Airpark nach Schikane für immer zu

Airpark nach Schikane für immer zu: Warum Betreiber in Merseburg aufgeben

Merseburg - Das Luftfahrtmuseum ist geschlossen. Unbekannte haben Betreiber mit Anzeigen schikaniert. Vorstand zieht Reißleine, um finanziellen Ruin zu vermeiden.

Von Undine Freyberg
Das Luftfahrt- und Technikmuseum Merseburg ist geschlossen – und das nicht nur wegen Corona.

Durch die coronabedingte Schließung vieler Einrichtungen war es kaum jemandem aufgefallen, doch es steht fest: Das Luftfahrt- und Technikmuseum Merseburg wird nie wieder seine Tore für die Besucher öffnen.

Grund: Anonyme Anzeigen hatten das Bauordnungsamt des Saalekreises auf den Plan gerufen. Die erteilten Auflagen konnten der Förderverein und die Besitzer des Museums finanziell nicht stemmen. Deshalb wurde das Museum dichtgemacht. Das ist vermutlich traurig für viele Technikfreunde, aber einen anderen Ausweg gab es aus Sicht der Verantwortlichen nicht.

Seit 1996 gibt es das Museum

„Der Landkreis hat uns aufgefordert nachzuweisen, dass ein Statiker die Traglast der Decke unserer großen Ausstellungshalle überprüft hat“, sagt Jens Brehmer, einer der beiden Vorstände des Fördervereins. Der Kreis befürchte offenbar eine Gefahr für die Besucher, weil die Decke möglicherweise die Last der dort aufgehängten Ausstellungsstücke nicht halten könnte. Der Kreis bestätigt dies auf Nachfrage.

Die 4.000 Quadratmeter große Halle steht seit 85 Jahren, seit 1996 gibt es dort das Museum. Das 25-jährige Jubiläum kann allerdings nicht mehr gefeiert werden. „Wir haben mehrere Statiker kommen lassen, die sich das hier angeschaut haben. Würden wir aber ein Gutachten in Auftrag geben, würde uns das eine sechsstellige Summe kosten – egal wie das Urteil lauten würde. Das können wir uns nicht leisten“, sagt Brehmer, der das Museum gemeinsam mit Nicky Schuchardt übernommen hatte. „Allerdings hatte das Museum bisher eine Betriebsgenehmigung, und die muss der Kreis erteilt haben“, sagt Brehmer und fragt sich, was da schiefgelaufen ist.

Grundschuld von 500.000 Euro

Als Dieter Schönau, dem Mann, der alles begründet hatte, irgendwann die Kraft und auch das Geld ausgingen, waren Schuchardt und Brehmer Anfang 2018 eingesprungen. Sie kauften das Museum samt Inhalt von Schönau und nahmen damit auch eine Grundschuld von 500.000 Euro auf sich. „Zuvor hatte Schönau allen Leihgebern eine Frist gesetzt, ihre Exponate abzuholen. Das haben viele getan. Die, die ihren Besitz oder eine Abmachung mit Herrn Schönau nachweisen können, können das auch jetzt noch tun.“

Die beiden neuen Vorstände und Besitzer des Geländes versuchten in der Folge, Ordnung in das Ganze zu bringen, brachten unter anderem weitere 100.000 Euro privat auf, um die Müllberge auf dem Areal zu beseitigen. „Wir wollten etwas für die Region und für Familien schaffen, und das ist uns, glaube ich, auch gelungen“, sagt Nicky Schuchardt. „Wir bekamen nur positives Feedback, von allen, die das Museum besucht haben, als das noch ging.“

Anzeigen beim Ordnungsamt, Gewerbeamt, Arbeitsamt, Veterinäramt, Umweltamt und dem Brandschutz

Allerdings waren die beiden neuen Vereinsvorstände offenbar jemandem ein Dorn im Auge. Denn kaum waren ihre Namen Anfang Mai 2018 ins Vereinsregister eingetragen, begannen die Schikanen, wie sie anhand von Unterlagen zeigen: Am 31. Mai ging die erste Anzeige beim Bauordnungsamt des Landkreis ein, es folgten Anzeigen beim Ordnungsamt, Gewerbeamt, Arbeitsamt, Veterinäramt, Umweltamt und dem Brandschutz des Kreises.

Außerdem wurden Brehmer und Schuchardt beim Dezernat Schwarzarbeit, bei der Wasserbehörde, dem Polizeirevier Saalekreis und sogar beim Landeskriminalamt angeschwärzt. „Da hatte jemand anonym geschrieben, dass wir angeblich unbrauchbar gemachte Waffen, die hier ausgestellt wurden, wieder schussbereit gemacht haben sollen“, erzählt Schuchardt. „Da war natürlich gar nichts dran.“

5.500 Euro laufende Kosten hat das Museum pro Monat

Die Folge war aber: „An einem Tag im Sommer 2018 standen plötzlich uniformierte LKA-Leute auf unserem Gelände - mit ihren Pistolen im Anschlag – und wollten unsere Waffen sehen. Wir hatten Familien mit Kindern hier im Museum als Gäste. Die bekamen es natürlich mit der Angst zu tun und sind gegangen.“ Insgesamt 30 Anzeigen wurden gegen die beiden Vorstände gestellt, die in manchen Fällen auch hohe Kosten zur Folge hatten. Den Absender vermuten sie unter ehemaligen Vereinsmitgliedern. „In den meisten Fällen hatten die Behörden am Ende nichts zu beanstanden oder wir konnten Auflagen schnell erfüllen“, sagt Brehmer.

5.500 Euro laufende Kosten hat das Museum pro Monat. Brehmer: „Wir hatten neun Monate lang keine Einnahmen. Für sieben Monate wurde uns insgesamt eine Corona-Unterstützung von 1.546 Euro zugestanden, und wir haben dem Verein noch nicht mal unsere privaten Kosten in Rechnung gestellt. Wie hätte das denn hier noch weitergehen sollen?“ Schuchardt und Brehmer haben die Reißleine gezogen und suchen jetzt nach Möglichkeiten die finanzielle Katastrophe nicht weiter ausufern zu lassen. (mz)