Erfolgreiche Suche nach vermisstem Kind

Erfolgreiche Suche nach vermisstem Kind: Hund Shiro wird zum Helden von Albersroda

Albersroda/Halle (Saale) - Jennifer Tschipang steht noch ganz unter dem Eindruck des vergangenen Samstags. In Albersroda war plötzlich ein dreijähriges Kind verschwunden. Mit einem Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften war es gesucht worden. Auch Jennifer Tschipang war bei der Suche dabei. Sie war mit ihrem Hund Shiro dorthin gerufen worden, denn sie und der zweieinhalbjährige Goldendoodle gehören der Hundestaffel der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Halle-Saalekreis an. Shiro konnte den kleinen Jungen mit seiner gut ausgebildeten Spürnase in einem Fuchsbau in einer Scheune auf dem Hof in Albersroda ...

Von Claudia Crodel

Jennifer Tschipang steht noch ganz unter dem Eindruck des vergangenen Samstags. In Albersroda war plötzlich ein dreijähriges Kind verschwunden. Mit einem Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften war es gesucht worden. Auch Jennifer Tschipang war bei der Suche dabei. Sie war mit ihrem Hund Shiro dorthin gerufen worden, denn sie und der zweieinhalbjährige Goldendoodle gehören der Hundestaffel der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Halle-Saalekreis an. Shiro konnte den kleinen Jungen mit seiner gut ausgebildeten Spürnase in einem Fuchsbau in einer Scheune auf dem Hof in Albersroda finden.

Schon als sie den Anruf zum Einsatz bekam, war der 26-jährigen Jennifer Tschipang klar: „Das ist ein ganz besonderer Einsatz. Es geht um ein Kind“, sagt sie. Bislang war sie mit ihrem Hund zu mehreren Sucheinsätzen angefordert worden. Doch da habe es sich jeweils um die Suche nach älteren Menschen gehandelt. Natürlich sei ein Hundeführer stets bestrebt, sein Bestes zu geben. Aber die Suche nach einem Kind sei doch noch eine andere Dimension und besonders bewegend. Die junge Frau habe dabei sofort auch die Eltern und das, was sie durchgemacht haben müssen, im Blick gehabt.

Selbst stark unter Druck gesetzt

Jennifer Tschipang ist selbst junge Mutter. Vor acht Wochen kam ihre Tochter Liander zur Welt. Die hatte sie übrigens mit in Albersroda. Auch ihr Mann, der Assistenzarzt für Reha-Medizin ist, war mit vor Ort, hatte die Tochter im Tragetuch. „Ich habe mich selbst ganz schön unter Druck gesetzt“, schaut sie auf den Einsatz zurück.

Aber alles sei ideal gelaufen. Sie sei sehr zeitig zur Rettungsaktion hinzugerufen worden. Zudem konnte sie sich bestens auf ihren Hund verlassen, der sehr gut und zügig die richtige Richtung gefunden hat. Der Einsatz am vergangenen Wochenende war der spektakulärste in diesem Jahr nicht nur für Jennifer Tschipang, sondern für die gesamte Hundestaffel der DLRG Halle-Saalekreis. „Wir haben relativ viele Einsätze. Dass wir die gesuchte Person lebend finden, ist allerdings die Ausnahme“, erläutert Karin Kerner, Leiterin der DLRG-Hundestaffel. Oftmals müssten Flächen abgesucht werden, wo die gesuchte Person gar nicht zu finden ist. Im Bereich Wasserortung werden die Hunde zur Unterstützung der Taucher eingesetzt, um denen anzuzeigen, wo sie nach der vermissten Person tauchen müssen. Da ist davon auszugehen, dass diese nicht mehr lebend geborgen werden kann, wie bei dem Einsatz am Kanal in Neustadt Anfang Juli, als ein Angler verunglückt war.

19 Sucheinsätze dieses Jahr

Die Arbeit als Hundeführer stellt also auch immer eine psychische Belastung dar. „Jeder, der bei uns mitmacht, weiß das vorher. Gegebenenfalls bekommen wir natürlich professionelle Hilfestellung“, meint Karin Kerner. Insgesamt war die Hundestaffel der DLRG Halle-Saalekreis in diesem Jahr 19 Mal zu Sucheinsätzen gerufen worden. Zur Hundestaffel der DLRG Halle-Saalekreis gehören 22 Hunde. Sie bilden jeweils mit ihrem Hundeführer ein festes, nicht austauschbares Team. Eingesetzt werden diese Teams - je nach spezieller Ausbildung - beim Absuchen von Flächen, bei der Rettung aus Trümmern, bei der gezielten Suche nach einem bestimmten Menschen wie jetzt in Albersroda und bei der Wasserortung.

Die Hunde sind jeweils auf ihr Spezialgebiet hin ausgebildet. Für die Hundeführer, die übrigens ihre Privathunde einsetzen, für die sie nahezu jegliche Kosten samt der für die Ausbildung selbst übernehmen (lediglich die Hälfte der Hundesteuer wird ihnen erlassen), bedeutet das außerordentlich viel ehrenamtliches Engagement. Karin Kerner, die selbst zwei Rettungshunde hat, trainiert mit ihren vierbeinigen Gefährten drei Mal die Woche. Sechs bis acht Stunden am Wochenende sowie vier bis fünf Stunden in der Woche kämen da regelmäßig zusammen.

Auch Jennifer Tschipang absolviert jede Woche zwei Trainingstermine mit Shiro. Oft trainieren beide noch am Wochenende. Töchterchen Liander ist dann meist mit dabei, ganz dicht bei ihrer Mutter im Tragetuch. Jennifer Tschipang ist übrigens Masterstudentin der Sozialwissenschaft und arbeitet in der tiergestützten Therapie in einem Altenheim in Leipzig. Gegenwärtig ist sie im Mutterschaftsurlaub.