Kritik von Peta

Kritik von Peta: Setzt Zirkus aus Profitgründen Tiere erheblichen Strapazen aus?

Merseburg - „Circus Voyage“ gastiert mit Nilpferd, Giraffen und anderen wilden Tieren in Merseburg.

Von Michael Bertram

Kamele, Pferde und Lamas - diese Huftiere sind ziemlich oft in den Manegen der Zirkusse anzutreffen, die das ganze Jahr über durch die gesamte Republik touren. Nilpferde oder Giraffen sind dann allerdings schon sehr selten anzutreffen. Von Freitag bis Sonntag sind solche Tiere aber auf der Merseburger Rischmühleninsel zu bestaunen, wenn dort der „Circus Voyage“ gastiert.

Schon im Vorfeld sorgte dieser allerdings für mächtig Wirbel. Oder besser gesagt, die Tierschutzorganisation Peta, die das Familienunternehmen für die Haltung und den Transport von solchen exotischen Tieren heftig kritisiert.

Peta: „Aus Profitgründen setzt Circus Voyage Tiere erheblichen Strapazen aus“

„Aus Profitgründen setzt Circus Voyage Tiere wie Elefanten, Giraffen und ein Flusspferd erheblichen Strapazen aus“, erklärte Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta, in einer Pressemitteilung. Sie forderte die Politik auf, zu handeln und ein Wildtierverbot in Zirkussen zu erlassen.

Darüber hinaus wirft die Organisation dem nun in Merseburg gastierenden Zirkus eine mangelhafte Tierhaltung vor und verweist auf einen Vorfall in Berlin vor zwei Jahren. Dort soll das Veterinäramt mehrere Verstöße festgestellt und zudem behördliche Nachkontrollen verweigert haben.

Zirkus: „Wir kümmern uns gut um unsere mehr als 80 Tiere“

„Stimmt nicht“, erklärte am Mittwoch wiederum Vanessa Hein vom „Circus Voyage“ beim Besuch der MZ auf der Rischmühleninsel. Die angeblich schwerwiegenden Verstöße, die 2017 in Berlin festgestellt worden sein sollen, hätten so keinen Bestand gehabt. „Die wurden zurückgenommen“, sagte Hein. Für die MZ war diese Aussage am Mittwoch nicht nachprüfbar.

Beim Gang durch den Stall, in dem sich bereits mehrere Pferde befanden, wirkte auf den ersten Blick alles ordentlich. Auch zeigten die Tiere, wie von Peta vorgeworfen, keine Verhaltensauffälligkeiten. „Wir kümmern uns gut um unsere mehr als 80 Tiere“, betonte Hein. Bei längeren Gastspielen habe es bereits Tage der offenen Tür gegeben, bei denen Besucher sich die Tiere hinter den Kulissen ansehen konnten. „Wir haben auch schon mehrfach Tierschutzorganisationen dazu eingeladen“, erzählt Hein. Nachgekommen seien sie diesen Einladungen allerdings nicht, wie sie sagte.

Zirkus in Merseburg: Ob es vor Ort doch Missstände gibt, könnten die Veterinäre der Kreisverwaltung feststellen

Noch nicht anwesend war am Mittwochnachmittag Nilpferd Jedi. „Jedi ist 45 Jahre alt und kennt gar kein anderes Umfeld“, verteidigt Vanessa Hein dessen Haltung im Zirkus. Wenn die Veranstaltungsgelände komplett eingezäunt sind, könne das Nilpferd zwischen den Zelten frei herumspazieren. In seinem Stall steht zudem ein speziell angefertigter Stahlcontainer. „Der ist ausziehbar und wird mit 140.000 Litern Wasser befüllt, damit Jedi baden gehen kann“, erklärt Hein. Der Container wäre auch größer als vorgeschrieben, ergänzt sie.

Ob es vor Ort doch Missstände gibt, könnten die Veterinäre der Kreisverwaltung feststellen. Wie Kreissprecherin Kerstin Küpperbusch auf eine MZ-Anfrage sagte, werden bei Zirkusgastspielen regelmäßig unangekündigte Kontrollen durchgeführt. Im Jahr 2017 seien sieben, im vergangenen Jahr acht Zirkusbetriebe kontrolliert worden. Pro Jahr wurde jeweils nur ein Mangel festgestellt. Zuletzt berührte dies die Hufpflege von Tieren.

„Hier wurde sofort ein Hufschmied beauftragt und der Mangel behoben“, sagte sie. 2017 hatte der Tierbestand nicht der Erlaubnis entsprochen. Generell würden die Amtsveterinäre streng darauf achten, dass Zirkustiere so artgerecht wie möglich gehalten werden sollen. Zur Orientierung dienen ihnen und den Betreibern Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums, in denen die Anforderung für alle möglichen Tierarten aufgeführt sind. (mz)