Zwei Kälber gerissen

Zwei Kälber gerissen: Ist der Wolf in Köthen angekommen?

Kühren - Ist der Wolf nun auch im Altlandkreis Köthen angekommen? Diese Frage stellt sich nach einem Zwischenfall bei Kühren, wo ein Landwirt feststellen musste, dass zwei Kälber aus seiner Herde offensichtlich von einem wilden Tier gerissen worden ...

Von Ute Nicklisch und Helmut Dawal 21.03.2017, 14:42

Ist der Wolf nun auch im Altlandkreis Köthen angekommen? Diese Frage stellt sich nach einem Zwischenfall bei Kühren, wo ein Landwirt feststellen musste, dass zwei Kälber aus seiner Herde offensichtlich von einem wilden Tier gerissen worden sind.

Zweimal täglich schaut Swen Keller nach seinen Schützlingen auf die Weide, kontrolliert die Wasservorräte und prüft, ob alles in Ordnung ist. Die Rinder leben in freier Natur auf einem weitläufigen Areal von etwa 17 Hektar am Lödderitzer Forst. Auch am Montagmorgen wollte der Rinderzüchter aus Kühren nach dem Rechten schauen und merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Die gesamte Herde seiner Simmental Fleckrinder sei ungewöhnlich zerstreut und ängstlich gewesen, berichtet der Landwirt.

Zwei Kälbchen und eine Kuh sind tot

Bei weiterem Hinsehen bot sich ein Bild des Grauens. Seine Kälbchen, gerade mal drei Tage alt, lagen verstümmelt und tot auf der Weide. Bei einem das komplette Hinterteil und der Nacken heraus gerissen, bei dem zweiten der Schwanz abgerissen. Als Keller auch noch das Muttertier tot in einem Graben liegend auffand, war für den erfahrenen Tierzüchter klar: „Das können nur Wölfe gewesen sein.“

Er informierte das Wolfskompetenzzentrum Sachsen-Anhalt in Iden (Landkreis Stendfal) und sicherte die toten Tiere mit Planen für die Untersuchung. Das tote Muttertier, das die Jungen erst am Freitag auf freier Weide zur Welt brachte, sei bei der Hetzjagd über einen Graben zu Fall gekommen und habe sich dabei das Genick gebrochen, vermutet Keller.

Experte sieht Spuren auf Wölfe hindeuten

„Ich kann Wölfe nicht ausschließen.“ Das äußerte Andreas Berbig, Mitarbeiter des erst Mitte Februar eröffneten Wolfskompetenzzentrums des Landes Sachsen-Anhalt. Berbig war am Dienstag auf der Weide in Obselau, um sich die toten Tiere anzuschauen. „Ich habe an dem einen Kalb Fraßspuren gefunden, die auf einen Wolfsangriff deuten“, sagte Berbig auf MZ-Anfrage.

Der Wolfsexperte hat von den getöten Kälbern Genetikproben genommen. Die will er am Mittwoch in ein Labor zur Auswertung schicken. Die Proben werden auf Speichelmaterial von Wolf und Hund getestet, das sei dann wie ein Artnachweis. Bis die Ergebnisse vorliegen, werde es aber etwa drei Wochen dauern. (mz)