Viele Hürden, viele Fragen

Bürgermeister Hemmerling zieht Bilanz: Wie lief 2021 für das Osternienburger Land?

Die Corona-Krise stellt die Verwaltung des Osternienburger Landes vor große Herausforderungen. Bürgermeister Stefan Hemmerling blickt zurück.

04.01.2022, 11:21
Stefan Hemmerling ist allen dankbar, die dabei geholfen haben, diese schwierige und ungewisse Corona-Zeit zu meistern.
Stefan Hemmerling ist allen dankbar, die dabei geholfen haben, diese schwierige und ungewisse Corona-Zeit zu meistern. (Foto: Ute Nicklisch)

Osternienburg/MZ - Die Corona-Krise verlangte dem Osternienburger Land auch vergangenes Jahr wieder einiges ab. Verwaltung und Unternehmen mussten neue Aufgaben meistern. Viele Bereiche des kulturellen Lebens standen still. Stefan Hemmerling, der Bürgermeister der Gemeinde, blickt zurück. Das Gespräch führte Stefanie Greiner.

Lassen Sie uns auf 2021 blicken. War es ein gutes oder ein schlechtes Jahr für das Osternienburger Land?

Stefan Hemmerling: Es war ein Jahr mit ständig neuen Herausforderungen. Corona stand immer an erster Stelle. Vieles wurde dadurch überlagert. Wir mussten ständig neue Prioritäten setzen.

Wie hat die Gemeinde diese Herausforderung gemeistert?

Es gibt nicht die Option, sich rauszunehmen. Wir mussten Hürden überwinden, Fragen beantworten. Dadurch, dass wir die Impftermine in Osternienburg organisiert haben, sind viele fachliche Dinge an uns herangetragen worden. Wir wollten Termine koordinieren, die Leute wollten ihre Fragen loswerden. Wir sind aber nicht das Gesundheitsamt und konnten einiges nicht beantworten. Die Mitarbeiter, die bei den Impfterminen vor Ort waren, haben eine große Dankbarkeit erfahren. Die Mitarbeiter, die Telefondienst hatten, haben mitunter Frust und Unzufriedenheit abbekommen.

Das Osternienburger Land hatte es aufgrund seiner Struktur zuvor schon schwer zusammenzuwachsen. Hat Corona die Bürger zusätzlich entfremdet?

Das würde ich nicht sagen. Durch unsere Impfaktionen gab es sehr viele positive Rückmeldungen. Viele Personen haben das Angebot angenommen und waren sehr dankbar. Es gab Begegnungen von Leuten, die sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte aus den Augen verloren haben, obwohl sie nur auf die Ortsteile verstreut sind.

In der Gemeinschaft wurde außerdem versucht, Möglichkeiten zu finden, um trotz allem etwas auf die Beine zu stellen. Der Zusammenhalt wurde dadurch verstärkt. Auch die Vereine hatten mit den Herausforderungen zu kämpfen. Sie versuchten dennoch mit verschiedensten Ideen alles, um Mitglieder nicht zu verlieren, um Kinder und Jugendliche bei der Stange zu halten, auch wenn kein Training stattfinden konnte.

Welche wirtschaftlichen Folgen hatte Corona im vergangenen Jahr?

Wir haben im Jahresverlauf immer wieder Anpassungen von Gewerbesteuervorauszahlungen berücksichtigt. Das passiert im Kleinen, weil wir keine Großunternehmen haben. Unsere Steuern verteilen sich auf viele Schultern. Aber wenn in einer Woche zwei, drei kommen, dann merken wir das schon.

Lassen Sie uns weggehen von Corona und über andere Themen sprechen. Oder gibt es noch etwas, was Ihnen wichtig ist, in diesem Zusammenhang zu erwähnen?

Wichtig wäre mir, einfach auch mal allen zu danken, die mitgezogen haben, das zu meistern. Das passiert auf allen Ebenen: Die Beschäftigten haben zusätzliche Aufgaben zu bewältigen und werden immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Genauso bei der Kinderbetreuung. Ich danke auch den Bürgern, von denen viele ein Verständnis dafür haben, dass nicht alles gleichzeitig passieren und auch nicht jede Frage gleich beantwortet werden kann.

