Kameraden in der Klemme

Freiwillige Feuerwehren im Südlichen Anhalt kämpfen mit Problemen durch Corona

Von Jessica Vogts
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Michael Wichmann erklärt, wie wichtig richtiger Umgang mit E-Autos ist. (Foto: Salzmann)

Südliches Anhalt - Die Corona-Pandemie beherrscht den Alltag schon lange und wird das auch noch für eine lange Zeit tun - das weiß auch Michael Wichmann, Stadtwehrleiter Südliches Anhalt. Im Feuerwehrausschuss vergangene Woche berichtete er über die aktuelle Coronasituation bei den Freiwilligen Feuerwehren. „Die Nerven liegen blank“, fasst Wichmann die Situation in einem Satz zusammen.

In der Stadt Südliches Anhalt gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung 21 Freiwillige Feuerwehren und 318 aktive Kameraden (Stand 31.12.2020). „80 Stunden muss jeder von ihnen in zwei Jahren laut Dienstpflicht absolvieren“, erklärt Wichmann. Und schon allein das ist kaum machbar in der jetzigen Situation.

Dieser Stillstand sorgt für Frust und Ärger bei den Kameraden der Feuerwehr

Von Oktober 2020 bis März 2021 war quasi alles auf null gesetzt. Keine Ausbildungen, Lehrgänge, Dienste. Vergangenes Wochenende durften zumindest die Grundausbildungslehrgänge wieder stattfinden. Aktiver Dienst darf, auf Anordnung des Bürgermeisters, nur für Kameraden, die aktuell Lehrgänge absolvieren, stattfinden.

Im Bereich Kinder- und Jugendfeuerwehr wartet man weiterhin vergeblich auf den Wiederbeginn der Ausbildung. Dieser Stillstand sorgt für Frust und Ärger. „Dieses Hin und Her macht kaum einer mit. Da muss man schon richtig Feuerwehr im Blut haben“, so Wichmann. Der Frust, wird deutlich, ist groß.

Auch die Führungskräfte sind auf regelmäßige Weiterbildungen angewiesen

Auch die Führungskräfte sind auf regelmäßige Weiterbildungen angewiesen. „Sonst verlieren sie irgendwann ihren Status“, erklärt Wichmann. In vielen Orten müssen bald neue Wehrleiter berufen werden - etwa in Prosigk, Weißandt-Gölzau und Quellendorf. Doch das Problem ist: Es stehen nicht ausreichend Führungskräfte zur Verfügung. Neun Jahre brauche es insgesamt an Erfahrung für einen Ortswehrleiter.

Doch an dieser Situation sei weniger die Pandemie schuld, weiß Wichmann. „Der Stein wurde vor zehn Jahren gelegt. Bis 2010 gab es in dem Bereich nie Probleme“, erklärt der Stadtwehrleiter. Viele junge Leute hätten sich profiliert, Nachwuchs sei da gewesen. Das sei nun nicht mehr so. Hinzukäme noch der demografische Wandel und die Altersstruktur in vielen Orten. Die fehlende Ausbildungssituation macht es da nicht unbedingt leichter, neuen Nachwuchs zu akquirieren.

Was neben dem regelmäßigen Dienst auch fehle, sei etwa der kameradschaftliche Austausch nach dem Einsatz

Vielmehr zehre die aktuelle Situation sehr an den Nerven der Kameraden, vor allem mental sei das eine enorme Belastung. „Jeder von diesen Kameraden hat auch ein Privatleben. Einige haben in ihrem Job engen Kontakt zu Menschen“, erklärt er. Natürlich würden sich alle an die Hygieneregeln halten, das sei nicht das Problem. „Aber die Angst kann einem keiner nehmen“, so Wichmann.

Was neben dem regelmäßigen Dienst auch fehle, sei etwa der kameradschaftliche Austausch nach dem Einsatz. „Da sitzt man zusammen, redet und trinkt eben auch die eine oder andere Brause“, sagt Wichmann. Das Gemeinschaftsleben fehlt momentan jedoch. Gerade bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr spielt das aber ein große Rolle. Hier eben können, ebenso wie im Fußballverein, auch Freundschaften geknüpft werden und gleichzeitig etwas für das Gemeinwohl getan werden. Wie es nun weitergeht, weiß man nicht. Dieser Zustand sei jedoch so keine Lösung auf Dauer. (mz)