Nach 26 Jahren

Köthens ältestes griechisches Restaurant schließt seine Pforten

26 Jahre lang wurde hier gegessen, getrunken, gefeiert und Musik gemacht.

Von Jakob Milzner 20.11.2021, 09:02
Konstantinos Pavlidis und Starroula Amanatiadou in den Räumlichkeiten des Restaurants. Vorbild für den Namen war das Labyrinth des Minotaurus.
Konstantinos Pavlidis und Starroula Amanatiadou in den Räumlichkeiten des Restaurants. Vorbild für den Namen war das Labyrinth des Minotaurus. (Foto: Ute Nicklisch)

Köthen/MZ - Konstantinos Pavlidis sitzt an einem der Tische seines Restaurants Labyrinth an der Krähenbergstraße in Köthen. Vor ihm liegen Fotos aus der Zeit, als er das Lokal eröffnete. 1995 war das. Eines der Bilder zeigt das Gebäude noch ein Jahr früher. Ein Lada steht dort an der Straße geparkt und wo sich heute ein Supermarkt mit Parkplatz befindet, erstreckte sich eine Freifläche. „Wie nackt das damals aussah“, sagt Pavlidis, während er die Zeit Revue passieren lässt.

Der Sohn und die Tochter hätten „ihren eigenen Weg eingeschlagen und wollten das nicht weitermachen“

26 Jahre lang betrieb er das Restaurant. Zwar sei es nicht das erste gewesen, aktuell sei es aber das älteste griechische Restaurant in Köthen, betont der 58-Jährige. Doch nun ist Schluss. „Wir haben unsere Pflicht getan“, sagt der Gastronom und meint damit seine Frau Starroula Amanatiadou und sich. Der Sohn und die Tochter hätten „ihren eigenen Weg eingeschlagen und wollten das nicht weitermachen“, erzählt Pavlidis. Der Sohn lebe heute in Köln, die Tochter sei nach Leipzig gezogen. „Es ist zu anstrengend für uns geworden“, begründet er die Schließung des Lokals. „26 Jahre Knochenarbeit in der Gastronomie“ seien genug.

Dabei steckt viel Mühe in den Räumlichkeiten an der Rüsternbreite. Ein Dekorateur habe diese zur Eröffnung eigens neu gestaltet, berichtet Konstantinos Pavlidis. Wer das Restaurant betritt, findet sich seitdem in einer Art Grotte wieder. Aus dem Boden wachsen künstliche Palmen in Richtung der Höhlendecke. In der gedämpften Beleuchtung erweckt das Lokal durchaus einen labyrinthartigen Eindruck.

„Man ist auch traurig, dass man nach so vielen Jahren den Betrieb einstellt“

Vorbild für den Namen des Restaurants sei das Labyrinth des Minotaurus gewesen, erzählt Konstantinos Pavlidis. Der Minotaurus ist ein Mischwesen aus der Mythologie des antiken Griechenlands. Der Sage nach hatte es einen menschlichen Körper und darauf den Kopf eines Stiers. König Minos soll das gefährliche Fabeltier aus Mensch und Tier in ein eigens erbautes Labyrinth auf Kreta gesperrt haben. Im Gegensatz zu jenem des Minotaurus ist das Labyrinth von Konstantinos Pavlidis aber keineswegs als Gefängnis gedacht. Vielmehr wirkt es wie ein Ziel für einen Kurzurlaub in mediterrane Gefilde – Palmwedel inklusive.

„Die Gefühle sind gemischt“, sagt der 58-Jährige über die anstehende Schließung des Restaurants. „Man ist auch traurig, dass man nach so vielen Jahren den Betrieb einstellt.“ Viele Erinnerungen hängen für ihn an dem Lokal: Wie etwa an die Eröffnung, als die Abzugshaube nicht richtig funktioniert habe und auf einmal alles voller Qualm gewesen sei, erinnert sich Pavlidis lachend. Gleichzeitig freue er sich nun darauf, es etwas ruhiger angehen zu lassen. „Leicht ist nichts“, sagt er, „es war schon Mühe dabei.“

Das Labyrinth an der Krähenbergstraße
Das Labyrinth an der Krähenbergstraße
Foto: Ute Nicklisch

Am Sonntag, 26. Dezember, so der Plan, soll das Restaurant im Osten Köthens nun letztmalig öffnen

Kein Wunder: Rund 130 Menschen würden in dem Lokal Platz finden, sagt der Gastronom. „Wir hatten alles. À la carte, Geburtstage, Weihnachtsfeiern“, zählt er auf. In den Anfangszeiten hätte es auch häufig Livemusik gegeben. „Es waren schöne Zeiten“, resümiert er die vergangenen 26 Jahre. Nun wolle er aber „ein bisschen kürzer treten.“

Am Sonntag, 26. Dezember, so der Plan, soll das Restaurant im Osten Köthens nun letztmalig öffnen. Und bis dahin sollten nach Möglichkeit auch alle Gutscheine eingelöst werden, betont Konstantinos Pavlidis.