Köthen

Köthen: Von Klassik bis zur leichten Muse

KÖTHEN/MZ. - Dass das Orchester aus der Taufe gehoben wurde, ging auf eine Anregung von Musikliebhaberin Gerda Götze aus Köthen zurück. "Wir saßen gemeinsam im Publikum und hörten dem Bachorchester Lüneburg zu", blickte Manfred Apitz zurück. In diesem Orchester spielen ausnahmslos Amateurmusiker, ihr Konzert in Köthen kam sehr gut an. "Wollen wir so etwas nicht auch in Köthen ...

Von HELMUT DAWAL 14.02.2011, 17:40

Dass das Orchester aus der Taufe gehoben wurde, ging auf eine Anregung von Musikliebhaberin Gerda Götze aus Köthen zurück. "Wir saßen gemeinsam im Publikum und hörten dem Bachorchester Lüneburg zu", blickte Manfred Apitz zurück. In diesem Orchester spielen ausnahmslos Amateurmusiker, ihr Konzert in Köthen kam sehr gut an. "Wollen wir so etwas nicht auch in Köthen machen?"

Diese Frage, so Apitz, habe ihm Gerda Götze damals gestellt. "Mir lag auch nahe, etwas zu tun. Ein Orchester, das sich der Klassik verpflichtet fühlt, hatte Köthen zu dieser Zeit nicht. Doch gerade dieser Stadt mit ihrer langen musikalischen Tradition steht das natürlich gut zu Gesicht", erzählte Apitz. Und so fanden sich bald die ersten Instrumentalisten ein. Die erste Probe fand am 8. Februar 1991 statt. Sie war quasi die Gründung des "Schloß-Consortiums".

25 Musiker sind es in etwa, die ständig im Ensemble mitspielen. Die Zahl schwankt immer mal, jemand kann aus zeitlichen oder beruflichen Gründen nicht mehr dabei sein, dafür findet sich ein neuer Interessent ein.

Die Altersspanne ist groß. Die Jüngsten sind 13 oder 14 Jahre, das älteste Ensemble-Mitglied ist eine 80-jährige Cellistin aus dem Salzlandkreis. Manfred Apitz empfindet diese Altersmischung als sehr angenehm. "Die Musik macht es möglich, generationenübergreifend etwas zu tun. Alt und Jung musizieren zusammen, sie sprechen aber auch miteinander und tauschen sich aus." Blechbläser, Streicher, Saxofonisten, Querflöte - all das muss bei der großen Besetzung dabei sein. Und damit wurden in den zwei Jahrzehnten viele Konzerte gegeben. Eine Statistik darüber führt Apitz nicht. Jedes Jahr gehört aber ein großes Klassik-Konzert dazu. In guter Erinnerung haben alle Musiker ein Gastspiel, das sie im Jahr 2009 in Leipzig gegeben haben. Musik von Johann Sebastian Bach für Chor und Orchester stand im Mittelpunkt.

"Die Leute, die zu uns zum Musizieren kommen, haben ganz unterschiedliche Erwartungen", berichtete Apitz. Die einen mögen vor allem Barockmusik, andere zieht es zur Tanzmusik hin, und noch andere sind offen für alle Musikrichtungen.

Das "Schloß-Consortium" ist da sehr flexibel. Und so haben sich in den zwei Jahrzehnten zur Klassik noch andere musikalische Gattungen gesellt, die ihren Niederschlag in den jeweiligen Veranstaltungen gefunden haben. "Nocturne" ist das beste Beispiel dafür. Hier gibt es eine Mischung aus Klassik, Volksliedern, irischen Tanzliedern bis hin zu Rock und Schlager. "Mit Nocturne wollen wir das Bedürfnis nach gehobener Geselligkeit befriedigen und bieten dafür leichte, aber keineswegs seichte Kost", sagte Manfred Apitz.

Inzwischen hat das Consortium auch einen kleinen Ableger, die im vergangenen Jahr gegründete "Köthener Hofkapelle". Bei ihr dreht sich alles um Barockmusik, die, möglichst authentisch, mit historischen Instrumenten gespielt wird und wo ab und zu auch Musiker dabei sind, die in Dessau oder Halle in Orchestern arbeiten.

Andreas Hardelt, der Leiter der Köthener Musikschule, ist stolz auf das "Schloß-Consortium". "Es ist eine Bereicherung für Köthen", sagte er. Hardelt zollte den Musikern großen Respekt für die Zeit, die sie bei stundenlangen Proben opfern, bis ein Konzert aufgeführt werden kann. "Sie machen das ehrenamtlich, Geld gibt es dafür nicht. Da geht es um die reine Freude am Musizieren", sagte der Musikschulleiter.