Jugendhanse besucht Merseburg

Der Freundschaftsbaum aus Halle

Neugegründeter hallescher Verein besucht auf einer Radtour Merseburg, um den Bund der Hansestädte wieder zu beleben.

Von Diana Dünschel
Mit mittelalterlichem Flair wurde der Freundschaftsbaum der Jugendhanse in Merseburg eingeweiht. Foto: Diana Dünschel

Merseburg - Unterhalb des Dicken Heinrich steht seit dem Wochenende am Saaleufer ein Hanse- und Freundschaftsbaum. Gepflanzt wurde er von der halleschen Jugendhanse, der Jugendorganisation des Vereins zur Förderung der Hansekultur der Hansestadt Halle an der Saale. An seinen Wurzeln ist seit Sonnabend zudem eine Zeitkapsel mit einem Brief an die Nachwelt vergraben. Da besuchten Mitglieder und Förderer der Jugendhanse auf einer Radtour Merseburg. Das Ziel des im Januar gegründeten Vereins mit sieben Mitgliedern von 16 bis 25 Jahren ist es nämlich, ein Netzwerk mit den anderen 194 Hansestädten zu knüpfen und sich mit den Hansetraditionen auseinanderzusetzen. Eine dieser Verbindungen führt nach Merseburg. Denn die Stadt gehörte seit 1426 dem mittelalterlichen Kaufmanns- und Städtebündnis an.

Auf sich aufmerksam machen wollten die Gäste um Sprecherin Julia Weichler mit ihrer Aktion. Das schafften die rund 20 Radler zum einen durch den Begleitkorso der Polizei. Zum anderen sorgten ihre musikalischen Unterstützer „Engelstrompete“ mit mittelalterlicher Musik direkt neben dem Saaleradwanderweg für neugierige Blicke.

„Nicht dass wir daherkommen wie eine hallesche Invasion“

„Natürlich möchten wir den ersten Hanse- und Freundschaftsbaum nicht ohne Zustimmung unser Merseburger Hansefreunde pflanzen, wissen allerdings noch nicht, wer in dieser Stadt hanseatische Traditionen und Interessen förmlich vertritt“, hatte Julia Weichler vorab in einer Pressenotiz geschrieben. „Nicht dass wir daherkommen wie eine hallesche Invasion“, wie es Thomas Kirchhoff vom Vorstand des Hallischen Hansevereins ausdrückte. Nun war nicht nur Merseburgs Kulturamtsleiter Martin Wolter am Feiertag ans Saaleufer gekommen, um das Interesse der Stadt an gemeinsamen Veranstaltungen zu bekunden. Mitgebracht hatte er zudem Vertreter des Vereins Klosterbauhütte, deren Ziel ja auch darin besteht, Merseburgern ihre Geschichte näherzubringen. Schnell war man ins gemeinsame Gespräch vertieft. Vielleicht war das der Auftakt zu einer Zusammenarbeit.

Gelegenheit dazu gebe es - wenn Corona es zulässt - schon Ende Juli bei der diesjährigen „Thietmars Flussreise“. Diese einwöchige Veranstaltung gibt es bereits seit 2015 in Form einer historisch nachgestellten Schiffsreise. Sie würdigt das Leben des Merseburger Bischofs und Chronisten Thietmar. Wie jedes Jahr soll eine der Stationen dabei Merseburg sein. (mz)