Nichts für schwache Nerven

Nichts für schwache Nerven: Carsten Liebner ist der Tatortreiniger aus Köthen

Elsdorf - „Erlernen kann man sowas nicht. Entweder du kommst damit klar oder eben nicht.“ Carsten Liebner aus Elsdorf arbeitet als Tatortreiniger. Was er und seine Kollegen bei Einsätzen sehen, würde manch einen wohl bis in seine Albträume verfolgen: Blut und andere Körperflüssigkeiten meterweit verspritzt; Tote, die schon seit einigen Tagen in ihrer Wohnung verwesen. „Ich kann das ab und bin da hart im Nehmen“, versichert ...

Von Doreen Hoyer

„Erlernen kann man sowas nicht. Entweder du kommst damit klar oder eben nicht.“ Carsten Liebner aus Elsdorf arbeitet als Tatortreiniger. Was er und seine Kollegen bei Einsätzen sehen, würde manch einen wohl bis in seine Albträume verfolgen: Blut und andere Körperflüssigkeiten meterweit verspritzt; Tote, die schon seit einigen Tagen in ihrer Wohnung verwesen. „Ich kann das ab und bin da hart im Nehmen“, versichert Liebner.

Von der Entrümpelungsfirma zum Tatortreiniger

Seit sechs Jahren betreibt er eine Entrümpelungsfirma. Dass mit der Tatortreinigung ein neues Geschäftsfeld hinzukam, liege an einem Bekannten, berichtet der 45-Jährige. Der habe ihn mit der Materie bekannt gemacht, worauf Liebner und seine Frau Antje einen Desinfektorlehrgang an einem Hygieneinstitut besuchen.

Seit November bietet die Firma „Ihr Entrümpeler“ neben Haushaltsauflösungen und dergleichen nun auch Tatortreinigungen an. Liebner hat, seine Frau mitgezählt, sechs Mitarbeiter. Und die Dienstleistung „Tatortreinigung“ wird recht häufig in Anspruch genommen. Etwa einmal pro Woche wird das Team zu einem Einsatz gerufen.

Dabei handelt es sich streng genommen aber nicht immer um Tatorte, an denen tatsächlich auch ein Verbrechen geschehen ist. Wenn jemand zum Beispiel in seiner Wohnung eines natürlichen Todes stirbt und erst Tage später gefunden wird, ist auch hier der Tatortreiniger gefragt. Manchmal aber ist am Einsatzort wirklich ein Verbrechen passiert.

Tatortreiniger: Hygiene ist das A und O bei der Arbeit

Liebner und sein Team fangen an, wenn die Polizei ihre Arbeit vor Ort abgeschlossen hat. Vor Kurzem etwa fuhr das Team zu einem Supermarkt. Räuber hatten den Laden überfallen und dabei einen Angestellten verletzt. „Da kommt man dann rein und sieht erstmal nur massenweise Blut, über viele Meter verteilt.“

Mit einem Mal gründlich Durchwischen ist es nicht getan. Hygiene ist das A und O bei der Arbeit. Entsprechend gibt es strenge Vorschriften für Schutzkleidung, die man tragen muss. „Aber der Geruch von Verwesung zum Beispiel zieht auch durch die Maske, die man im Gesicht trägt.“

Bevor das Team im Raum arbeiten kann, wird meist über Dampf der Raum desinfiziert. Und um Blut wirklich gründlich zu entfernen, müsse man schon drei bis vier Wischdurchgänge machen, berichtet Liebner.

Gearbeitet wird in einem Dreier-Team: Einer ist am eigentlichen Tatort tätig, einer macht von draußen die Zuarbeit. Und einer ist in der so genannten Schleuse. Die ist aber nicht mit Planen oder dergleichen abgeteilt, sondern umfasst den Ein- und Ausgangsbereich des zu reinigenden Raumes.

Besondere Fundstücke und Gemeinsamkeiten zur TV-Serie

Wichtig bei seiner Arbeit sei, mit den Geschehnissen am Tatort sofort abzuschließen. „Du darfst das nicht mit nach Hause nehmen und dauernd darüber nachdenken. Dann machst du diese Arbeit keine vier Wochen“, erzählt der Elsdorfer. Ihm gelinge das gut.

Darum sei er sich sicher, auch in fünf oder zehn Jahren noch Tatorte reinigen zu können. Wobei: Einige Situationen ließen auch ihn schlucken. Etwa, als er eine Heizung reinigte und darin eine abgetrennte Nase fand. „Da müssen erstmal alle raus und die Polizei wieder rein, um sich das anzugucken.“

Auch sonst könne man schon mal ins Grübeln kommen. Etwa wenn er zu einem Leichenfundort gerufen werde und gerade sauber mache, während im Hintergrund die Angehörigen schon ums Erbe streiten.

Nur wenige Gemeinsamkeiten mit der TV-Serie: „Der Tatortreiniger“

Sein Arbeitsalltag, betont der 45-Jährige, habe jedenfalls wenig gemein mit der erfolgreichen Fernsehserie „Der Tatortreiniger“. Besagter TV-Tatortreiniger trifft darin immer wieder skurrile und lustige Menschen, mit denen er sich dann unterhält.

Liebner nimmt für die Tatortreinigung Aufträge im Umkreis von etwa 250 Kilometern an. Damit diese Aufträge auch zu ihm kommen, ist er rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Solche Dinge richten sich eben nicht nach Stundenplänen. (mz)