter erklärt.

Stationäre Vorhautbeschneidungen beliefen sich im Jahr 2014 auf 13.477 Fälle

Die stationären Vorhautbeschneidungen beliefen sich im Jahr 2014 auf 13.477 Fälle, wie aus der Untersuchung hervorgeht. 47,8 Prozent der ambulanten Eingriffe erfolgten im selben Jahr im Lebensalter von unter zehn Jahren, schreibt Voß. Ein Anstieg der absoluten Zahlen stationärer Vorhautbeschneidungen zeigt sich statistisch ab dem 45. Lebensjahr, weshalb der Wissenschaftler seine Schlussfolgerung bezüglich der mittleren Altersgruppe zieht.

Wie der Forscher betont, lasse sich durch eine Beschneidung das Risiko für Infektions- und Geschlechtskrankheiten senken. Der Männergesundheitsreport ist bereits der dritte seiner Art und wird am kommenden Mittwoch in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bericht beleuchtet das Thema Männergesundheit interdisziplinär

Einen Tag später wird auch die Hochschule Merseburg einige der neuen Erkenntnisse näher beleuchten. Der Bericht beleuchtet das Thema Männergesundheit interdisziplinär, im Mittelpunkt der Analysen steht dabei die Sexualität.

Mehr als zwei Dutzend Forscher haben dabei verschiedene Themenfelder untersucht. Dabei spielen unter anderem die historische Entwicklung der männlichen Sexualität sowie die sexuelle Gesundheit im Laufe des Lebens eine große Rolle. Näher betrachtet werden in dem fast 500-seitigen Bericht unter anderem Konzepte der Sexualpädagogik sowie die Sexualität von behinderten Menschen, sexuelle Vielfalt sowie Sexualität und Lebensformen.

Erkenntnisse zum gesellschaftlichen Umgang mit Sexualstraftätern sowie zum Sexleben von männlichen Gefangenen

Auch diversen Krankheitsbildern sind mehrere Kapitel in dem Gesundheitsreport gewidmet, darüber hinaus haben sich die beteiligten Forscher Gedanken über Grenzverletzungen gemacht: Dabei dreht sich die Betrachtung um sexuelle Gewalt und Täter-Opfer-Rollen.

Interessant dürften auch die Erkenntnisse zum gesellschaftlichen Umgang mit Sexualstraftätern sowie zum Sexleben von männlichen Gefangenen in den Justizvollzugsanstalten in Deutschland sein. (mz)