Wie lief 2021, was die Haushaltsplanung angeht?

Die Herausforderung bei der kommunalen Haushaltsplanung ist, dass wir hellseherische Fähigkeiten haben müssen. Wir müssen einerseits wirtschaftlich planen und andererseits alle Unwägbarkeiten vorausahnen. Natürlich haben wir Bereiche, bei denen wir auf Vorjahreswerte zurückgreifen können. Es kommen aber immer auch ungeplante Dinge. Und dann stehen wir da: Haben wir Puffer? Haben wir keinen Puffer?

Eigentlich dürfen wir keinen Puffer haben, weil wir konkret planen müssen. Die Gesetzeslage sagt, dass wir den Haushalt beschließen müssen, bevor das Jahr anfängt. Was den Haushalt 2021 angeht, habe ich eigentlich kein schlechtes Gefühl. Ich denke, dass wir wieder zu einem besseren Abschluss kommen als geplant. Geplant hatten wir einen Fehlbetrag von 400.000 Euro. Wenn wir gut sind, können wir den größten Teil davon vermeiden.

Worauf kann die Gemeinde stolz sein?

Wir haben unseren Kita-Neubau ins Laufen gebracht. Es gab negative Stimmen, die damit nicht mehr gerechnet haben. Die Bauarbeiten haben im Oktober angefangen. Wir haben die Arbeiten im Hochwasserbereich fertigstellen können. Die beiden Brücken über die Taube, das Jagdschloss in Diebzig. Wir sind beim Breitband vorangekommen, wobei das lange hinter dem Zeitplan liegt. Die Tiefbauarbeiten sind weit fortgeschritten. Und die Kreisstraßen in Wulfen und Mölz wurden freigegeben. Im Bereich des Tiefbaus können wir auf sichtbare Ergebnisse schauen.

Spannend so eine Grundsteinlegung: Klar, dass sich die Mädchen und Jungen aus Wulfen für ihren Kita-Neubau interessieren und live dabei sind.
Spannend so eine Grundsteinlegung: Klar, dass sich die Mädchen und Jungen aus Wulfen für ihren Kita-Neubau interessieren und live dabei sind.
(Foto: Hermann)

Wie sieht es mit dem Familienzentrum in Kleinpaschleben aus?

Schwierig. Die Situation ist unbefriedigend. Wir hoffen auf eine Förderung. Da werden Richtlinien angepasst, da werden Aspekte der Förderwürdigkeit überarbeitet. Wir sind immer noch bei der Anpassung der Projektskizze und können derzeit noch keine Fortschritte sehen. Das Projekt findet bisher hauptsächlich im Kopf statt.

Was erwartet die Gemeinde in diesem Jahr?

Bei dem, was Corona so in den Hintergrund drängt, werden die Herausforderungen nicht kleiner. Das zeitliche Fortschreiten darf man nicht aus den Augen verlieren. Wir haben die Problematik der Umsatzbesteuerung, bei der die Kommunen ein System etablieren müssen, diese zukünftig abzubilden. Ein großes Projekt, weil wir alle unsere Leistungen daraufhin überprüfen müssen. Wir haben außerdem ein Dokumentenmanagementsystem, was wir einführen wollen und müssen.

Das sind Dinge, bei denen wir einfach an bestimmte Verpflichtungen gebunden sind. Ansonsten geht es mit dem Kita-Neubau weiter. Wir haben die nächsten Lose ausgeschrieben und hoffen auf das passende Wetter. Und dann bekommen wir das neue Löschfahrzeug für die Ortsfeuerwehr Osternienburg. Da müssen wir einen großen Spagat machen.

Es gibt zwar 190.000 Euro Förderung, aber das macht am Ende bei so einem Fahrzeug nicht einmal 50 Prozent aus. Eine Viertelmillion brauchen wir da noch an Eigenmitteln. Damit ist das Geld, was wir jährlich als Investitionspauschale vom Land bekommen, zum großen Teil schon aufgebraucht.