Fliegende Steine und Flaschen

Fliegende Steine und Flaschen: Angler an der Saale im Visier militanter Tierschützer?

Merseburg - Steine ins Wasser werfen, die Polizei rufen oder gefangene Fische an sich reißen und retten - mit solchen Vorschlägen, wie Angler bei der Ausübung ihres liebsten Hobbys gestört werden können, hat die Tierschutzorganisation Peta jüngst für Schlagzeilen und so für einigen Unmut bei den Petrijüngern gesorgt. Nun haben Unbekannte in Merseburg die Ideen offenbar in die Tat umgesetzt und aus Sicht eines betroffenen Anglers eine echte Drohkulisse ...

Von Michael Bertram
Petrijünger aus Merseburg berichtet von massiven Störaktionen. 
Petrijünger aus Merseburg berichtet von massiven Störaktionen.  www.imago-images.de

Steine ins Wasser werfen, die Polizei rufen oder gefangene Fische an sich reißen und retten - mit solchen Vorschlägen, wie Angler bei der Ausübung ihres liebsten Hobbys gestört werden können, hat die Tierschutzorganisation Peta jüngst für Schlagzeilen und so für einigen Unmut bei den Petrijüngern gesorgt. Nun haben Unbekannte in Merseburg die Ideen offenbar in die Tat umgesetzt und aus Sicht eines betroffenen Anglers eine echte Drohkulisse aufgebaut.

Vier Jugendliche tauchten auf der anderen Uferseite der Saale auf

In der vergangenen Woche saß Hartmut Keller (Name geändert) an einem seiner liebsten Angelorte, auf der Rischmühleninsel nahe der Unterführung der B181. „Es war früher Abend und ich hörte plötzlich Stimmen“, erinnert sich der Merseburger, der aufgrund der Vorfälle lieber anonym bleiben möchte. Vier Jugendliche tauchten auf der anderen Uferseite der Saale auf. Dort nahmen sie Gegenstände in die Hand, die vermutlich andere Angler zuvor aus dem Fluss geholt und zu kleinen Haufen aufgetürmt hatten. „Sie begannen die Steine und Flaschen ins Wasser zu werfen“, schildert Keller. Als er sie aufforderte, damit aufzuhören, hätten sie nicht reagiert. „Von weiter weg hörte ich relativ erwachsene Stimmen, die mehrmals ,Weitermachen’ riefen“, erzählt der Angler.

Kaum waren die Jugendlichen verschwunden, tauchten sie zusammen mit zwei weiteren Begleitern in ihrem Alter wieder auf. Diesmal auf der Flussseite, auf der Keller saß. „Sie warfen wieder Steine, zum Teil jene, die der Uferbefestigung dienen“, erzählt Keller, der Sorge hatte, dass eines der schweren Wurfgeschosse ihn selbst treffen könnte. Nachdem Keller damit gedroht hatte, die Polizei zu rufen, verschwanden die Unruhestifter. „Da standen sie oben auf der Brücke und bepöbelten mich weiter, es hörte nicht auf“, berichtet der Angler, der am Ende jedoch keine Anzeige erstattete.

Jugendliche von Tierschützern angestiftet?

Die Ereignisse noch im Hinterkopf, ging Keller nur einen Tag später wieder an die Saale. „Dieses Mal in den Mittagsstunden, um zu vermeiden, dass die Jugendlichen im schulpflichtigen Alter wieder auftauchen“, sagt er. Doch dann passierte es: Wieder kamen sie wenig später, um ihn zu stören. Als sie verschwunden waren, hörte er sie erneut auf der Brücke über ihm miteinander sprechen: „Wir sollen nachher davorkommen, da kriegen wir was“, zitiert der Angler einen der Jugendlichen.

„Wenn er die Polizei ruft, sollen wir sagen, dass er uns in den Wald zerren wollte, um uns etwas zu zeigen“, sei ein weiterer Gesprächsfetzen gewesen, den Keller vernommen haben will. „Das zeigt mir doch eindeutig, dass die Jugendlichen von irgendjemanden zu den Aktionen angestiftet worden sein müssen“, sagt er. Dass ein direkter Zusammenhang zu den nur kurze Zeit zuvor veröffentlichen Peta-Aufrufen besteht, da ist er sich ziemlich sicher.

Beim Landesanglerverband sorgte der Aufruf von Peta für Empörung

Uwe Drese, Geschäftsstellenleiter vom Kreisanglerverein, zeigt sich angesichts der Vorfälle entsetzt. „Da wurden Steine und Flaschen geworfen, die den Angler hätten treffen können“, meint er. Auch Drese führt die Ereignisse auf die aus seiner Sicht recht militanten Aufrufe der Tierschutzorganisation Peta zurück. Drese wehrt sich zudem gegen den pauschalen Vorwurf, als Angler Tiere zu quälen. „Wer einen Fischereischein besitzt, der hat auch Sachkunde im Umgang mit den Fischen“, sagt er. Geprüfte Angler wüssten nach einem Lehrgang mit 30 Pflichtstunden, wie sie einen Fisch korrekt betäuben und töten, ohne dass das Tier langes Leid erfährt.

Zudem weist er darauf hin, was Angelvereine und deren Mitglieder alles für die Natur tun. „Wir kümmern uns um den Fischbesatz in den Gewässern und die Pflege von Flüssen, Seen und Teichen“, sagt er. Jedes Jahr werde viel Geld investiert. Auch beim Landesanglerverband sorgte der Aufruf von Peta für Empörung. „Wer dazu aufruft, Anglern ihre Fische zu stehlen oder mit Steinen zu werfen, bewegt sich am Rande unserer Gesetze“, sagt Uwe Bülau, Präsident des Landesanglerverbandes, der immerhin 43.000 Mitglieder hat. (mz)