Ein Video für Bremen

17-Jähriger aus Köthen hat sich für Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ qualifiziert

Der 17-jährige Christian Baufeld hat es mit seinem Orgelspiel bis zum Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ geschafft, nur hinfahren darf er nicht.

Von Sylke Hermann
Christian Baufeld spielt seinem Lehrer Christopher Lichtenstein Stadtpfarrkirche Bad Liebenwerda vor. (Foto: Regina Baufeld)

Köthen - Historisch, charmant und weltoffen – so beschreibt sich die Hansestadt Bremen im Netz. Christian Baufeld hätte sich gern leibhaftig davon überzeugt. Aber er wird nicht fahren. Er bleibt in Köthen - notgedrungen. Doch wenigstens seine Musik ist unterwegs in den Norden, um die Jury von „Jugend musiziert“ zu überzeugen.

Dieser Bundeswettbewerb wäre seine größte Herausforderung gewesen. Sich mit den besten Nachwuchs-Orgel-Spielern der Republik im direkten Wettbewerb messen zu dürfen, ihnen zuzuhören, sie zu beobachten, von den anderen zu lernen, aufgeregt den eigenen Auftritt herbeisehnend, ebenso die Bewertung der kritischen Juroren. Die Virus-Pandemie macht vieles von dem unmöglich. Aber die Talente sollen sich trotzdem präsentieren dürfen. „Jugend musiziert“ wird in diesem Jahr als Videowettbewerb veranstaltet.

Christian Baufeld nimmt die Umstände beinahe gelassen hin - ein fröhlicher junger Mann, der seit fünf Jahren Orgel spielt

Der 17-jährige Schüler der Freien Schule Anhalt hat sich über Regional- und Landeswettbewerbe qualifiziert. Auch das ohne Publikum, versteht sich fast schon von selbst. Christian Baufeld nimmt die Umstände beinahe gelassen hin. Ein fröhlicher junger Mann, der seit fünf Jahren Orgel spielt. Relativ früh für dieses Instrument, meint sein Lehrer Christopher Lichtenstein, schließlich müsse man erst einmal eine gewisse Körpergröße erreichen, um mit den Füßen an die Pedale zu kommen.

Christian Baufeld beginnt seine musikalische Laufbahn mit dem Geigenspiel. Seine Mutter unterrichtet das Instrument an der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ in Köthen, leitet erfolgreich das „Saitenwind“-Ensemble. Vielleicht viereinhalb, erinnert Regina Baufeld, mag ihr Sohn gewesen sein, als er damit anfängt. Und schon damals will er unbedingt vor Publikum spielen.

Mindestens drei Stücke aus verschiedenen Epochen muss er einspielen und zur Bewertung einsenden

Bis heute, erzählt er, fasziniert ihn die Geige. Aber auch das Klavier, das er längst bravourös spielt. Und natürlich die Orgel. „Da spielt man los und es klingt sofort wie ein riesiges Ensemble.“ Die Orgel zieht Christian Baufeld kraftvoll in ihren Bann. Die „Königin der Instrumente“ beeindruckt den Schüler. „Anfangs wollte ich es einfach mal testen, aber dann bin ich dabei geblieben.“ Und nun will er sogar hoch hinaus und beim Bundeswettbewerb möglichst viele Punkte kassieren.

Mindestens drei Stücke aus verschiedenen Epochen muss er einspielen und zur Bewertung einsenden. Insgesamt 15 bis 20 Minuten. Christian Baufeld liefert 19 famose Minuten Orgelmusik und schickt sein Gesamtwerk am vergangenen Sonntag auf die Reise. Inzwischen dürfte die Musik in Bremen angekommen sein, der Gastgeberstadt des diesjährigen Wettbewerbs.

Wie gut die Aufnahmen seines Schülers bei der Jury ankommen, vermag Christopher Lichtenstein nicht zu sagen

Christopher Lichtenstein hat seinen Schützling für die Aufnahmen an drei verschiedenen Orgeln begeistern können. Aus gutem Grund: Denn das Instrument sollte optimal mit dem Musikstück harmonieren; am besten beide stammen aus einer Epoche. Und so spielt Christian Baufeld Johann Sebastian Bach in der Dorfkirche in Lebusa, Max Reger in der Kirche St. Marien in Herzberg, der Heimat seines Lehrers, und schlussendlich Jean Langlais in der Stadtpfarrkirche St. Nikolai in Bad Liebenwerda. In den beiden Vorrunden werden die Stücke in der Köthener Schlosskirche St. Marien und in St. Agnus eingespielt. Der Musikschüler ist dankbar, dass dies möglich gewesen ist.

Wie gut die Aufnahmen seines Schülers bei der Jury ankommen, vermag Christopher Lichtenstein nicht zu sagen. „Tatsächlich fällt es mir relativ schwer, das einzuschätzen.“ Wenn alle nacheinander gespielt hätten, wäre ihm das vermutlich leichter gefallen, glaubt er. Doch unter diesen Umständen, in Zeiten von Corona, mit einem gänzlich neuen Wettbewerbsformat, fehle ihm einfach der unmittelbare Vergleich. Wie gut ist die Konkurrenz? Wie hoch die Erwartungshaltung der Jury? Und wie die Qualität der eingesandten Aufnahmen? „Der eine schickt vielleicht ein Handy-Video ein, der nächste hat einen Bruder, der Tontechnik studiert.“

Schüler und Lehrer können dem neuen Online-Format durchaus etwas Positives abgewinnen

In der glücklichen Lage ist Christian Baufeld. Sein Bruder Martin studiert in der Tat Tontechnik und unterstützt ihn bei den Aufnahmen für den Bundeswettbewerb. Er schafft die geeigneten Rahmenbedingungen, postiert die Technik in den Kirchen so, dass sie beim Spielen nicht stört und den Klang des Instrumentes optimal einfängt. „Ich musste mich um nichts kümmern und konnte einfach nur spielen“, freut er sich.

Schüler und Lehrer können dem neuen Online-Format durchaus etwas Positives abgewinnen. „Man muss sich nicht den Stress machen und alle Stücke an einem Tag einspielen“, findet Christopher Lichtenstein, der seit 2013 an der Musikschule in Köthen Klavier und Orgel unterrichtet.

Nun heißt es, abwarten und Bremen vielleicht aus der Ferne kennenlernen

Die Aufnahmen in Lebusa, Herzberg und Bad Liebenwerda sind an unterschiedlichen Tagen entstanden. Ohne Stress, ohne Hektik, in aller Ruhe. Ungewöhnlich für einen „Jugend musiziert“-Bundeswettbewerb.

Nun heißt es, abwarten und Bremen vielleicht aus der Ferne kennenlernen. Nach Pfingsten wird sich die Jury in der Gastgeberstadt zusammenfinden und bewerten, was die Teilnehmer eingesandt haben. Bis dahin will Christian Baufeld einfach weiter proben. Ob Geige, Klavier oder Orgel. Alles findet im Leben des Schülers der elften Klasse seinen Platz. Neuerdings übt er sogar am Schlagzeug. (mz)